Kaiser Theodosius    Kaiser Napoleon
Der letzte souveräne ptolemäische Herrscher war Kleopatra VII., Tochter des Ptolemaios XII. Auletes ("Flötenspieler") und der Kleopatra V. Tryphaina. Sie tötete erst ihre Schwester und Mitregentin Berenike IV. und heiratete dann einen Bruder nach dem anderen. Im Machterhalt wurde sie zunächst von Cäsar tatkräftig unterstützt. Die Gegenleistung war recht menschlicher Natur, so entstand dann auch der "vaterlose" Ptolemaios XV. Kaisarion ("Caesarchen"), dessen bloßer Name schon genug über den Vater aussagt. Nach der Ermordung des römischen Diktators, im Verlauf des römischen Bürgerkriegs, band sie durch ihre Reize den Triumvirn Marcus Antonius an sich und gebar ihm drei Kinder: Kleopatra Selene II., Alexander Helios und Ptolemaios Philadelphos. Nach der Schlacht beim Aktion und der Einnahme Alexandrias durch Octavian wählte Kleopatra gemeinsam mit ihrem Gemahl und ihren unmündigen Söhnen den Freitod. Dies war das Ende der ptolemäischen Macht.
Octavians Einzug in Alexandria
Mit dem Tod von Theodosius im Jahre 395 kam es zu einer endgültigen Teilung des römischen Imperiums in das Weströmische und das Oströmische Reich. Die Herrscher von Konstanti-
nopel (bzw. Byzanz, dem heutigen Istanbul) zählten zu ihren Provinzen Thrakien, Teile Illyriens, Griechenland, Kleinasien, Syrien und Ägypten. Dieses blieb bis zur Eroberung durch die Araber unter byzantinischer Herrschaft, nachdem es im 4. Jahrhundert durch Paulus von Theben, Antonius und Pachomius christianisiert worden war.

Man darf annehmen, daß das gespannte Verhältnis zwischen Christen und "Heiden", das sehr häufig zu offenen Konflikten eskalierte, anfänglich zur Zerstörung zahlreicher antiker Kultstätten führte. Andererseits ist sicher, daß die Kopten (so wurden die christlichen Ägypter von den Arabern genannt) in der Folgezeit viele der alten "heidnischen" Bauten wieder benutzten. Der berühmte Tempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahri, der eine Klostergemeinschaft aufnahm, und der Tempel von Medinet Habu, der als christliche Kirche verwendet wurde, sind nur zwei von vielen Beispielen für die Benutzung alter Bauten durch junge christliche Gemeinden.

