Alexander in Samarkand. Zu jener Zeit gab es noch keine Moscheen, denn der Islam war noch nicht bekannt - ebenso auch das Christentum. Nur das Judentum bestand schon. Allerdings Prachtbauten gab es schon damals zuhauf.
Nach der Einnahme von Samarkand zog Alexander noch weiter bis zum Syrdarja und gründete dort im Mai 329 v. Chr. die Stadt Alexandria Eschatê ("das entfernteste Alexandria"), das heutige Chudschand in Tadschikistan. Etwa gleichzeitig erhob sich die Bevölkerung Sogdiens gegen Alexander. Anführer der Rebellion war ein Mann namens Spitamenes, der zuvor Bessos verraten und an Alexander übergeben hatte. Die Sogdier, die Alexander zunächst begrüßt hatten, nun jedoch sahen, dass eine Fremdherrschaft durch eine andere ersetzt wurde, machten die makedonischen Be-
satzungen nieder. Alexander zog Truppen zusammen und marschierte von einer re-
bellischen Stadt zur anderen, belagerte sieben von ihnen und tötete anschließend sämtliche männlichen Einwohner, wohl um ein abschreckendes Exempel zu statuie-
ren. In der Zwischenzeit eroberte Spitamenes Marakanda zurück, doch Alexander erkämpfte sich die Stadt erneut. Spitamenes entkam Da das Heer geschwächt und stark reduziert war, musste Alexander von der Verfolgung ablassen. Im Zorn brann-
te er Dörfer und Felder jener Bauern nieder, die die sogdische Revolte unterstützt hatten. Für den Winter 329/328 v. Chr. zog er sich nach Baktra zurück und erwarte-
te neue Truppen, die bald darauf aus dem Westen eintrafen und bitter benötigt wurden.

Im Frühling 328 v. Chr. kehrte Alexander nach Sogdien zurück. Den Quellen zufolge gründete er am Amudarja ein weiteres Alexandria, das vielleicht mit der heutigen Siedlung Ai Khanum identisch ist. Der Kampf gegen die sogdischen Rebellen dauerte das ganze Jahr. Erst Monate später zeigte sich, dass die Anhänger des Spitamenes ihren Befehlshaber zu verlassen begannen. Der Kopf des Rebellenführers wurde Alexander schließlich im Dezember 328 gebracht.

   Alexander in Baktrien (327 v. Chr.)   

Während der Sieg gefeiert wurde, kam es zu einem Streit zwischen Alexander und seinem General Kleitos. Kleitos, der altmakedonisch gesinnt war, sollte demnächst nach Baktrien aufbrechen. Grund war vermutlich sein Alter, aber Kleitos sah dies als Herabsetzung an. Beide waren zu diesem Zeitpunkt betrunken und Kleitos hatte Ale-
xanders Vater Philipp zu loben begonnen. Hierdurch fühlte sich Alexander so belei-
digt, dass es zum Streit kam, in dessen Verlauf Alexander vergeblich nach seinen Waffen suchte, die vorsichtshalber von einem Leibwächter beiseite gelegt worden waren. Alexander, der möglicherweise Verrat befürchtete, rief in höchster Erregung auf Makedonisch nach einer Lanze, entriss einer Wache diese und tötete mit ihr Kleitos, der ihm am Granikos das Leben gerettet hatte. Als Alexander wieder bei Besinnung war, bereute er diese Tat zutiefst: Es heißt, er solle geklagt und geweint und gar versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen. Er sah diese Tat jeden-
falls als einen seiner schwersten Fehler an. Alexanders Neigung zu übermäßigem Alkoholgenuss – er trank allerdings fast ausschließlich in Gesellschaft – blieb eine Schwäche, in der er häufig die Selbstkontrolle verlor.

Im folgenden Jahr 327 v. Chr. eroberte Alexander noch zwei sogdische Bergfe-
stungen. Dann war niemand mehr übrig, um ihm Widerstand zu leisten. Zwei Jahre hatten die Sogdier sich gegen Alexander erhoben und ihn in immer neue Scharmützel verwickelt. Nach dieser Zeit waren die meisten von ihnen tot oder versklavt. Bevor Alexander nach Baktrien zurückkehrte, ließ er 11.000 Mann Besatzung in den ero-
berten Gebieten Sogdiens zurück.

