Das Elisabeta Hotel von vorne in der Slanic Street
Das Elisabeta Hotel von hinten zu sehen

Bukarest ist die Hauptstadt Rumäniens. Sie ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern und einer urbanen Agglomeration von 2,6 Millionen Einwohnern die sechst größte Stadt der Europäischen Union. Nachdem Bukarest 1659 Târgoviste als Landeshauptstadt endgültig abgelöst hatte, wurde es zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Walachei und später von Rumänien. Die Stadt verfügt über mehrere Universitäten, verschiedene andere Hochschulen sowie zahlreiche Theater, Museen und weitere Kultureinrichtungen. Die kosmopolitische Hochkultur und der dominierende französische Einfluss in der Architektur der Stadt brachten ihr den Beinamen Micul Paris ("Kleines Paris", auch "Paris des Ostens") ein. In der Amtszeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu wurden weiträumig historische Stadtviertel zerstört, um dem monumentalen Zuckerbäckerstil des Diktators Platz zu machen. Siehe Bericht unten.

Nicolae Ceausescu

Ceausescu und seine Frau versuchten, in einem Schützenpanzerwagen außer Landes zu fliehen. Soldaten der rumänischen Armee nahmen sie jedoch bei Târgoviste nördlich von Bukarest fest. Da die Securitate sich weigerte, die Waffen niederzulegen, wurde Ceausescu am 25. Dezember zusammen mit seiner Frau von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Ceausescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnahmezustandes ermöglicht. Kurz vor 15 Uhr Ortszeit wurde Nicolae Ceausescu gemeinsam mit seiner Frau Elena Ceausescu von den Offizieren Ionel Boeru, Octavian Gheorghiu sowie Dorin Cârlan erschossen. Der Prozess wurde, mit Ausnahme des Moments der Hinrichtung, gefilmt und zusammen mit den Aufnahmen der Toten schnell landesweit und international mit der Begründung verbreitet, die Position der Einheiten der rumänischen Armee zu beeinflussen und so einen drohenden Bürgerkrieg abzuwenden. Tatsächlich traten die regulären Truppen in den folgenden Tagen einheitlich auf die Seite des Volkes über.

Das Grab des Diktators Nicolae Ceausescu. Das mussten wir sehen.

Die beiden Leichen wurden mit dem Hubschrauber von Târgoviste nach Bukarest geflogen und am 30. Dezember 1989 unter größter Geheimhaltung und unter falschem Namen auf dem Bukarester Friedhof Ghencea begraben. Auch das Begräbnis wurde auf Film dokumentiert. Heute sind die beiden Gräber, die nicht zusammen liegen, ausfindig gemacht und können besucht werden.

Langsam verschwinden die alte Unordnung, der graziöse Schlendrian, der Kontrast zwischen elenden Hütten und reichen Palästen, die so typisch für Bukarest waren. Auch Rumäniens Hauptstadt wird uniformiert. Mit Häuserblöcken aus vorfabrizierten Elementen, die auch in Hongkong oder Madrid stehen könnten; gigantisch, aber gesichts - und geschichtslos.

Bukarest - das Paris des Ostens
Der Cotroceni Palast in Bukarest

Den Frauen von Bukarest sieht man nicht mehr an, daß sie einen mühsamen Kampf um Qualität führen mussten. Heute haben sie die gleiche Eleganz und den gleichen Geschmack wie andere Frauen in London, Paris oder Madrid. Und sie haben jede Menge Charm. Selbst, wenn sie auf dem Markt um Gurken und Salatköpfe feilschen. Der Staub des neunzehnten Jahrhunderts ist in Bukarest trotz eifrigster Bemühungen aber noch immer nicht ganz weggepustet worden. Hier und dort trifft man schrullige alte Damen mit selbstgedrehten Löckchen. Sie tragen Rougetupfen auf den vergilbten Wangen und ausgebesserte Filethandschuhe an den Händen. Meistens verschwinden sie in den stillen Strassen beim Boulevard Magheru. Dort stehen die letzten alten Häuser Bukarests mit Vorgärten und vornehmer Vergangenheit.

Die Bukarester Universität
Die Bukarester Militärakademie und Offizierscasino

Es gibt osteuropäische Städte, in denen die Lebensfreude vom grauen Alltag erdrückt zu werden scheint. Nicht so in Bukarest. Man lebte kommunistisch aber nicht proletarisch. Seit der rumänischen Tauwetterperiode haben sich wieder westliche Kaufleute in Bukarest niedergelassen. Westliche Touristen strömen in die Stadt. Die dem Rumänen angeborene Gastfreundschaft und Kontaktfreudigkeit, sein liebenswürdiger Charme haben wieder Spielraum. Unter den nicht mehr vorhandenen roten Fahnen werden keine Handküsse mehr gegeben wie einst, da der Kommunismus vom Volk samt seiner damaligen diktatorischen Führung unter Ceausescu und der Geheimpolizei hinweggefegt wurde. Rumänien war der treueste Vasall der ehemaligen Sowjetunion.

