 
"Hört Ihr Leut von überall, der Nachtwächter lädt euch ein nach Schwäbisch Hall. Er zeigt euch diese Stadt bei Nacht und wie ein Wächter früher hat gewacht. ...
| Schwäbisch Hall (1802–1934 offiziell, bis heute umgangssprachlich nur Hall) ist eine Stadt im Nordosten des Landes Baden-Württemberg, etwa 37 km östlich von Heilbronn und 60 km nordöstlich von Stuttgart. Sie ist Kreissitz und größte Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall und bildet ein Mittelzentrum. Bekannt ist die Stadt durch den nach ihr benannten Heller, die Salzsieder sowie die Freilichtspiele auf der großen Treppe vor St. Michael.
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Sehenswert ist die gesamte Altstadt mit zahlreichen historischen Gebäuden. Der größere Teil entstand nach dem großen Stadtbrand 1728; ältere Wohnhäuser aus Spätmittelalter im süd- östlichen Teil zwischen Marktplatz, Rosenbühl und Kocher, in der Gelbinger Gasse und in der Katharinen- und Weilervorstadt. Hervorhebung verdienen: Marktplatz mit großer Freitreppe, Pranger und Marktbrunnen mit Skulpturen von Hans Beuscher (um 1509), evangelische Hauptkirche St. Michael (das Wahrzeichen der Stadt), barockem Rathaus (Am Markt 4, von 1735), Renaissancehäusern (Am Markt 5/6, um 1550) dem Hotel Adelshof (älteste Teile um 1300), zahlreiche weitere historische Bauten.
Stadtbefestigungen am Schiedgraben mit Tor, Stadtmauern und Türmen sowie "Neubau" (großes Zeughaus von 1526).
Stadtbefestigungen in der Weilervorstadt mit dem Weilertor.
Obere und untere Herrngasse mit Stadtadelssitzen aus dem 15./16. Jahrhundert mit einem der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands von 1289 (Untere Herrngasse 2).
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Bild oben: Der Nachtwächter von Schwäbisch Hall.
Die von Juni bis August auf der 500 Jahre alten Treppe von St. Michael stattfindenden Freilichtspiele Schwäbisch Hall wurden 1925 als Jedermann-Festspiele gegründet. Drei Inszenierungen auf der Treppe bilden den Kern der Festspiele. Seit dem Jahr 2000 gibt es zusätzlich jährlich zwei Inszenierungen im Haller Globe Theater, einem Rundbau aus Holz auf der Kocherinsel. Das Kindertheater und ein Rahmenprogramm runden die Festspiele ab. Der Keckenturm, ein Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert (Teil des Hällisch-Fränkischen Muse- ums).
Der Unterwöhrd (Insel im Kocher) mit Blick auf die Altstadt, Globe-Theater der Freilichtspiele und Rotem Steg und Sulfersteg (gedeckte Holzbrücken).
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| Schwäbisch Hall wird in den ältesten Urkunden meist nur "Hall" genannt. Dieses Wort wird oft als keltischer Begriff für Salz gedeutet, kommt aber wahrscheinlich aus dem Westgermanischen und bedeutet „unter Hitzeeinwirkung austrocknen“, was sich auf das Salzsieden in der Saline beziehen dürfte. Die Stadt gehörte nicht zum frühmittelalterlichen Herzogtum Schwaben, sondern zum Herzogtum (Ost-)Franken. Eine einzelne Bezeichnung als "Hallam in Suevia" in der Chronik des Gislebert von Mons (1190) ist wohl damit zu erklären, dass die Stadt zu diesem Zeitpunkt zum Herrschaftsbereich der Staufer gehörte und in diesem Fall der Name ihres bedeutendsten Besitzes, des Herzogtums Schwaben, auf ihre gesamten Besitzungen übertragen wurde. Die dauerhafte Benennung als "Schwäbisch" Hall ist späteren Datums und hat ihre Ursache in heftigen Konflikten, die die nunmehrige Reichsstadt im 14. und 15. Jahrhundert mit dem für den Bereich des Herzogtums Franken zuständigen Landgericht Würzburg austrug. 1442 erklärte der Rat, die Stadt heiße Schwäbisch Hall und liege auf schwäbischem Erdreich, also außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Würzburger Gerichts.