  Alexander heiratete in Baktra die sogdische Prinzessin Roxane, Tochter eines Mannes namens Oxyartes (nicht identisch mit dem gleichnamigen Bruder des Dareios).  
Zurück in Baktra gab Alexander eine Reihe von Befehlen, die seine makedonische Generalität weiter von ihm entfremdete. Da sich baktrische Reiter bei den Feldzügen in Sogdien als hilfreich erwiesen hatten, befahl Alexander seinen Generälen, 30.000 junge Perser und Baktrier zu Phalanx-Soldaten auszubilden. Auch in die Kavallerie wurden Einheimische integriert. Die Soldaten akzeptierten die Auflagen widerstre-
bend, denn noch immer trauten sie den Persern nicht.

Alexander heiratete in Baktra die sogdische Prinzessin Roxane, Tochter eines Mannes namens Oxyartes (nicht identisch mit dem gleichnamigen Bruder des Dareios). Durch diese politische Hochzeit gedachte er zur Befriedung Sogdiens beizutragen. Dafür schickte Alexander seine langjährige Geliebte Barsine und den gemeinsamen unehe-
lichen Sohn Herakles fort. Die Hochzeit war auch eine Beleidigung für Alexanders Verbündeten Artabazos, den Vater der Barsine, seinen Statthalter in Baktrien.

  Alexander und Prinzessin Roxane nehmen die Militärparade zu Ehren ihrer Hochzeit ab.  
Außerdem versuchte Alexander, das persische Hofritual der Proskynese einzuführen: Jeder, der vor den König treten wollte, musste sich vor diesem verbeugen und das Gesicht auf den Boden pressen. Freie Makedonen und Griechen praktizierten eine solche Unterwerfungsgeste allerdings nur vor den Göttern. Es heißt, dass mehrere von Alexanders Generälen sich weigerten, sich derart vor ihm zu erniedrigen. Fortan galt sie nur noch für Perser.

Alexanders Anordnungen wurden als solche Merkwürdigkeiten empfunden, dass es diesmal zur offenen Revolte unter den griechischen Soldaten zu kommen drohte. Um ihr vorzubeugen, ließ Alexander eine Reihe von einstigen Gefolgsleuten hinrichten, darunter seinen Hofbiographen Kallisthenes.

   Der Indienfeldzug (326 v. Chr.)  

Alexander wähnte sich bereits in Indien. Doch das, was er sah, war nicht das heutige Indien - sondern vielmehr die pakistanisch-indische Grenze. Indien bestand zu seiner Zeit aus einem Vielvölkerstaat und ein Teil davon gehörte noch zu Persien.
Nach der Eroberung des gesamten Perser-
reichs fasste Alexander den Entschluss, sein Imperium weiter nach Osten auszudehnen. Indien war für die Griechen ein halblegendäres Land, über das sie kaum etwas wussten. Das Land, das damals Indien genannt wurde, ist nicht identisch mit dem heutigen Staat Indien. Es begann dort, wo Persien endete: im Osten Afghanistans. Es umfasste auch Pakistan und natürlich das heutige Indien. Eine definierte Ostgrenze gab es nicht, da kein Reisender jemals weit nach Indien vorgedrungen war. Die westlichsten Teile jenes Indiens hatten zu Zeiten Dareios' I. zu Persien gehört, wobei Indien selbst kein geeinter Staat war, sondern aus einer Vielzahl wenig bekannter Kleinstaa-
ten bestand. Für den Indienfeldzug gab es keinerlei militärische Notwendigkeit.

Die Gründe werden auch heute noch in der Forschung diskutiert, ohne dass bisher eine Einigung erzielt worden wäre. Möglicherweise waren es Alexanders Neugier und Kriegslust, eine Art irrationales Streben und Sehnsucht nach Erfolgen (pothos), aber auch Thesen wie seine Autorität durch immer neue militärische Siege zu konsolidieren werden angeführt. Jedenfalls sollte sich der Indienfeldzug als eine schwere Bela-
stungsprobe erweisen.

