Der Mann mit der eisernen Maske (oft nur Eiserne Maske) († 19. November 1703) war angeblich ein unbekannter und geheimnisvoller Staatsgefangener von Ludwig XIV., der von 1669 bis zu seinem Tod 1703 inhaftiert war. Seine Iden-
tität ist bis heute Gegenstand von Spekulationen.
Der in der Maske musste auch beim Essen und Schlafen eine Maske tragen.
Die erste "öffentliche" Erwähnung findet sich in einem Brief der Herzogin von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover vom 15. Oktober 1711. Sie erwähnt explizit, dass er ständig eine Maske tragen musste, auch beim Essen und Schlafen, weiß aber nichts von seiner Identität. In später veröffentlichten Aufzeichnungen des Leutnants in der Bastille du Junca berichtet er 1698 von der Einlieferung eines alten Gefangenen in der Bastille, der vom Gefängnis-
direktor Saint-Mars angehalten wird, stets eine Maske zu tragen.

Durch spätere intensive Archivstudien, die u. a. den Briefwechsel zwischen Louvois und Saint-Mars zu Tage brachten (der allerdings schon von Louvois stark gesäubert wurde, etwa 90 % fehlen), und die zum Beispiel in den zitierten Büchern von Marcel Pagnol, Mongredien oder Andrew Lang ausführlich dar-
gelegt werden, ist die im Folgenden dargelegte Chronologie des Gefangenen recht gut belegt worden.

Die Festung Bastille du Junca in welcher der Mann mit der Maske gefangengehalten wurde.
Der Mann mit der Maske wurde zuerst am 24. August 1669 in der Festung von Pinerolo (Pignerol) im (Piemont) inhaftiert. In einem Brief vom 19. Juli kündigt der Kriegsminister Louvois als Gefangenen von höchster Bedeutung einen Diener namens Eustache Dauger an, der aus Dünkirchen gebracht würde, zu dem Zeitpunkt aber noch nicht verhaftet war. In Pignerol war er mit weiteren hohen Staatsgefangenen wie Nicolas Fouquet und dem Marquis de Lauzun in-
haftiert und durfte mit Fouquet auch Kontakt haben.

Nicolas Fouquet.

Er diente ihm zeitweise auch als Diener, wenn dessen Diener La Rivarol krank war. Als Fouquet 1678 größere Freiheiten erbat, machte der König das von der Antwort auf die Frage abhängig, ob Dauger seinem Diener Rivarol irgendetwas anvertraut habe. Die Antwort befriedigte den König und Fouquet wurden Hafterleichterungen gewährt. Nach Fouquets Tod 1680 entdeckte man ein Loch zwischen seiner und Lau- zuns Zelle, und von da an wurde der Mann mit der Maske und Fouquets Diener streng von Lauzun getrennt, der im folgenden Jahr ent- lassen wurde.
Lauzun, der Diener des Mannes mit der eisernen Maske.
Ab 1681 kam der Mann mit der Maske (der nun die Zelle mit de Rivarol teilte) in die nur 26 km entfernte Festung Exilles in den Alpen.
Ab 1681 kam der Mann mit der Maske (der nun die Zelle mit de Rivarol teilte) in die nur 26 km entfernte Festung Exilles in den Alpen.
1682 wurden die Haftbedingungen auf Anweisung von Louvois nochmals ver-
schärft und die beiden wurden getrennt. Rivarol starb 1687 und der Mann mit der Maske wurde, als die Festung Exilles von einem Krieg bedroht war, am 3. Mai auf die Insel Sainte-Marguerite verlegt, (Bild unten) auf der damals an-
Die Festung Sainte-Marguerite
fangs nur ein weiterer Gefangener lebte. September 1698 wurde er in die Ba-
stille in Paris verlegt, wo er am 19. November 1703 starb. Bei jedem Ortswech-
sel wurde der Gefängnisdirektor Bénigne Dauvergne de Saint-Mars mit ver-
setzt, der es somit bis zum Gouverneur der Bastille 1689 brachte, den Mann mit der Maske und einige andere Gefangene immer im Gefolge. Der unbekannte Mann musste beim Hofgang und gegenüber Fremden eine Maske tragen und durfte bei Todesstrafe für den Mitwisser mit niemandem Kontakt aufnehmen - der Offizier, der ihn von Dünkirchen überführte, drohte, ihn sofort zu töten, falls er ihm etwas anvertrauen wolle. Bei jedem der Ge fängniswechsel wurde pein-
lich darauf geachtet, dass niemand seine Stimme hören konnte, sein Gesicht sehen oder gar mit ihm sprechen konnte. Beim Transport nach Saint-Margue-
rite wurde er in einem mit einem Wachstuch hermetisch verschlossenen Sänf-
ten-Stuhl transportiert, so dass er beinahe erstickte. Als Träger wählte man Italiener aus Turin.
Für seine persönliche Bequemlichkeit wurden ihm allerdings zahlreiche Ver-
günstigungen gewährt. Er bekam in Sainte-Margerite zweimal die Woche die Wäsche gewechselt, eine möblierte Zelle, erhielt schon gleich nach Einlieferung alle Bücher, die er haben wollte, durfte die Laute spielen und wurde bei Bedarf ärztlich versorgt. Für ihn und seinen Diener erhielt Saint-Mars 12 Pfund pro Tag für Verpflegung.

