Johanna und ihre getreuen Ritter
Johanna von Orléans (* ca. 1412 in Domrémy, Lothringen; † 30. Mai 1431 in Rouen, Haute-Normandie) ist eine französische Nationalheldin und Heilige der Katholischen Kirche. Im deutschen Sprachraum ist sie auch als "Jungfrau von Orléans" bekannt. Während des Hundertjährigen Krieges führte sie die Franzosen gegen die Engländer. Durch Verrat wurde sie von den Burgundern gefangen genommen und an die mit ihnen verbündeten Engländer verkauft.
Johanna wurde zum Märtyrer erklärt und von Papst Benedikt XV. schließlich heilig gesprochen.
Ein Kirchenprozess sollte sie diskreditieren. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, der den Engländern nahe stand, wurde sie wegen einiger Verstöße gegen die Ge-
setze der Kirche verurteilt und auf Befehl des englischen Königs auf dem Marktplatz von Rouen auf einem Scheiterhaufen ver-
brannt. 24 Jahre später strengte der Vatikan einen Revisions-
prozess an und hob das vorherige Urteil im Jahr darauf auf. Johanna wurde zum Märtyrer erklärt und von Papst Benedikt XV. schließlich heilig gesprochen.
Johannas treu ergebene Ritter
Am am 28. Mai 1328 wurde Philipp VI. in Reims zum König gekrönt.
Weder für Jeanne d’Arcs Geburtsjahr noch für den genauen Tag ihrer Geburt gibt es eine zuverläs-
sige Quelle. Sie wurde ca. 1412 während der zweiten Hälfte des Hundertjährigen Krieges zwi-
schen Frankreich und England in Domrémy als Tochter Jacques Darcs und Isabelle Romées in eine Bauernfamilie geboren. Im Hundertjährigen Krieg versuchte England, aufgrund erbrechtlicher Zusammenhänge seine Ansprüche auf den fran-
zösischen Thron durchzusetzen. Vorausgegangen war der Tod des französischen Königs Karl IV. Der seit 1328 in England herrschende König Edward III. erhob als Sohn von Isabelle, der Tochter Philipps IV. "des Schönen", Anspruch auf den Thron. Französische Rechtsgelehrte akzeptierten diesen Anspruch jedoch nicht, da Frauen und de-
ren Erben von der Thronfolge grundsätzlich aus-
geschlossen waren. Schließlich wurde Philipp VI. als Nachfahre der Kapetinger aus der Nebenlinie der Valois am 28. Mai 1328 in Reims zum König gekrönt. Nach der Konfiszierung des englischen Herzogtums Guyenne 1337 durch Philippe VI. landete Edward III. mit 4000 Rittern und 10000 Bogenschützen in der Normandie.
Edward III.landet mit 4000 Rittern und 10000 Bogenschützen in der Normandie.
1415 besiegte der englische König Heinrich V. die Franzosen in der Schlacht von Azincourt und erhob erneut Anspruch auf den französischen Thron. Englische Truppen hatten den Norden des Landes bis zur Loire besetzt. Orléans, der Schlüssel zur Über-
querung des Flusses, war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., einge-
kesselt (Belagerung von Orléans).
 Orléans, der Schlüssel zur Überquerung des Flusses, war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., eingekesselt.
Die Belagerung von Orléans.
Mit 13 Jahren hatte Jeanne d’Arc laut Gerichtsprotokoll ihre ersten Visionen. Damals soll ihr die Heilige Katha-
rina erschienen sein, später kamen der Erzengel Micha-
el und die Heilige Margareta hinzu. Von ihnen glaubte sie den Befehl erhalten zu haben, Frankreich von den Engländern zu befreien und den Dauphin zum Thron zu führen. Die Erscheinungen wiederholten sich. Am 25. Dezember 1428 verließ sie ihr Elternhaus. Als Kind einfacher Bauern war Jeanne d'Arc kaum in der Lage, einen Buchstaben von dem anderen zu unterscheiden. Daher war das Einzige, was sie schreiben konnte, ihr Name.

Am 1. Januar 1429 versuchte sie zum ersten Mal, beim Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs, Robert de Baudricourt, vorzusprechen. Nach drei Anläufen be-
kam sie eine Audienz. Nachdem sie ihn nach einer er-
folgreichen Prüfung ihres Glaubens überzeugen konnte, gab er ihr am 12. Februar bzw. 13. Februar 1429 eine Eskorte (Jean de Metz, Bertrand de Poulengey; Anhän-
ger des Dauphin) mit, die sie zu Karl VII. nach Chinon begleiten sollte, das sie am 1. März 1429 nach elf Tagen durch Feindesland erreichte. Ein Empfehlungsschreiben Baudricourts kündigte ihren Empfang am französischen Hof an. Sie wurde vom Dauphin empfangen. Sie überzeugte ihn, dass sie im Namen des Himmels gekommen sei, um Frankreich aus der misslichen Lage zu retten, und sicherte ihm zu, dass er in Reims zum König von Frankreich gekrönt würde. Niemand weiß genau, wie Jeanne den Dauphin überzeugte, es ist nur bekannt, dass sie sich alleine mit ihm in ein Zimmer zurückzog und ihm angeblich eine ihrer göttlichen Er-
scheinungen zeigte.