Alexander teilt seinen Generälen seinen Schlachtplan mit.
Zu Beginn des Jahres 326 v. Chr. stieß Alexander mit zwei Heeren ins Tal des Flusses Kabul vor, das damals ein Teil Indiens war. Der Vorstoß war von besonderer Grausam-
keit gekennzeichnet. Immer seltener ließ Alexander gegenüber eroberten Regionen Großzügigkeit walten. Städte und Dörfer wurden zerstört und ihre Bevölkerungen ermordet. Die zwei Armeen trafen einander am Indus. Alexander machte das Land zwischen Kabul und Indus zur Provinz Gandhara und ernannte seinen Gefolgsmann Nikanor zu deren Statthalter. Am anderen Ufer des Indus wurden Alexanders Truppen von Omphis empfangen, dem König von Taxila, das etwa 30 km vom heutigen Islama-
bad entfernt lag. Hier traf Alexander einen Mann namens Kalanos, den er aufforderte, ihn auf seinen weiteren Feldzügen zu begleiten. Kalanos stimmte zu und wurde Ale-
xanders Ratgeber; offensichtlich war er bei den kommenden Verhandlungen mit in-
dischen Führern sehr von Nutzen.
Am anderen Ufer des Indus wurden Alexanders Truppen von Omphis empfangen, dem König von Taxila, das etwa 30 km vom heutigen Islamabad entfernt lag.
Vom Hof des Omphis aus rief Alexander die anderen Staaten des Panjab auf, sich ihm zu unterwerfen und ihn als Gott anzuerkennen. Dies verweigerte Poros, der König von Pauravas, das von Taxila durch den Fluss Hydaspes (heute Jhelam) getrennt war. Im Mai überquerte Alexander während eines Platzregens den Hydaspes und besiegte eine berittene Einheit unter dem Sohn des Poros. Die Griechen und Perser zogen wei-
ter ostwärts. Zahlenmäßig waren sie dem kleinen Heer des Poros, das sie erwartete, überlegen, doch kamen sie in dem üppig bewaldeten Land mit seinen ständigen Re-
genfällen schwer zurecht. Außerdem waren Berichte zu ihnen gedrungen, dass Poros eine Einheit von Kriegselefanten unterhielt, mit denen sich die Griechen nie zuvor ge-
messen hatten. In der Schlacht am Hydaspes wurden die Inder besiegt. In dieser Schlacht soll Alexanders Pferd Bukephalos zu Tode gekommen sein, obwohl andere Quellen sagen, es sei schon vor der Schlacht an Altersschwäche gestorben. Seinem langjährigen Reittier zu Ehren gründete Alexander die Stadt Bukephala (heute wahr-
scheinlich Jhelam in Pakistan). Poros wurde begnadigt und zu Alexanders Statthalter in Pauravas ernannt.
Im Mai überquerte Alexander während eines Platzregens den Hydaspes und besiegte eine berittene Einheit unter dem Sohn des Poros.
Weiter im Osten am Ganges lag das Königreich Magadha, das selbst den Menschen des Panjab kaum bekannt war. Alexander wollte auch dieses Land erobern. Bei hef-
tigem Monsunregen quälte sich die weitgehend demoralisierte Armee ostwärts und hatte einen Hochwasser führenden Fluss nach dem anderen zu überqueren. Ende Juli stand die Überquerung des Hyphasis (heute Beas) an, und von Magadha waren die Soldaten noch weit entfernt. Hier meuterten die Männer und weigerten sich, weiter zu gehen; ihr einziges Bestreben war die Heimkehr. Alexander war außer sich, wurde aber letztlich zur Umkehr gezwungen. Am Ufer des Hyphasis gründete er ein weiteres Alexandreia und siedelte hier viele Veteranen an, die damit wenig Hoffnung hegen durften, jemals nach Griechenland zurückzukehren.
   Rückkehr nach Persien (326–325 v. Chr.)  

Der beschwerliche Rückweg zum Hydaspes dauerte bis zum September. In Bukephala war der Bau von 800 Schiffen begonnen worden, die den Fluss abwärts zum Indischen Ozean segeln sollten. Dies waren jedoch nicht genug, um Alexanders gesamte Armee zu transportieren, so dass die Schiffe am Ufer von Fußsoldaten begleitet werden mussten. Im November brachen sie von Bukephala auf, doch nach zehn Tagen trafen sie am Zusammenfluss des Hydaspes mit dem Acesines (heute Chenab) auf Strom-
schnellen, in denen mehrere Schiffe kenterten und viele Griechen ihr Leben verloren.