Bummel durch den Bukarester Cismigiu Park.

Bukarest ist eine Stadt mit viel Grün und ausgedehnten Parks. Der größte und schönste ist der "Cismigiu" - keine x-beliebige Grünanlage, sondern für die Bukarester das, was der Hydepark für London, der Bois de Boulogne für Paris ist: ein stets bis auf den letzten Platz besetztes Theater des Volkes, Teil des Bukarester Lebens. Im Sommer, wenn Gluthitze aus der Baragansteppe über die Stadt weht, ist es unter den schattigen Cismigiu-Bäumen so kühl wie im Wald. Hierher wird ein Bukarester zum erstenmal mit dem Kinderwagen ausgefahren, hier raucht er heimlich seine erste Zigarette, verabredet sich mit seiner ersten Liebe. In den Cismigiupark führen ihn unzählige Familienausflüge im feierlichen Sonntagsdress. Als alter Herr schließlich spielt er mit anderen alten Herren stundenlang Schach an den Steintischen des Cismigiuparks.

Bukarest: Eine rumänisch orthodoxe Kirche

Noch heute bekennen sich 14 der 18 Millionen Rumänen zur rumänischorthodoxen Kirche. Bukarest hat über hundert Kirchen. Immer ist das düstere Innere vom Schein schmaler Kerzenbündel erhellt. Auch werktags gibt es Andachten und Messen. Die Gläubigen knien nieder und neigen ihre Stirnen tief auf den Boden. Behutsam küssen sie die goldenen Heiligenbilder und die dunklen Ikonen. Natürlich sieht man mehr Alte als Junge. Aber das ist auch anderswo so. Bukarest bedeutet "glücklicher leben". Die armen Bauern vom Lande wollten das im Schatten der großen Herren, der Bojaren. Als sie im vierzehnten Jahrhundert die Stadt gründeten, blieb der Stadtkern den Palästen der Bojaren vorbehalten. Das Volk ließ sich in armseligen Lehmhütten und Bretterbuden nieder.

Vor Schloss Peles- zwischen 1873 und 1883 für König Carol I. von Rumänien erbaut.

Koenig-Carol I.von-RumaenienKarl Eitel Friedrich Zephyrinus Ludwig von Hohenzollern-Sigmaringen, ab 1866 Carol I., (* 20. April 1839 in Sigmaringen; † 10. Oktober 1914 auf Schloss Peles in Sinaia) war Fürst und König von Rumänien. Karl war ein Sohn des Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen. Er heiratete am 15. November 1869 die Prinzessin Elisabeth zu Wied (1843-1916) in Neuwied am Rhein. Nachdem es dem Staatsgründer Alexandru Ioan Cuza nicht gelungen war, die für das Land notwendigen Reformen durchzusetzen, und er zur Abdankung gezwungen worden war, beschloss eine provisorische Regierung zunächst, den Bruder des belgischen Königs Leopold II., den Coburger Philipp von Flandern zum Fürsten einzusetzen. Da dieser aber verzichtete, wurde im Februar 1866 Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen auf Empfehlung von Napoléon III. und nach einer Volksabstimmung am 20. April 1866 zum Fürsten gewählt. Am 22. Mai 1866 zog er als Fürst Carol I. unter dem Jubel des Volkes in Bukarest ein. Nachdem er 1878 die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erreichte, wurde er am 26. März 1881 zum König von Rumänien proklamiert. Karl gelang es, dem jungen Staat in den folgenden Jahrzehnten außenpolitische und innere Stabilität zu geben. Die von ihm vorangetriebenen Reformen umfassten die Staatsfinanzen, eine am preussischen Vorbild orientierte Armee, einen Ausbau des Schulsystems und das Anlegen von Eisenbahnlinien.

Allerdings erschütterten 1906 schwere Bauernaufstände das Land und machten auf die Unhaltbarkeit der ungerechten Landverteilung (Großgrundbesitz) aufmerksam. Dieses Problem vermochte Karl ebenso wenig zu lösen wie die weitgehend oligarchisch-undemokratische Herrschaft der damaligen rumänischen Oberschicht. Außenpolitisch lehnte sich der König – darin ganz Hohenzoller – an Deutschland und Österreich-Ungarn an. Ein geheimes Militärbündnis mit diesen Mächten konnte er jedoch bei Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 aufgrund der überwiegend entente-freundlichen Haltung der politisch maßgeblichen Schichten nicht einhalten, was die letzten Wochen des greisen Herrschers (der sich als wortbrüchig empfand) verdüsterte. Zuvor hatte sich Rumänien nach Neutralität im Ersten Balkanrieg 1912/13 aus Furcht vor einem zu mächtig werdenden Bulgarien am Zweiten Balkankrieg beteiligt und dabei einfache militärische Erfolge sowie die Einverleibung der südlichen Dobrudscha in Rumänien (in dem Friedensvertrag von Bukarest) erreicht. Bis zu Carols Tod im Jahr 1914 diente das Schloss als dessen Sommerresidenz. 1947 beschlagnahmte das kommunistische Regime das Schloss. Das einzige Kind von Carol und Elisabeth war die Tochter Maria, die 1874 im Alter von 3 Jahren starb. Beim Tod Carols am 10. Oktober 1914 wurde sein Neffe Ferdinand I. der Nachfolger. Er war vom 10. Oktober 1914 bis zu seinem Tod rumänischer König. Sein Vater, König Carol, wurde in der Kathedrale Curtea de Arges beerdigt. (Bild unten)