Seine Zelle hatte doppelt vergitterte Fenster.

Für seine Bewachung wurde kein Aufwand gescheut. Allein die Summe, die für den Bau seiner Gefängniszelle auf der Insel Sainte-Marguerite (eine der Îles de Lérins vor Cannes) ausgegeben wurde, betrug 5000 Livres. In Pignerol wurde eine spezielle Zelle gebaut, die man durch drei Türen betreten musste, damit die Wachen nichts hören konnten. Sie hatte doppelt vergitterte Fenster, die von außen nicht eingesehen werden konnten. Auch wurde er vom Gefängnisdirektor per-
sönlich betreut, der ihm die Speisen auftischte. Es gibt sogar Zeugen, die aus-
sagen, dass die Offiziere in seiner Gegenwart den Hut abnahmen und erst nach Aufforderung wieder aufsetzten. Es war Voltaire, der behauptete, dass er eine Maske aus Eisen trug, doch war sie tatsächlich aus schwarzem Samt. Voltaire war selbst häufiger in der Bastille inhaftiert und versuchte bei einem solchen Aufenthalt 1717 möglichst viel über den Fall zu erfahren. Nach Voltaire war er ein Bruder von Ludwig XIV., was dann auch Alexandre Dumas in seinem Ro-
man popularisierte. Nach Voltaire war der Gefangene etwa 60 Jahre alt, als er starb. Nach Zeugenaussagen hatte er 1687 in Exiles schon graue Haare.
       Zwillingsbruder von Ludwig XIV.       
Wie schon erwähnt vertrat Voltaire die These, er sei ein Zwillingsbruder von Ludwig XIV. gewesen, den Anna von Österreich und Mazarin an einem anderen Ort aufwachsen ließen. Voltaire behauptet auch, dass der Gefangene bereits 1661, wenige Monate nach dem Tod Mazarins, eingeliefert worden sei, nach seiner Theorie kurz nachdem Ludwig XIV. davon erfuhr. Auch Marcel Pagnol behauptet, er sei ein auf dem Land und danach in England aufgewachsener Zwillingsbruder von Ludwig XIV. gewesen, der sich in eine Intrige zum Sturz des Königs verwickeln ließ und bei seiner Rückkehr in Dünkirchen verhaftet wurde.
Anna und ihre beiden Söhne. Also Ähnlichkeit ist tatsächlich vorhanden.
Bei der Geburt Ludwigs XIV. waren rund 50 Personen direkt im Raum anwe-
send, erst einige Stunden später zog sich die Königin mit einer Hebamme und einer Hofdame zurück. Nach dieser Theorie wäre später noch ein Zwilling ge-
boren worden, der nach damaligen Recht dann Thronfolger seines älteren Zwillings gewesen wäre und daher von Richelieu beiseite genommen worden wäre, um Verwirrungen vorzubeugen, und daher bei einer Pflegefamilie auf-
wuchs. Das Problem mit dieser Theorie ist aber, dass ein weiterer möglicher Thronerbe bei der damaligen Kindersterblichkeit Richelieu höchst willkommen gewesen wäre. Das Hauptargument von Pagnol scheint zu sein, dass man auch in den 1690er Jahren strikte Anweisung gab, dass das Gesicht nicht erkannt werden dürfte. Bei der Überführung in die Bastille gab Ludwig XIV. Anweisung, dass er von niemandem "gesehen und erkannt" werden würde ("qu´il ne soit vu ni connu de personne", statt "erkannt" für connu ist auch die Übersetzung "gekannt" möglich, Pagnol gibt aber Argumente für die erste Version). Die einzige Person, die man aber damals, so lange Zeit nach der Verhaftung, sofort erkannt hätte, wäre aber der König gewesen.
