Hethiterkönig Schupiluliama    Hethiterkönig Schupiluliama

   Die Hethiter-Annalen  
      haben das Wort

Bevor wir aber zu Ramses II. kommen haben erst noch die Hethiter-Annalen das Wort. Nachdem man die Bedeutung dieser Staatskorrspondenz erkannt hatte, entschloss sich Sir William Matthew Flinders Petrie 1891/92 zu einer Reihe von Ausgrabungen genau an der Stelle, wo die Bäuerin das außerge-
wöhnliche Depot gefunden hatte. Als Zeichner begleitete ihn Howard Carter, der damals kaum neunzehn Jahre alt war.

Die Ausgrabungen, die dann nach Jahren von John Pendlebury fortgesetzt wurden, förderten aber nicht, wie man erhofft hatte, weitere Schätze von Briefen zutage, sondern legten nicht mehr und nicht weniger als eine riesige Stadt frei. Deren Ruinen machten den Eindruck einer komplexen und gut organisierten Planung; die Stadt war reich an Tempeln, prunkvollen Palästen und herrschaftlichen Wohnungen. Ihr Klima war durch kleine Seen, künstliche Kanäle und wohl gepflegte Vegetation angenehm temperiert worden.

Das war die Stadt, die Amenophis IV. Echnaton gegründet hatte, der häretische König, dessen Namen die fanatischen Amun-Anhänger nach einer allgemeinen Rückwendung zur Othodoxie auf jede mögliche Weise auszulöschen versucht hatten.

Zwischen 1907 und 1915 gelang es Jorgen Knudtzon, einem Keilschriftspezialisten, die Täfelchen aus Tell el-Amarna zu entziffern und zu publizieren. Sie bezogen sich auf einen langen Zeitraum, da es sich um Briefe handelte, die an Amenophis III., dessen Sohn Amenophis IV. Echnaton und an Tutan-
chamun gerichtet waren.

Hattusa, die Hauptstadt des alten hethitischen Königreiches
Anchesenamun war die dritte Tochter von Nofretete und Echnaton, von denen sie den Namen Anchesenpaaton erhielt. Später wurde ihr Name in Anchesenamun umgeändert, ebenso wie der Name ihres jüngeren Gemahls Tutanchamun. Anchesenamun hatte wahrscheinlich schon vor der Ehe ein Kind mit Echnaton, bekam aber keine Kinder mit Tutanchamun, doch wurden in seinem Grab zwei Föten entdeckt. Anchesenamun überlebte ihren Gatten, und schrieb nach seinem Tod einen Brief an den König der Hethiter, Schupiluliuma I...
Inzwischen kam aus Syrien und Palästina die Nachricht, daß man an einigen Orten Briefe entdeckt hatte, die den
in Ägypten gefundenen entsprachen. Diese seien aller-
dings von der Kanzlei des Pharaos abgesandt worden. Später stieß dann der Deutsche Assyrologe Hugo Winckler (1863-1913), der 1906 gut hundertfünfzig Kilometer östlich von Ankara in der Nähe des Dorfes Boghazköy die Hauptstadt des alten hethitischen König-
reiches entdeckt hatte, auf einen weiteren glücklichen Fund, das Archiv der Annalen, in dem die Hethiterkönige in ihrer Sprache die wichtigsten geschichtlichen Ereig-
nisse in ihrem Land aufgezeichnet hatten.

Durch dieses außergewöhnliche Archiv von über zehntau-
send Täfelchen wurden die Ereignisse in Ägypten zur Zeit Tutanchamuns neu beleuchtet.