Medînet Hâbu ist ein Teil der alten Nekropole von Theben-West in Ägypten am Rand des Fruchtlandes des Nils, gegenüber von Luxor.
Mönchtum und Klosterwesen trugen aber auch dazu bei, die altägyptischen Nekropolen zu beschä-
digen oder zu zerstören - und dieses Mal gründlich. Die Mönche verließen die bewohnten Gebiete, um in die Wüste zu fliehen und dort ihr Leben in Einsamkeit und Meditation zu verbringen. Dort benutzten sie nicht zuletzt die antiken Hypogäen, die unterirdischen Kulträume der persisch-römischen Mithrasreligion, um einzeln oder in Zönobien (von griechisch koinos = gemeinsam und bios = Leben) fern den Städten ein Leben der Betrachtung zu führen. Viele antike Gemälde, die die Gräber schmückten, wurden von den christlichen Ordensbrüdern zerstört; noch heute sind die Spuren ihrer Anwesenheit in den meisten ägyptischen Grabstätten festzustellen.
  Die Ausschlachtung der Pyramiden  
Im Jahre 642 n. Chr., drei Jahre nach der ersten Invasion, wurde Ägypten endgültig von den Arabern und damit vom Islam erobert. Die Zeit der Pharaonen lag nun schon weit zurück, die zu Ruinen verfallenen Baudenkmäler bedeckte der Wüstensand. Die! Invasoren wußten praktisch nichts von der ruhmreichen Vergangenheit dieses Landes; sie bezeigten auch keinerlei Interesse für die Spuren dieser Zeit. Tatsächlich sind arabische Quellen, die von der Kultur der Ägypter sprechen, selten zu finden; auch hat sich in jener Epoche, die unserem Mittelalter, entspricht, kaum ein Europäer in das Niltal vorgewagt. So besitzen wir nur sehr dürftige Kenntnisse aus jener Zeit.
Die Araber gründeten die neue Hauptstadt Kairoi in der Nähe des antiken Memphis und des Tals von Gise. Der Bedarf an Baumaterial für die neue Hauptstadt hatte die endgültige Zerstörung der Überreste von Memphis und vieler Bauwerke zur Folge, die von den Arabern regelrecht als Steinbrüche benutzt wurden. Noch heute findet man in Kairoer Gebäuden viele Steinblöcke, die antiken Monumenten entnommen wurden und bisweilen sogar noch ägyptische Inschriften tragen. Doch die Araber beschränkten sich nicht auf die Demontage der Totentempel im Tal von Gise (nur der von Chephren blieb unversehrt, weil er zu jener Zeit bereits von Sand bedeckt war); als sie erkannten welchen unerschöpflichen Steinvorrat die Verkleidungen der Pyramiden darstellten, bauten sie diese ohne Zögern fast vollständig ab.
Einer der wenigen europäischen Reisenden, die sich im Mittelalter nach Ägypten begaben, war der, Baron Ogier d' Anglure. Er berichtet in seinem Reisetagebuch, daß er während seines Besuches in der Gegend von Gise Ende des 14. Jahrhunderts bei der Ablösung einiger Blöcke aus der Verklei-
dung der Großen Pyramide durch arabische Arbeiter zugegen gewesen sei. Die Arbeiter brachen die Blöcke mit geeigneten Hebelwerkzeugen von der Oberfläche und ließen sie dann hinunter-
rollen. Die Pyramiden, waren indes noch so hoch, daß man die laufenden Arbeiten überhaupt nicht wahrnahm, es sei denn man sah die Blöcke stürzen und hörte den Lärm, den die Arbeiter mit ihren Schlägen auf den Stein verursachten. Der Baron versichert in seinem Bericht, daß die meisten Kairoer Gebäude aus diesen Steinen erbaut worden seien; die Abbrucharbeiten seien dazumal bereits seit tausend Jahren im Gange gewesen, wenigstens habe man ihm dies so berichtet.
Der Abbasiden-Kalif Mamun (9. Jh. n. Chr.), ein Sohn von Harun el-Raschid, entdeckte diese Grabräuberstollen und ließ sie erweitern, um das Innere der Pyramide zu erkunden. Er fand nur ein paar Knochen, bei denen es sich sicherlich nicht um die Überreste von Pharao Chufu handelte. Kalif Mamun nahm wegen der erheblichen finanziellen Aufwendungen Abstand  von den Nachforschungen in den anderen Pyramiden. Bis zum heutigen Tag dient dieser Grabräubergang  als Eingang in das Innere der Pyramide.
Der ursprüngliche Zweck der Pyramiden, als Grabstätte zu dienen, war zu dieser Zeit längst in Vergessenheit geraten. Ihre Größe war jedoch so eindrucksvoll, daß sie Neugier und Ratlosigkeit hinsichtlich ihrer ursprünglichen Funktion hervorriefen. Eine arabische Überlieferung, die durch mehrere Quellen bestätigt wird, berichtet, Kalif el-Mamun, Nachfolger des legendären Harun al-Raschid, der durch Tausendundeine Nacht unsterblich wurde, habe zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine Pyramide abbauen wollen, um zu sehen, was sie enthielte. Das Unternehmen erwies sich von Anfang an als hoffnungslos, und der Kalif mußte sich etwas anderes einfallen lassen. So ordnete er an, man solle versuchen, in die Cheops-Pyramide einzudringen.

