Der Pfad
Zum Schri Pada auf Ceylon pilgern die Anhänger Buddhas, um im Heiligtum auf dem Gipfel des 2366 Meter hohen Berges die legendären Fußspuren Guadamas zu verehren.
Von Ceylon bis zu den japanischen Inseln und in großen Teilen des asi- atischen Kontinents zählt die sanfte
und friedliche Religion des Buddhis-
mus einige Hundert Millionen, viel- leicht sogar eine halbe Milliarde Anhänger. Viele westliche Denker,
die die gelbgekleideten buddhistischen Mönche kennengelernt und in den großen Bibliotheken ihrer stillen Klö-
ster gearbeitet haben, halten den Buddhismus für eines der erhabensten Gedankengebäude, das je vom menschlichen Geist errichtet worden ist. Anders als andere große Religi-
onen, verzichtet der Buddhismus weitgehend auf das Oberirdische und gibt vor allem Richtlinien für eine sinnvolle Lebensweise.

Buddha ist nicht der Gott, sondern der Gründer des Buddhismus. Geboren wurde er als Prinz Siddharta Gautama 563 v. Chr. in Lumbini (Nepal) als Sohn eines Rajas. Bereits mit 16 Jahren wurde er mit einer Cousine verheiratet. Mit 29 gab er die Familie und somit sein prunkvolles Leben auf (Grund: Begegnung mit dem Leiden und den Armen). Insgesamt viermal traf er auf seinem Weg auf Leidende. Er beschloss genauso zu leben und dadurch zu sich zu finden (er wanderte durch fast ganz Nordindien). Er übte sich in strengster Enthaltsamkeit und starb fast dabei. Es heißt, dass er unter einem Feigenbaum (in tiefster Meditation) die ersehnte Erleuchtung erfuhr. Ab diesem Zeitpunkt ist er Buddha, der Erleuchtete.

Der Buddhismus ist in den zweieinhalb Jahrtausenden seiner Geschichte einer der grös-
sten Kulturträger des Fernen Ostens gewesen. Er gab den Künsten einen großen Auftrieb, befruchtete die bedeutende chinesische Kultur der Tang-Dynastie (7.-10. Jahrhundert) und wurde für Japan zum entscheidenden kulturellen Faktor. Er herrscht heute in Burma, Thailand, Tibet, Kambodscha, Laos und Ceylon und übt darüber hinaus in vielen anderen Teilen Asiens stärksten geistigen Einfluß aus. Wir unterscheiden im Buddhismus zwei große Lehrmeinungen: das Hinajana, dessen Anhänger in Südasien wohnen, und das Mahajana, das in China, Japan, Korea, Tibet und der Mongolei verbreitet ist.

Gautamas Hochzeit. Rechts neben ihm seine junge Frau.
Beide Glaubenslehren gehen auf einen der größten religiösen Führer der Menschheit zurück, auf Siddhartha Gautama, der um 563 v. Chr. bei Kapilawastu, im heutigen Nepal, nahe der indischen Grenze, geboren wurde.
Das Hinaliana, das "Kleine Fahrzeug", legt
das Hauptgewicht auf Askese und Erlösung durch persönliches Vorleben. Seine Anhänger nennen sich Therawada-Buddhisten, wobei Therawada etwa "die Lehre der Alten" be -
deutet. Das Mahajana hingegen, das "Große Fahrzeug", verkündet die Erlösung durch Glauben und gute Werke. Beide Glaubensleh-
ren gehen auf einen der größten religiösen Führer der Menschheit zurück, auf Siddhar-
tha Gautama, der um 563 v. Chr. bei Kapi-
lawastu, im heutigen Nepal, nahe der in-
dischen Grenze, geboren wurde. "Buddha" nennen ihn die Anhänger der von ihm, ge-
stifteten Religion. "Buddha" - das ist kein Eigenname, sondern ein Ehrentitel. Er be-
deutet "der Erwachte", "der Erleuchtete".
Das Leben des Siddhartha Gautama - er war
ein Prinz aus dem Geschlecht der Schakja, und seinen zweiten Namen Gautama hat
er nach dem Geschlechtsnamen der Priesterfamilie der Schakja - fällt ungefähr in jene
Zeit, zu der in China Konfutse und Laotse, in Israel die großen Propheten und in Hellas jene Männer wirkten, in deren Köpfen die europäische Philosophie entstand.