       Illegitimer Sohn der Königin       
Nach einer anderen Variante ist er ein illegitimes Kind von Anna von Öster-
reich, die lange Jahre von ihrem Mann entfremdet lebte. Diskutiert wurde zum Beispiel eine Liaison mit Kardinal Mazarin (de Mihiel 1790), der während ihrer langen Regentschaft ihr Premierminister war, oder mit dem Herzog von Buckingham (Luchet), (Bild oben rechts) oder dem Musketieroffizier Francois de Cavoye, der tatsächlich einen 1637 geborenen Sohn Eustache Dauger hatte. Danach wäre die zufällige Übernachtung von Ludwig XIII. im Louvre, der Re-
sidenz der Königin, eine Übernachtung in deren Folge Ludwig XIV. nachweislich gezeugt wurde, ebenso von Richelieu arrangiert worden, wie eine gleichzeitige Liaison mit einem Unbekannten. Das Problem bei dieser Theorie ist, dass ein Bastard Anna von Österreichs überhaupt keinen Thronanspruch hätte, sondern nach dem altem Salischen Erbrecht nur die männliche Linie des Königshauses zählte. Weshalb diese Lösung für Richelieu vollkommen unannehmbar gewesen wäre.
       Leiblicher Vater von Ludwig XIV.       
Williamson unterstützt die Theorie von Lord Quickswood, dass es sich um den Vater von Ludwig XIV. handelte. Danach wäre Ludwig XIV. selber nur Ludwig XIII. untergeschoben worden (von Richelieu und Anna von Österreich), um den Thronantritt von Gaston d'Orléans zu verhindern. Den eigentlichen Vater schickte man ins Exil ins damals französische Kanada. Als er aber aus seinem Wissen versuchte Kapital zu schlagen, beispielsweise beim englischen König Karl II. , der dadurch seine Verhandlungsposition mit Ludwig XIV. hätte ver-
bessern können, wurde er entführt und inhaftiert. Quickswood gibt selbst zu bedenken, dass der Gefangene dann bei seinem Tod schon weit über 80 gewe-
sen sein müsste, was Zeugenaussagen widerspricht.

Auch der Großadmiral François de Vendôme, Herzog von Beaufort, als Held der Fronde in Frankreich damals sehr beliebt, ist in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht worden. Dieser verschwand spurlos nach einer nächtlichen Schlacht bei der Belagerung von Candia durch die Türken auf Kreta am 25. Juni 1669, an der die Franzosen zur Unterstützung der Venezianer teilnahmen. Nach Hubert Monteilhet wäre er als Liebhaber von Anna von Österreich und wahrer Vater von Ludwig XIV. auf Verlangen des Königs von den Türken festgesetzt worden. An diese Identität glaubte auch der Dichter François Joseph de Lagrange-Chancel (1677-1758), der zur Zeit Ludwigs XV. ebenfalls auf Sainte-Marguerite gefangen saß. Allerdings trugen die Türken damals den Kopf des Herzogs im Triumph auf Piken durch Konstantinopel.