Die Legende berichtet, daß im Innern des Bauwerks eine Summe Geldes zum Vorschein kam, die ausreichte, die Kosten für das Unternehmen zu decken. Eine andere Überlieferung erzählt von der Entdeckung einer grünen Statue in einem Raum innerhalb der Pyramide. Diese Statue war von einem Goldpanzer bedeckt, der mit Edelsteinen übersät war. Die Geschichte deutet auf die Entdeckung der Mumie eines Pharao, zu beweisen ist die Vermutung jedoch nicht. Immerhin ist nicht auszuschließen, daß die Cheops-Pyramide tatsächlich erstmalig vom Kalifen el-Mamun geöffnet wurde. Wir haben erwähnt, daß die Araber die ursprüngliche Funktion der Pyramiden nicht kannten und dass el-Mamun von Neugier geplagt wurde, als er versuchte, eine von ihnen zu öffnen. Genausowenig über die Pyramiden wie die Araber wußten die europäischen Pilger, die während der Kreuzzüge nach Ägypten kamen.

Eine Mumie wird über den Nil zur Pyramide gebracht
Viele dieser Reisenden, die nach Syrien und Palästina gelangten, um die Stätten der Christenheit zu besuchen, pflegten ihren Aufenthalt im Orient zu verlängern, um den Weg der Heiligen Familie auf ihrer Flucht von Bethlehem nach Ägypten noch einmal zurückzulegen. Wenn sie dann vor den Pyramiden standen, suchten sie diese in irgendeiner Weise mit der Heiligen Schrift in Verbindung zu bringen.
Die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten
So galten während des Mittelalters die Pyramiden als die großen Kornspeicher, die Josef hatte bauen lassen, als er die den Ägyptern bevorstehende Hungersnot vorhersah. Diese Interpretation wurde auch in Europa widerspruchslos akzeptiert. In den Mosaiken der Markuskirche von Venedig, die etwa auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückgehen, findet man zwei Darstellungen der Pyra-
miden, die zu einer bildlichen Erzählung der Josefslegende gehören; auf der einen sind im Hinter-
grund die Pyramiden zu sehen, während im Vordergrund Josefs Brüder mit der Absicht erscheinen, Getreide aus ihnen zu entnehmen.
   Der erste Touristenbetrug  
Beduinenbandenführer
Erst im 15. und vor allem im 16. Jahrhundert, als sich zu den Kaufleuten, die in den Orient reisten, immer mehr Pilger und Gelehrte gesellten, nahm die Zahl der westlichen Quellen zu. Die Beziehungen zwischen Europa und Ägypten vertieften sich, und wie in Persien, Indien oder im Ottomanenreich ließen sich auch im Nildelta westliche Konsuln und Botschafter nieder.

Mit der Entwicklung des Handels und der Seefahrt wurden die Besuche der Europäer im Orient immer häufiger. Einmal nach Kairo gelangt, war ein Ausflug zu den Pyramiden beinahe eine Pflichtübung, trotz des Risikos, von Beduinenbanden überfallen zu werden, die zur damaligen Zeit die Wüste unsicher machten. Den Berichten dieser ersten Reisenden verdanken wir die Kenntnis eines der ältesten Fälle von Touristenbetrug durch die Bewohner des Tals von Gise.

Obwohl die Cheops-Pyramide nun schon seit vielen Jahren geöffnet war, verbauten die Araber jedesmal den Eingang mit großen Steinblöcken. Das gab ihnen die Möglichkeit, bei der Ankunft neuer Touristen die Steine wieder wegzuräumen, um so ein hohes Trinkgeld zu erlangen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden auch Ausflüge nach Sakkara Mode, wo die Reisenden mit Vorliebe Gräber besuchten und vor allem Mumien ausgraben ließen, in deren Umhüllung sie wertvolle Gegenstände zu finden hofften.