Einer der Paläste die Gautama besaß.

Wie die anderen Jünglinge seiner Zeit und seiner Kaste tut sich der junge Gautama im Sport, vor allem im Bogenschießen, hervor. Bei einem Schützenwettkampf gewinnt er die Hand seiner schönen Frau, die ihm einen Sohn schenkt. Dieses Leben in Luxus und häuslichem Glück genügt dem Prinzen jedoch nicht. Trotz des väterlichen Befehls, den Palast nicht zu verlassen, besteigt er seinen Wagen und fährt in die Welt hinaus, wo ihm zum ersten Male menschliches Leid in Gestalt eines Greises, eines Kranken, eines Toten und eines Asketen begegnet. Zwar kehrt er noch einmal in den väterlichen Palast zurück, aber das Wissen um das Elend in der Welt hat ihn so sehr erschüttert, daß er eines Nachts Weib und Kind und sein glanzvolles Haus verläßt und - in Übereinstimmung mit der hin-
duistischen Tradition der Entsagung - ein Leben als wandernder Bettelmönch aufnimmt.

Er schert seinen Kopf kahl und legt die safranfarbene Toga des Mönches an. Gautama
war zu dieser Zeit 29 Jahre alt. Er bemüht sich sechs Jahre hindurch um eine Lösung des Welträtsels und versuchte sich in den verschiedensten Methoden der Meditation. In Gemeinschaft mit fünf Hindu-"Heiligen" tötete er sein Fleisch ab und brachte sich durch Darben bis an den Rand des Hungertodes, ohne eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden. So gab er das Fasten und Darben auf, obgleich ihn die fünf Asketen entsetzt verließen.

Schließlich setzte er sich unter den heiligen Bodhi-Baum und gelobte, dort in der Versenk-
ung zu verharren, bis ihm die Erleuchtung käme. In einer Vision überzogen ihn die Heere des bösen Versuchers Mara mit Sturm, Regen, Felsbrocken und flammenden Waffen, und Mara selbst bot ihm die Reichtümer der Welt an, wenn er seinen Vorsatz fallenlassen würde. (Anmerkung von MGB: Es zeigt sich hier eine Paralelle als Jesus in der Wüste vom Teufel versucht wurde. Hat Jesus etwa von Buddha abgeschaut? Waren ihm die Lehren des Buddhismus bereits damals schon bekannt?) Gautama aber saß ungerührt und rief die Erde unter sich zum Zeugen seiner Standhaftigkeit an. Da flohen Maras Heere. Am neunundvierzigsten Tag der Meditation, kam dem Siddhartha Gautama die Erleuchtung, um die er gerungen hatte, und seit dieser Zeit wird er Buddha genannt: der Erleuchtete.

  Der Weg zur Erleuchtung   

Die heilige Stadt Benares

Er machte sich auf den Weg nach der heiligen Stadt Benares, wo er die fünf Asketen, die früher bei ihm gewesen waren, in einem Park vor der Stadt traf und ihnen seine erste Predigt über den Sinn des Lebens hielt. Damit hatte er "das Rad der Lehre" ins Rollen gebracht, denn die fünf Asketen wurden die ersten Mitglieder des nun von Buddha ge-
stifteten Mönchsordens (Sangha). Von da an wanderte er fünfundvierzig Jahre lang predigend kreuz und quer durch Nordindien und gewann Anhänger für seine neue Lehre. Ein berühmtes Beispiel für die Art, wie Buddha lehrte, ist die Feuerpredigt, in der er das Leben einer Flamme gleichsetzt, die immer weiter brennt, weil sie durch die drei Kardi-
nalfehler: Begierde, Haß und Verblendung immer neu angefacht wird.
Buddha stirbt mit 80 Jahren. Bei ihm, in seiner letzten Stunde, sein Lieblingsjünger Anares.

Buddha lehrt seine fünf Asketen.