   Mitwisser der Herkunft Ludwigs XIV.   
Vernardeau hält ihn für Marc de Morelhie, den Schwiegersohn des Leibarztes von Anna von Österreich, der die Autopsie von Ludwig XIII. durchführte, bei der dessen Impotenz festgestellt worden sei. Danach hätte der Schwiegervater dieses Geheimnis Morelhie anvertraut. Morelhie starb aber bereits 1680. Aus-
serdem war sein Schwiegervater nachweislich nicht bei der Autopsie, da er da-
mals noch nicht Leibarzt von Anna von Österreich war.
Nach Informationen, die auf Ludwig XV. zurückgehen, handelt es sich um den Grafen Ercole Antonio Mattioli (geb. 1640), einem Minister von Ferdinando Carlo Gonzaga, Herzog von Mantua und Montferrat, der die Übergabe der wichtigen Festung Casale für 100.000 Scudi an die Franzosen aushandelte (am 6. Dezember 1678 in Paris geschlossener Vertrag), dann aber das Ganze an Savoyen, Österreich, Spanien und Venedig verriet, um nochmals Kasse zu ma-
chen. Der Handel platzte und der wütende Ludwig XIV. ließ Mattioli 1679 durch den französischen Gesandten d´Estrades kidnappen und in Pignerol einsperren. Da er aber schon 1694 (offensichtlich schon seit einigen Jahren aufgrund der harten Bedingungen seiner Gefangenschaft wahnsinnig) starb, scheint es sich hier um eine Verwechslung zu handeln beziehungsweise um einen weiteren Teil des Mythos. Mattioli blieb bis 1694 in Pignerol und wurde, als die Festung be -
droht wurde, nach Saint-Marguerite gebracht, wo er kurz darauf starb.

Andererseits soll der 1703 gestorbene Gefangene "mit der Maske" unter dem Namen Marchioly in St. Paul begraben worden sein. Mattioli selbst saß als Lestang ein. Anscheinend handelt es sich bei Mattioli, der viel schlechter als die Maske behandelt wurde, um eine falsch gelegte Spur. Es gibt zwar einen Brief von Louvois, in dem er andeutet, dass dieser mit nach Exiles verlegt wurde, dem widerspricht aber ganz eindeutig ein Brief von Saint-Mars von 1681 an d´Estrades, der nicht Teil der amtlichen Korrespondenz ist. Er blieb fast bis zu seinem Tod in Pignerole.

   Vivien Lallé de Bulonde  
Nach der Entzifferung der militärischen Geheimkorrespondenz von Ludwig XIV. um 1893 durch Étienne Bazeries wurde auch ein Brief an den General Catinat vom 24. August 1691 bekannt, in dem er anweist den General Vivien Lallé de Bulonde, der nach Ansicht des Königs bei der Belagerung von Cuneo im Piemont aus Feigheit den Feldzug gefährdet hatte, zu verhaften, einzusper-
ren und ihm eine Maske aufzusetzen. Auch hier könnte es sich um einen Teil des Mythos handeln, Bulonde selbst starb aber erst 1709. Ein Argument gegen die Identität mit dem Mann mit der Maske ist, dass er keine Geheimnisse zu verraten hatte und der Grund seiner Gefangenschaft allgemein bekannt war.
   Letztlich bleiben nur Spekulationen
wie es sich tatsächlich zugetragen hat.  
Er wusste - ausser Ludwig XIV. am meisten über den Mann in der eisernen Maske: Kardinal Richelieu
Niemand am Hofe Ludwigs XIV. ahnte etwas von dem Mann mit der eisernen Maske.