Der weitere Weg führte durch indische Staaten, die Alexander nicht unterworfen hatte. Immer wieder wurde das Heer angegriffen, und die Perser und Griechen zer-
störten Städte und Dörfer, wo sie ihnen in den Weg kamen. Im Kampf gegen die Maller wurde Alexander bei der Erstürmung einer Stadt (vielleicht Multan durch einen Pfeil schwer verletzt. Das Geschoss drang in seine Lunge; obwohl Alexander überlebte, sollte er den Rest seines Lebens unter den Folgen dieser Verwundung leiden. Vom Krankenlager aus befahl er, dass am Zusammenfluss von Acesines und Indus ein weiteres Alexandreia (nahe dem heutigen Uch) gegründet werden solle und dass Roxanes Vater Oxyartes zum Statthalter der neuen Provinz ernannt werden sollte.

Alexander wieder in Persien.
Als nächstes griff Alexander die Staaten von Sindh an, um seiner Armee den Weg nach Süden frei zu kämpfen. Die Könige Musicanos, Oxicanos und Sambos wurden unterworfen. Musicanos, der später eine Rebellion begann, wurde letztlich gekreu-
zigt. Erst als der Monsun wieder begann, erreichte das Heer 325 v. Chr. die Indus-
mündung und den Indischen Ozean. Alexander gründete hier die Stadt Xylinepolis (heute Bahmanabad) und machte die Flotte startklar. Während etwa ein Viertel der Armee so auf dem Seeweg die Rückkehr antreten sollte, musste der Großteil über den Landweg nach Persien zurückkehren. Im August 325 v. Chr. machte sich das Landheer unter Alexanders Führung auf den Weg. Die Flotte unter dem Befehl des Nearchos brach einen Monat später überstürzt auf, da sich die Einheimischen zu erheben be-
gonnen hatten. Praktisch unmittelbar nach dem Abzug des Heeres fielen die gerade eroberten Kleinstaaten Indiens ab und erhoben sich gegen die in den neuen Städten zurückgebliebenen Veteranen, über deren weiteres Schicksal in den wenigsten Fällen etwas bekannt ist.
   Die Massenhochzeit von Susa
            die Revolte in Opis
     und der Tod Hephaistions
                  (324 v. Chr.)  
  