Über die letzten Gespräche vor dem Nirwana mit dem Lieblingsjünger Ananda heißt es im Mahaparinibbana-Sutta genannten Teil des buddhistischen Kanons: Als nun der Erhabene die Regenzeit angetreten hatte, befiel ihn eine schwere Krankheit. Heftige Schmerzen erhoben sich, die ihn dem Tode nahe brachten...Da wandte sich der Erhabene an den ehrwürdigen Ananda:

"...Ich bin jetzt hinfällig, Ananda; ich bin alt, ich bin ein Greis, der seinen Weg gemacht und sein Alter erreicht hat. Achtzig Jahre bin ich alt. Wie ein gebrechlicher Karren, Ananda, nur noch mit Mühe und Not und mancherlei Notbehelf zusammen-
hält, so hält auch, Ananda, des Vollendeten Körper, möchte ich sagen nur mit Mühe und Not und mancherlei Notbehelf zusam-
men...So verharrt denn also, Ananda, daß ihr eure eigne Leuchte und eure eigne Zuflucht seid, daß nichts andres eure Zuflucht ist, daß die Lehre eure Leuchte, die Lehre eure Zuflucht, nichts andres eure Zuflucht ist. Denn, welche Mönche jetzt, Ananda, oder nach meinem Hingang also verharren werden, daß sie ihre eigne Leuchte und ihre eigne Zuflucht sind, daß nichts andres ihre Zuflucht ist, daß die Lehre ihre Leuchte, die Lehre ihre Zuflucht, nichts andres ihre Zuflucht ist: die, Ananda, werden auf der Höhe stehen, alle die, die dem rechten Wandel nachtrachten..."

Der Erhabene aber sprach zu den Mönchen also:

"Es möchte sein, ihr Mönche, daß vielleicht auch nur ein Mönch einen Zweifel oder eine Ungewißheit fühlte über den Buddha, oder die Lehre, oder die Gemeinde, oder den Pfad, oder die Übung. Fragt, ihr Mönche, damit ihr nicht hinterher voll Reue zu euch sprechen müßt: "Von Angesicht zu Angesicht haben wir den Meister gesehen, aber wir haben es nicht über uns vermocht, ihn, wie er noch vor uns stand, zu befragen."

Als er so geredet hatte, schwiegen die Mönche... Der ehrwürdige Ananda aber sprach zu dem Erhabenen:

"Wunderbar, Herr! Staunenswert, Herr! Solchen Glauben habe ich, Herr: In dieser Mönchsgemeinde gibt es nicht auch nur bei einem Mönch einen Zweifel oder eine Un-
gewißheit über den Buddha, oder die Lehre, oder die Gemeinde, oder den Pfad, oder die Übung..."

Der Erhabene aber sprach zu den Mönchen also:

"Wohlan, ihr Mönche, ich sage euch: der Vergänglichkeit untertan sind alle Gestaltun-
gen. Laßt niemals nach in eurem Streben."

Dies war des Vollendeten letztes Wort. Dann durchmaß der Vollendete die Stufen der Versenkung und ging schließlich in das Nirwana ein, wie es in der gleichen Schrift heißt: Als der Erhabene in das Nirwana eingegangen war, im Augenblick seines Nirwana ge -
schah ein großes Erdbeben, ein furchtbares, haarsträubenerregendes, und die Trommeln der Götter erdröhnten.

Die heiligen Schriften

Der Buddhismus unterscheidet sich von anderen Religionen darin, naß er keinerlei be-
harrende Substanzen annimmt; für ihn gibt es weder eine ewige Materie noch unvergäng-
liche Persönlichkeiten, weder unsterbliche Einzelseelen noch einen weltbeherrschenden Gott. Da für seine Philosophie des Werdens die gesamte Erscheinungswelt sich seit anfangloser Zeit in einem unaufhörlichen Prozeß des Wandels befindet, existiert für ihn
nur ein Spiel von zahllosen, in funktioneller Abhängigkeit voneinander entstehenden und nach kurzem Bestande wieder vergehenden Kräften oder "Daseinsfaktoren" (dharma).

Der Kosmos wird von einem ihm immanenten Gesetz der moralischen Vergeltungskau-
salität, des Karma, regiert, das automatisch jeder guten oder bösen Tat in einer neuen Existenz ihren Lohn oder ihre Strafe zuteil werden läßt. Der Buddhismus hat also aus der Lehre der Brahmanen die Vorstellung von einer periodischen Weltentstehung und Weltvernichtung und einer Wiederverkörperung eines Gestorbenen übernommen, setzt aber an die Stelle einer Wanderung von unvergänglichen Seelen die kontinuierliche Fortsetzung von Strömen von Daseinsfaktoren, durch welche das in einer Existenz beendete Leben in einer anderen weitergeführt wird.