In Poitiers ließ der Dauphin sie drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen und ihre Jungfräulichkeit von Hofdamen untersuchen.
In Poitiers ließ er sie drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen und ihre Jungfräulichkeit von Hofdamen untersuchen. Nach er-
folgreichem Bestehen beider Prüfungen beschloss der Kronrat, ihr eine Rüstung anfertigen zu lassen, und stellte ihr eine kleine militärische Einheit zur Seite. Sie machte aus einfachen Räubern Soldaten, wie z.B. aus Étienne de Vignolles, besser bekannt als La Hire (franz. der Wilde). Ihr erster Auftrag war es, einen Pro-
viantzug nach Orléans durchzubringen. Am 29. April kam ihr Zug in der eingeschlossenen Stadt an.
Johanna kehrt siegreich in Orlèans ein.
Die Truppen in Orléans wurden von dem Erfolg motiviert und ließen sich überzeugen, einen Aus-
fall zu wagen. Am 7. Mai ritt Jeanne d’Arc vorne-
weg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen blieb sie dennoch auf dem Feld. Das beeindruckte ihre Mitkämpfer und steigerte die Kampfbereitschaft des Heeres. Einen Tag später zogen die Engländer von der aussichtslos gewor-
denen Stellung ab. Im Juni 1429 waren die letzten Engländer unter der Mitwirkung Jeanne d’Arcs aus den Burgen südlich der Loire vertrieben worden.

Am 17. Juli 1429 konnte der Dauphin, wie von Jeanne d’Arc prophezeit, in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil. Der Ruhm Jeanne d’Arcs war nun auf dem Höhepunkt. Ihr Vater erhielt vom König als Zeichen der Dankbarkeit die Steuerfreiheit. Die königlichen Ratgeber unterminierten den Einfluss Jeanne d’Arcs. Immer wieder bat sie den König, nach Paris vorstoßen zu dürfen – erst nach etlichen strategischen Fehlentscheidun-
gen gab er im September 1429 ihrem Drängen nach. Der Versuch am 8. September 1429 misslang jedoch und Karl VII. wendete sich von ihr ab. Er wollte nun lieber Frie-
den schließen, entließ Teile der Armee und versagte ihr die Unterstützung in ihrem Bemühen, die Engländer restlos vom Festland zu vertreiben; die von Jeanne d’Arc dennoch betriebene Befreiung von Paris war erfolgreich, sie wurde aber am 23. Mai 1430 bei Compiègne von den Burgundern festgenommen.