Das heutige Belutschistan war damals als Gedrosien bekannt. Obwohl die Perser vor der Durchquerung der gedrosischen Wüste warnten, unternahm Alexander dieses Risiko, wahrscheinlich weil es der kürzeste Weg war. Die Hintergründe sind in der Forschung jedoch umstritten. Ob er wirklich die sagenhafte Königin Semiramis über-
treffen wollte, ist wenigstens fraglich; wenn, dann ging es Alexander wohl darum, die Rückschläge des Indienfeldzugs durch dieses Unternehmen zu relativieren. Auch die Stärke des Heeres ist ungewiss, wenn auch Zahlen von über 100.000 Mann jedoch sicherlich übertrieben sind und um die 30.000 Mann realistischer sein dürften. Die sechzigtägigen Strapazen ließen zahllose Soldaten durch Erschöpfung, Hitzschlag oder Verdursten ums Leben kommen; dabei spielte auch der Umstand eine Rolle, dass Alexanders Führer offenbar recht unfähig waren. Im Dezember erreichten die Sol-
daten Pura (heute Bampur), einen der östlichsten Vorposten Persiens, und waren damit in Sicherheit.
Die Massenhochzeit in Susa.
Manche Quellen (Curtius Rufus, ähnlich Plutarch) behaupten, dass Alexander, in An-
lehnung an den Dionysos-Mythos, der angeblich Indien unterworfen haben soll, seine Rückkehr als rauschendes Fest (komos) inszeniert haben soll. Die vertrauenswür-
digste Quelle, Arrian, hielt derartige Berichte allerdings für kaum glaubwürdig und sie dürften auch tatsächlich zumindest übertrieben sein. Alexander gründete jedenfalls im Januar 324 v. Chr. ein weiteres Alexandreia (heute Golashkerd). Auf dem Weg westwärts stieß er in Susa auf Nearchos und seine Männer, die den Seeweg weitge-
hend unversehrt überstanden hatten. Neue Feiern wurden genutzt, um 10.000 per-
sische Frauen mit Soldaten zu verheiraten. Die Ehen wurden von Alexander als Not-
wendigkeit gesehen, um das Zusammenwachsen von Persern und Makedonen/Grie-
chen weiter voranzutreiben. Er selbst heiratete zwei Frauen, nämlich Stateira, eine Tochter des Dareios, und Parysatis. Er war somit nun mit drei Frauen verheiratet. Die Hochzeiten wurden nach persischem Ritual ausgeführt. Schon Alexanders Vater hatte die Hochzeit mit mehreren Frauen als diplomatisches Mittel zur Stabilisierung und Ausweitung seines Machtbereiches eingesetzt. In der Forschung wurde dies als Ver-
such interpretiert, eine Art "Verschmelzungspolitik" zu betreiben (Johann Gustav Droysen). Der britische Historiker Tarn sah darin gar den Versuch einer "Vereinigung der Menschheit"; viele andere moderne Historiker wie Badian oder Bosworth lehnen dies jedoch ab.
Die Verschmelzungspolitik Alexanders des Grossen.
Harpalos wurde jedoch bald darauf auf Kreta ermordet.
Um weitere Attribute eines persischen Staates zu übernehmen, ernannte Alexander seinen langjährigen Freund Hephaistion (und nach dessen Tod Perdikkas) zum Chiliarchen (Wesir) und seinen General Ptole-
maios zum Vorkoster. Beide Titel waren im Westen unbekannt. Außerdem wurden gegen mehrere Statt-
halter, die sich bereichert hatten oder ihren Aufgaben nicht sachgerecht nachgekommen waren, Prozesse eröffnet. Harpalos, ein Jugendfreund Alexanders und sein Schatzmeister, befürchtete aufgrund seines Verhaltens einen solchen Prozess. Er setzte sich mit 6.000 Söldnern und 5.000 Talenten nach Griechenland ab, wurde jedoch bald darauf auf Kreta ermordet.
  Alexander und Hephaistion betrachten vom Balkon aus die mitternächtliche Stadt.  
Die Neuerungen Alexanders vergrößerten die Kluft zwischen Alexander und seiner makedonischen Generalität. Da die Zahl der Soldaten iranischer Herkunft im Heer die der Makedonen zu übertreffen begann, fürchteten sie, bald gänzlich bedeutungslos zu sein. Perser durften nun auch höhere Ränge in der Armee bekleiden, was die Ma-
kedonen als unerhört ansahen. Als die Armee die Stadt Opis am Tigris erreichte, er-
laubte Alexander vielen Makedonen die Rückkehr nach Hause. Was sie vorher ersehnt hatten, sahen sie nun als Affront, da dies das erste Zeichen ihrer Ersetzung durch Orientalen zu sein schien. Quellen berichten, dass manche der Soldaten Alexander wüste Beleidigungen entgegen geschrieen hätten. Alexander reagierte, indem er sie augenblicklich absetzte und ihnen drohte, die persischen Soldaten gegen sie zu schicken. Die Soldaten entschuldigten sich daraufhin, und ihnen wurde verziehen. 11.500 griechische Soldaten wurden jedenfalls in den Folgetagen nach Hause ge -
schickt.

Im Herbst des Jahres 324 v. Chr. ging Alexander nach Ekbatana, wo Hephaistion nach einem der vielen Trinkgelage erkrankte und starb. Alexander, der wohl lange Jahre Hephaistions Geliebter gewesen war (wenigstens bis zum Feldzug im Iran), war außer sich vor Trauer. Er ließ nach Plutarch den Arzt seines Freundes kreuzigen, die Haare von Pferden und Maultieren abrasieren und opfern, fastete mehrere Tage und rich-
tete dann ein monumentales Begräbnis aus. Danach ließ er sämtliche Kossaier um -
bringen. Die Behauptung, Alexander sei bisexuell gewesen, ist nach wie vor sehr um-
stritten: Vielmehr genoss Alexander ebenso wie sein Vater Philipp und viele andere Makedonen bzw. Griechen seiner Zeit die Anwesenheit von Frauen (er hatte mehrere Beziehungen zu Frauen, die bekannteste und wohl ernsthafteste war die zu Roxane) ebenso wie die von Männern; diese waren teils wohl auch sexueller Natur. Gleichge -
schlechtliche Beziehungen wurden zu jener Zeit auch nicht verdammt, es kam aber sehr wohl auf den sozialen Status der Partner an.