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Die Entwicklung zur Stadt erfolgte in mehreren Schritten im 12. Jahrhundert. In der Weihe- urkunde der St. Michaelskirche von 1156 ist Schwäbisch Hall erstmals sicher urkundlich erwähnt. Wahrscheinlich war es Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), der in Hall eine Münzpräge- stätte einrichtete, in der die Heller (= Haller Pfennig) hergestellt wurden. Diese in großen Mengen hergestellte, geringwertige Münze aus dünnem Silberblech erreichte schnell eine weite Verbreitung im Reich und darüber hinaus. 1204 wird Schwäbisch Hall erstmals als Stadt bezeichnet. Saline und Münzprägung bescherten ihr eine wirtschaftliche Blüte. Der "Wiener Schiedsspruch" König Rudolfs von Habsburg von 1280 beendete einen langen Konflikt mit den Schenken von Limpurg um die Stadtherrschaft und ermöglichte es Schwäbisch Hall, den Status einer Reichsstadt zu erreichen. Dominierende Schicht war der aus den staufischen Ministerialen hervorgegangene Stadtadel. Nach inneren Unruhen mussten sie den Nichtadligen einen Teil der Herrschaft abtreten. Die Verfassungsurkunde Kaiser Ludwigs des Bayern von 1340 blieb mit geringen Änderungen bis 1802 in Geltung. Wichtigstes Gremium war der Rat, an dessen Spitze der Stättmeister (Bürgermeister) stand. Diesem Rat gehörten 12 Adlige, sechs "Mittelbürger" und acht Handwerker an. Endgültig gebrochen wurde die Vorherrschaft des Stadtadels durch die "Zweite Zwietracht" von 1509 bis 1512. In der Folge dominierte eine bürgerliche, zunehmend akademisch gebildete Oberschicht die Stadt, zu der z.B. die Vor - fahren des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gehörten.
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| Im 14., 15. und 16. Jahrhundert erweiterte die Reichsstadt systematisch ihr Territorium. Sie kaufte Herrschaftsrechte, wann immer sich die Gelegenheit bot, und verteidigte diese notfalls mit Waffengewalt. Die letzte große Erwerbung war 1595 der Kauf der Herrschaft Vellberg. Am Ende des Alten Reichs besaß die Reichsstadt Schwäbisch Hall ein Herrschaftsgebiet mit 330 Quadratkilometern und etwa 21.000 Einwohnern. Es umfasste 3 Städte, 21 Pfarrdörfer sowie 90 Dörfer und Weiler. Das Gebiet war in die Ämter Kocheneck, Rosengarten, Bühler, Schlicht, Ilshofen, Vellberg und Honhardt eingeteilt. 1523 leitete der seit 1522 wirkende Theologe Johannes Brenz den Übergang zur Reformation ein, der mit der Kirchenordnung von 1543 abgeschlossen wurde. Zu Weihnachten 1526 feierte er in St. Michael erstmals das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Im Bauernkrieg von 1525 konnte sich die Reichsstadt als eine der wenigen Herrschaften der Region gegen die aufständischen Bauern behaupten. Für die Beteiligung am Schmalkaldischen Krieg auf protestantischer Seite musste die Stadt hohe Bußgelder an Kaiser Karl V. entrichten. Im Dreißigjährigen Krieg litt die Stadt schwer unter wechselnden Besatzungen durch kaiserliche, französische und schwedische Truppen. Zwischen 1634 und 1638 wurde jeder fünfte Einwohner ein Opfer von Seuchen und Hunger. Trotzdem gelang ein rascher Wiederaufstieg nach dem Ende des Kriegs, für den unter anderem eine Reorganisation des Salzhandels und der Saline maßgeblich war. Eine weitere Quelle des Wohlstands für die Stadt war der Weinhandel. Mehrfach verwüsteten Feuersbrünste die Stadt. 1316 sollen große Teile niedergebrannt sein, 1680 zerstörte ein durch Blitzschlag ausgelöstes Feuer rund 100 Gebäude in der Gelbinger Vorstadt. 1728 wurden zwei Drittel der Altstadt ein Raub der Flammen. Neben 294 Privathäusern verbrannten auch zwei Kirchen, das Spital, das Rathaus und die Saline. Der Wiederaufbau erfolgte im bis heute das Stadtbild prägenden Barockstil.
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