Am 17. Juli 1429 konnte der Dauphin, wie von Jeanne d’Arc prophezeit, in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil.
Die burgundischen Soldaten verkauften sie nach zwei Fluchtversuchen am 18. Juni/19. Juni für 10.000 Franken an die Engländer. Diese übergaben Jeanne an die katho-
lische Gerichtsbarkeit in Rouen, wo sie "wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät" von der Inquisition gerich-
tet wurde. Drei Monate dauerte der Prozess unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, den Jeanne gegen die dialektisch und rhetorisch geschulten Kleriker ohne Beistand führte. (Beispiel: Auf die Fangfra-
ge: "Johanna, seid Ihr gewiß, im Stande der Gnade zu sein?" antwortet sie "Wenn ich es nicht bin, möge mich Gott dahin bringen, wenn ich es bin, möge mich Gott darin erhalten!". Hätte sie behauptet im Stande der Gnade zu sein, wäre ihr das als ketzerische Anmaßung ausgelegt worden, hätte sie es geleugnet, so hätte sie ihre Schuld zugegeben.)
Johannas Gefangennahme durch burgundische Soldaten.Johannavor dem Tribunal.
Obgleich sie eine für ihren niederen Stand untypisch gute Rhetorik besaß, befand man sie am 19. Mai 1431 in zwölf von 67 Anklagepunkten für schuldig. Die ursprünglichen Anklagepunkte beschuldigten sie unter anderem des Feenzaubers, des Gebrauchs der Alraunenwurzel, der Häresie, der Dämonenanbetung (abgeleitet von den von ihr geschilderten körperlichen Heiligenerscheinungen, vor denen sie niederkniete) und des Mordes (da Jeanne nicht als Soldat anerkannt wurde, waren alle Männer, die sie in Schlachten besiegte, als Mordopfer zu betrachten). Gefährlich wurden Jeannes gerichtliche Aussagen zudem, weil sie sich dem Urteil der Kirche zunächst nicht un-
terwerfen, sondern nur ein direkt von Gott stammendes Urteil anerkennen wollte. Daraus leitete sich eine schismatische Gefahr für die katholische Kirche ab.
Als man ihr nach der Urteilsverkündung eröffnete, der Scheiterhaufen erwarte sie, wenn sie ihren Irrglauben nicht einräume, schwor Jeanne ihren Überzeugungen plötzlich ab. Vermutlich geschah dies aber aus spontaner Furcht vor dem Feuertod, wie sie auch in ihrem späteren Widerruf des Geständnisses selbst erklärte. Am 24. Mai 1431 wurde auf dem Friedhof von St-Ouen die Exkommunizierung Jeanne d'Arcs vollzogen, die sich in einem öffentlichen Geständnis in allen Anklagepunkten für schuldig befand. Nach ihrem Abschwören verurteilte man sie als Ketzerin zur lebens-
langen Haft, was unter normalen Umständen bedeutete, dass die Schuldige nun in ein kirchliches Gefängnis überstellt werden musste. Aus politischen Gründen war dieses Urteil für die Anhänger des englischen Königshauses unbefriedigend – war der Pro-
zess doch in Gang gebracht worden, um den Feind (Karl VII.) zu beseitigen und den Dauphin beim geistlichen und weltlichen Adel als Befürworter einer Ketzerin zu de-
nunzieren und schließlich politisch zu entmachten. Zudem bestand die Gefahr, dass die Dauphinisten sie aus einem kirchlichen Gefängnis in Frankreich befreien könnten, um einen erneuten Schlag gegen die englischen Truppen anzuführen.
Vier Tage später wurde ihr erneut der Prozess gemacht und das endgültige Urteil unter der Regentschaft von John Lancaster gefällt: Verbrennung als notorisch rückfällige Ketzerin auf einem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen.
Der einzige Ausweg bestand darin, Jeanne d'Arc erneut einen Prozess zu machen, der sie als un-
belehrbare Ketzerin ausweisen musste. So wurde ihr nachgewiesen, dass sie in ihrer Gefängniszelle die Männerkleidung erneut angelegt hatte. 1450 äußerte sich Jean Massieu dazu zurückhaltend, möglicherweise aufgrund seiner früheren Stellung als Gerichtsdiener. Jeanne habe ihm erzählt, dass man ihr die Frauenkleider weggenommen und die Männerkleidung hingeworfen habe, worauf es mit den Bewachern zu einem länger andauernden Streit gekommen sei und ihr nichts anderes übrig geblieben sei, als die Männerkleidung anzuziehen, da man ihr keine anderen mehr gegeben habe.

Von den schweren sichtbaren Misshandlungen nach ihrem Widerruf, die ein Augustiner bezeugt, erwähnte er nichts. Ladvenu, einem Bettelmönch, dem ihr wohl am nächsten Stehenden, vertraute sie an, furchtbar gequält und misshandelt worden zu sein und ein Edelmann habe versucht, ihr Ge-
walt anzutun, was sie auch öffentlich so angab. Zum Schutz ihrer Tugend habe sie die Männerkleidung wieder angelegt. Neben der Kleiderfrage widerrief sie das Geständnis, welches sie wenige Tage zuvor auf dem Friedhof bekundet hatte.

Weithin sichtbar: Der Marktplatz von Rouen mit dem brennenden Scheiterhaufen.
Ihr wurde vier Tage später erneut der Prozess gemacht und das endgültige Urteil unter der Regentschaft von John Lancaster gefällt: Verbrennung als "notorisch rück-
fällige Ketzerin" auf einem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen. Am näch-
sten Morgen, dem 30. Mai 1431, wurde sie verbrannt und ihre Asche in die Seine ge-
streut, um dem französischen Volk keine Möglichkeiten zu geben, mit ihren Überre-
sten Reliquienkult zu betreiben. Dadurch sollte einer Märtyrerlegende Einhalt geboten werden. Dennoch tauchten gegen Ende des 19. Jahrhunderts angebliche Reliquien in Tours auf. Ein Rippenknochen und Stück Kleidung wurden 1867 von einem Apotheker an das Erzbistum übergeben. Bei einer Untersuchung in den Jahren 2006 bis 2007 stellte sich jedoch heraus[1], dass es sich bei dem Rippenknochen um einen Teil einer ägyptischen Mumie aus vorchristlicher Zeit handelt. Ebenso fanden sich Holzstücke und der Oberschenkelknochen einer Katze. Der Kleidungsrest stammt zwar aus dem 15. Jahrhundert, weist jedoch keinerlei Brandspuren auf.