Im Februar 323 v. Chr. kehrte Alexander letztlich nach Babylon zurück. Hier bereitete er neue Feldzüge vor, die zur Einnahme der Arabischen Halbinsel führen sollten. Eben-
so plante er möglicherweise, anschließend den westlichen Mittelmeerraum mit Kar-
thago und Rom zu erobern, obwohl die diesbezügliche Quellenüberlieferung sehr un-
sicher ist. Im Mai, kurz vor dem geplanten Aufbruch des Heeres, verkündete Alexan-
der, dass sein toter Freund Hephaistion fortan als Halbgott zu verehren sei, nachdem ein Bote aus der Oase Siwa eingetroffen war, wo Alexander wegen einer Vergött-
lichung Hephaistions angefragt hatte; es sei an dieser Stelle angemerkt, dass Ale-
xander sich in religiösen Fragen als sehr fromm zeigte – er opferte sogar noch, als er später schwer erkrankte – und auch als in dieser Hinsicht toleranter Herrscher. Aus diesem Anlass veranstaltete er Feiern, bei denen er wieder übermäßig Alkohol zu sich nahm. Am nächsten Tag erkrankte er an einem Fieber und verstarb schließlich am 10. (oder 11.) Juni jenes Jahres.
Alexander litt an einem hohen Fieber und verstarb schließlich am 10. (oder 11.) des Jahres 323.
Mehrere Todesursachen wurden seither diskutiert, darunter eine Theorie, nach der Alexander am West-Nil-Fieber erkrankt sei. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass sein körperlich schwacher Zustand, resultierend aus Kampfverletzungen und übermäßigem Weinkonsum, zu einem Schwächeanfall oder einer Krankheit geführt hat. Die Ärzte damals schworen auf die reinigende Wirkung von herbeigeführtem Erbrechen und Durchfall. Deshalb war es damals üblich, Weißen Germer in geringen Dosen zu ver-
abreichen. Die Symptome, welche Alexander der Große laut den Überlieferungen hatte, sind typisch für eine Vergiftung durch Weißen Germer. Die Ärzte von damals gaben ihm wahrscheinlich immer wieder geringe Dosen der Pflanze und verschlech-
terten den Zustand von Alexander, vermutlich ohne Absicht, bis dieser letztlich starb. Zudem spricht für die Theorie, dass diese Pflanze, in deren Wurzel die größte Gift-
konzentration steckt, im Mittelmeerraum bis heute sehr verbreitet ist. Die Leiche von Alexander dem Großen soll angeblich in Honig gelegt worden sein. Seine Überreste, die in Alexandria zur Ruhe gebettet wurden, sollten für die Ewigkeit bestehen bleiben.

Alexanders letzte Worte auf die Frage, wem er sein Reich hinterlassen werde, sollen gelautet haben: Dem Stärksten von euch. Des Weiteren äußerte Alexander eine dunkle Prophezeiung hinsichtlich der Zukunft: Er glaube, dass seine Freunde große Begräbnisspiele für ihn veranstalten werden; seinen Siegelring übergab er Perdikkas, der nach Hephaistions Tod sein engster Vertrauter gewesen war. Nach seinem Tod gebar Roxane Alexander IV. Aigos, seinen einzigen legitimen Sohn, der aber noch im Kindesalter ermordet wurde.

Die genaue Lage des Grabes Alexanders ist bis heute nicht bekannt
Die genaue Lage des Grabes Alexanders ist bis heute nicht bekannt. Alexander soll zwei Jahre nach seinem Tod 323 v. Chr. in Babylon nach Sakkara der Nekropole von Memphis in Ägypten gebracht und nach makedonischer Sitte in einem Kuppelgrab begraben worden sein. Kurze Zeit darauf wurde die Leiche aber nach Alexandria in Ägypten verlegt und dort beigesetzt. Das Grab diente auch lange als Zentrum des Kultes um Alexander. Strabon, Caligula, Caesar und Augustus sollen zu denen zählen, die das Grab besucht haben, das später, vielleicht infolge der Stadtunruhen in der Spätantike (Lane Fox), verloren ging. Irgendwann in den Wirren der Spätantike ging die Kenntnis über die genaue Position des Grabes verloren und ist seit nunmehr 1800 Jahren Gegenstand ständiger Spekulationen und der Suche von Glücksrittern und Schatzsuchern. In moderner Zeit meldeten die Medien allein 132 mal den Fund des Grabes; jedesmal erwies sich das als Zeitungsente. Keineswegs nur in Alexandria, in der halben Welt wollte man den Ort der sterblichen Reste Alexanders gefunden haben. Kürzlich erst meldete der Historiker Andrew Chugg, die Mumie müsse inmitten des Markusdoms gelegen haben.

Ein kleiner Eintrag im Gästebuch würde mich freuen. Vielen Dank!