Jahrhundertelang schimpften die reisenden Kaufleute über die widerliche Kleinstadt mit ihrem schmierigen Holzbohlenbelag und den protzigen Bojarenpalästen. Trotzdem entwickelte sie sich zum blühenden Handelszentrum. Allerdings hinkte Bukarest immer ein bißchen hinter der Geschichte her. Erst 1848 endete hier das Mittelalter. Damals setzten sich die Rumänen zum letztenmal mit den Türken auseinander. Anschließend kam die Pariser Epoche. Sie dauerte bis 1945. Der Verkehr ist lebhaft, man braucht in Bukarest fast genausoviel Zeit und Geschick, um einen Boulevard zu überqueren, wie in Frankfurt oder München. Manchmal taucht aus dem Menschenheer der großen Boulevards blondes Haar auf. Es gehört, zusammen mit blauen Augen, meist einem Siebenbürger, der einen Großstadtausflug macht. Rumänien ist ein Vielvölkerstaat, die bedeutendsten Minderheiten sind, neben rund 1,5 Millionen Ungarn, etwa 200.000 Siebenbürger Sachsen und ebenso viele Banater Schwaben. In der rumänischen Verfassung heißt es: "Die nationalen Minderheiten erfreuen sich voller Gleichberechtigung mit dem rumänischen Volk."

Die Stadt Bukarest explodiert vor Geschäftigkeit. Überall schießen zwölfgeschossige Einheitswohnblöcke aus dem Boden. Altes wird abgerissen. Trotzdem stößt man auf Stadtrundfahrten hier und da noch auf "Mahalas", Elendsviertel, darunter auch das mit Stroh und Blech gedeckte Zigeunerviertel. Aus ihm gingen viele weltberühmte Zigeunermusiker hervor. Hier hängt noch der Geruch von Pflaumenschnaps in der Luft. Hier verdient man noch sein Geld mit Würfelspiel und zieht das Messer, wenn es um Frauen und Glück im Spiel geht. Aber in ein paar Jahren werden die Bulldozer auch die letzten Mahalas erreicht haben. Die Reiseführer gehen nicht sehr freundlich mit der rumänischen Hauptstadt um. Durchschnittlich anderthalb Tage solle man ihr opfern, liest man immer wieder, mehr lohne nicht. Es gibt Leute, die das vorhatten und dann eine ganze Woche blieben. Die verbrachten sie dann in der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, im Dorfmuseum. Bilder oben und unten.

Keine Angst, hier gibt es keine Spur von muffigem Museumsgeruch. Auf 17 Hektar ist im Herastraupark ganz Rumänien in der Nußschale aufgebaut, von Siebenbürgen bis zur Küste, vom Banat bis zur Moldau. Die Häuser sind komplett eingerichtet. Es fehlen weder Suppenlöffel noch Federbetten. Alle Gebäude sind dort, wo sie einst standen, von den besten Handwerkern des Landes abgerissen und in Bukarest wieder aufgebaut worden. Auch Taubenschläge, Brunnen und Maisspeicher reisten mit in die ferne Hauptstadt. Nachts ist es wieder da, das Fluidum und die Leichtigkeit von Bukarest. Nach Sonnenuntergang ist die ganze Stadt auf den Beinen. Der Geruch von Fleischwürstchen liegt in der Luft. In den Restaurants schluchzen Geige und Zimbel. Alle Springbrunnen und öffentlichen Gebäude sind angestrahlt, die Geschäfte und Warenhäuser bis spät in die Nacht geöffnet. In den alten verwinkelten Vierteln küssen sich die Verliebten. Die Zeiten haben sich geändert - aber auch die Menschen. Eine Umfrage an den Schulen Bukarests brachte es kürzlich an den Tag: 80 % der Schüler lernen heute lieber Französisch und Deutsch statt Russisch.

Graf Dracula war uns leider nicht begegnet. Dabei hätten wir ihn gerne einmal begrüsst
und in seinem Schloss übernachtet...

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