   Die große Sphinx und der Sand  
Einer der ersten europäischen Reiseberichte, der uns bis heute erhalten blieb, wurde 1579 von dem Deutschen Johannes Helffrich veröffentlicht. Helffrich war vor allem von der großen Sphinx be-
eindruckt: "Am folgenden Tag", schrieb er in sein Reisetagebuch, "erhoben wir uns sehr früh, und einige von uns ritten zu den Pyramiden. Das erste, was wir beim Näherkommen sahen, war ein gros-
ser, aus Stein gemeißelter Kopf. Im Innern ist er hohl. Man kann aber durch einen verborgenen unterirdischen und sehr engen Felsengang ein und ausgehen, dessen Eingang weiter entfernt liegt. Es scheint, daß die heidnischen Priester vom Gang aus in den Kopf gelangten und von dort zum Volk sprachen, um es auf diese Weise glauben zu machen, daß die Statue spreche. "Der Beschreibung, die Elemente der griechischen Ödipus-Sage enthält, ist eine Abbildung des Bauwerks beigefügt, die aber nur wenig der Wirklichkeit entspricht."
Helffrich war nicht der einzige damalige Besucher, der der Sphinx unerklärliche Eigenschaften zuschrieb, etwa die Fähigkeit, Rätsel zu lösen oder Orakel zu verkünden. Wüstensand bedeckte zu jener Zeit einen großen Teil der eindrucksvollen Statue, deren Kopf und vorderer Teil unter Pharao Chephren aus einer Felsschicht gehauen worden sind, während ein Teil des Körpers und der Pranken durch Ziegelmauerwerk vervollständigt war. Vor den staunenden Besuchern erhob sich nur ein rätselhaftes Gesicht von gewaltigen Ausmaßen. Unablässig hatte die Statue mit der Wüste zu kämpfen, die von Anfang an alles tat, um das Bauwerk zu begraben. Schon Pharao Thutmosis IV. (er herrschte von 1413-1403 v. Chr.) ließ es mühevoll aus den Sandmassen befreien. Er war, wie eine Stele überliefert, die zwischen den Vorderbeinen der Sphinx aufgestellt war, nach einem ermüdenden Jagdtag zu Füßen der Sphinx eingeschlafen und hörte im Traum eine Stimme, die zu ihm sprach:

"Erhebe die Augen zu mir und sieh mich an, Thutmosis, mein Sohn; ich bin dein Vater, der Gott Harachte-Keper-Re-Atum. Ich werde dir königliche Macht geben, das Land in seiner ganzen Ausdehnung wird dir gehören. Die Schätze Ägyptens und die Reichtümer der anderen Länder werden in deinen Händen sein. Seit vielen Jahren sind mein Blick und mein Herz dir zugewandt. Der Sand der Wüste aber, auf dem ich ruhe, erdrückt mich. Versprich, daß du mein Begehren erfüllen wirst. Denn du bist mein Sohn und Retter. . .!"

    
Also ließ Thutmosis IV. während seines ersten Regierungsjahres die Statue freilegen, gehorsam der Stimme seines Traumes. Doch der Sand begann von neuem sein Werk. Eine Schutzmauer aus römischer Zeit (wahrscheinlich auf Anordnung von Kaiser Septimius Severus errichtet) wurde ebenfalls vom Sand verschlungen. Im 15. Jahrhundert erregte die Sphinx den Unwillen der Araber, die sie zu demolieren suchten. Einige Zeit später traf eine Kanonenkugel der Mamelucken ihren Kopf. Im Laufe weiterer Jahrhunderte zerfraß der Wüstenwind das Kalkgestein ihres Halses und zerstörte den symbolischen Bart und die hervorstehenden Teile des Kopfputzes.

Im Jahre 1818 ließ sie der Italiener Giovanni Battista Caviglia, 1886 der Franzose Gaston Maspero, der damals Generaldirektor des Service des Antiquites, der Ausgrabungen und Altertümer in Ägypten war, neuerlich vom Sand befreien; im Jahre 1926 grub man die Sphinx noch einmal aus und nahm Abstützungs-und Restaurierungsarbeiten in griff. Leider verlor die Sphinx mit der Entwicklung des modernen Tourismus einen großen Teil ihrer geheimnisvollen Faszination. So stehen heute Zäune und Sessel neben ihr, für das "Son et lumiere" - Sptakel, und in den warmen ägyptischen Nächten zählt die Sphinx auf arabisch, englisch und französisch von den inzwischen vergessenen Erlebnissen jenes alten Volkes, das sie erbaut hat.

  Zurück zur persischen und ptolemäischen Herrschaft  Das Tutanchamun-Grab  

Ein kleiner Eintrag im Gästebuch würde mich freuen. Vielen Dank!