Er sieht deshalb in der Aufgabe des Glaubens an ein beharrendes Selbst die Voraus-
setzung für das rechte Beschreiten seines Heilspfades. In den kanonischen Schriften des Hinajana heißt es dazu: Ein gewöhnlicher Mensch erkennt wohl, daß bei dem Körper, der aus den vier Elementen besteht, ein Aufnehmen und Ausscheiden (von Stoffen) stattfindet und daß er bis zu hundert Jahren besteht. Was aber Geist, Denken oder Bewußtsein heißt, von dem hat er sich seit langem die Vorstellung gemacht: Das gehört mir, das bin ich, das ist mein (wahres) Selbst: Und doch entsteht es und vergeht es in dauerndem Wechsel bei Tag und bei Nacht. Dieses Geschlecht haftet an der Ich-Vorstellung und ist der Vorstellung ein Anderes'ergeben.
Das haben einige nicht erkannt und nicht gesehen, daß dies der Stachel (aller leidvollen Existenz) ist. Für den aber, der den Stachel sieht, gibt es nicht die Vorstellung,'ich handle' oder 'ein anderer handelt'.

  Das Nirwana   

Der Erhabene nahm ein Klümpchen Kuhmist in die Hand und sagte: "Wenn es auch nur so wenig Selbsthaftigkeit gäbe, die unvergänglich, ewig, unveränderlich wäre und ewiglich so bliebe, so würde die Führung eines heiligen Wandels für die Vernichtung des Leidens nicht möglich sein. Weil es dies aber nicht gibt, ist die Führung des heiligen Wandels möglich." Die Vorstellung von der Vergänglichkeit reißt, wenn sie verwirklicht und gefördert wird, alle Gier nach Sinnenlust, nach Körperlichkeit, nach Dasein aus, reißt alles Nichtwissen aus, reißt allen Ich-Wahn aus, so wie ein Pflug alle Wurzeln ausreißt oder wie die Sonne alle Finsternis vertreibt. Zwei alte Sprüche fassen dies in folgenden Versen zusammen:

Niemand vollbringt eine Tat,
Niemand den Lohn davon hat,
vielmehr: nur Dharmas rollen hin,
das ist der Lehre wahrer Sinn.
Kein Brahma hat durch seine Macht
dies Dasein hier hervorgebracht,
vielmehr: nur Dharmas sie bedingen,
die vielen Ursachen entspringen.

Das Nirwana:

Aus verschiedenen Textsammlungen und Gedichten (Samyutta-Nikaya 43,',2 und 44,'
,29f.; Anguttara-Nikaya 3,55; Itivuttaka 44; Udana 8,'0) sei hier zusammengestellt, was das Hinajana, das "Kleine Fahrzeug", über das Nirwana lehrt: Nirwana ist die Vernich-
tung von Gier, Haß und Wahn. Wenn einer dies empfindet, dann ist das Nirwana schon
in diesem Leben verwirklicht.

Das Nirwana, das mit dem Tode eintritt, besteht darin, daß alle Möglichkeiten für ein weiteres Werden gänzlich aufgehoben sind. Nicht zu berechnen ist das Wasser im Oze-
an, nicht zu erfassen ist der Vollendete nach dem Tode. Sein Körperliches, seine Em-
pfindungen, sein Unterscheidungsvermögen, seine gestaltenden Kräfte, sein Bewußt-
sein - alles dies ist mit der Wurzel ausgerissen und unfähig, wieder zu erstehen. Nicht mehr läßt er sich durch eine der fünf Gruppen bestimmen. Tief, unermeßlich, uner -
gründlich ist er wie der große Ozean. Der Funke, der beim Hammerschlage fortgesprüht. Und langsam schwindend nach und nach verglüht. Wir kennen nicht den Weg, den er gegangen. So ist auch nicht Gewißheit zu erlangen darüber, welcher Weg ward dem zuteil, der durch die Flut hin ging zum höchsten Heil.

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