Der frühzeitige Tod des jungen Pharao hatte die kaum einundzwanzigjährige Gemahlin Anchesenamun und Tutanchamuns Wesir Ay in tiefer Bestürzung zurück gelassen. Dem Herrscher waren keine Söhne geboren worden. Damals hat Anchesenamun, wahrscheinlich auf den Rat des betagten Wesirs, der auch ihr Großvater mütterlicherseits war, einen Brief an Schupiluliama, den König der Hethiter, gesandt. Er lautete folgendermaßen:

"Mein Gemahl ist gestorben. Ich habe keinen Sohn. Aber Du, sagt man mir, hast viele Söhne. Wenn Du mir einen deiner Söhne geben wolltest, könnte er mein Gemahl werden. Niemals werde ich mir einen meiner Diener nehmen, um ihn zu meinem Gatten zu machen!...Ich habe Angst!"

Schupiluliamas Sohn Murschili berichtet auf einem Tontäfelchen weiter, der Vater habe seine Ratgeber zusammengerufen, denn in einer deratigen Situation habe er sich noch nie befunden. In weiser Voraussicht habe er einen Kammerherrn entsandt, der sich genau informieren sollte, was in Ägypten vor sich gehe. Nach kurzer Zeit sei dieser zurückgekehrt, begleitet von einem ägyptischen Boten, der einen zweiten, noch aufgeregteren Brief überbrachte:
"Weshalb hast Du auf diese Weise zum Ausdruck gebracht 'man täuscht mich'? Wenn ich einen Sohn hätte, würde ich dann vielleicht von meiner Schmach und der meines Landes an ein fremdes Land schreiben? Du hast mir nicht geglaubt und sogar auf diese Weise zu mir gesprochen! Jener, der mein Gemahl war, ist tot. Ich habe keinen Sohn! Niemals werde ich mir einen meiner Diener nehmen, um ihn zu meinem Gemahl zu machen! Ich habe an kein anderes Land geschrieben! Man sagt mir, daß Deine Söhne zahlreich sind: also gib mir einen deiner Söhne! Für mich wird er ein Gemahl sein, aber in Ägypten wird er der König sein."
...und bat einen seiner Söhne heiraten zu können. Sie begründete die Bitte, indem sie erklärte ihr verstorbener Mann hätte keine Söhne, und durch die Ehe würde die Herrscherlinie erhalten bleiben. Schupiluliuma willigte ein, nachdem er einige Nachforschungen angestellt hatte, und schickte seinen Sohn Zannanza. Dieser erreichte nie sein Ziel, wahrscheinlich fiel er Haremhab, dem Oberbefehlshaber der Armee zum Opfer.
Da der Vater großzügigen Sinnes war ging er auf die Bitte der Königin ein und schickte ihr einen seiner Söhne. Der Prinz Zannanza, ein Sohn Schipiluliamas, reiste in Begleitung einer ansehnlichen Eskorte und mit einer Ladung von geeigneten Geschenken für die Gemah-
lin, die ihn erwartete,seinem Schicksal entgegen. Er erreichte seinen Bestimmungsort nicht - ein vorbe-
reiteter Hinterhalt beendete jäh sein junges Leben und zerstörte die Hoffnungen des hethitischen Königsebenso, wie der Königin Anchesenamun. Auftraggeber für diesen grausamen Mord war ohne Zweifel General Haremhab, der "Diener", den die Königin Witwe nicht heiraten wollte. Der Witwe Tutanchamuns blieb nichts anderes übrig, als den alten Wesir Ay, ihren Großvater, zum Mitregenten zu machen. Diese Periode der Doppelherrschaft wird durch einen Gegenstand bezeugt, der äußerlich unbedeutend erscheint: einen auf einem Ring besfestigten Skarabäus, auf dessen flacher Seite die Zierinitialien von Ay und Anchesenamnun nebeneinandereingeritzt sind. Es ist unnötig zu erklären, dass dieser Ring lange Zeit als Beweis für eine dritte Ehe der Prinzessin aus Amarna angesehen wurde, die für unsere Begriffe noch mehr Blutschande gewesen wären als die mit ihrem Vater Amenophis IV. Echnaton. Doch wissen wir mit Sicherheit, daß Ay (Eje), nachdem er Pharao geworden war, weiterhin seine betagte Frau zur Seite hatte. Sie war Erzieherin der Nofretete gewesen, wurde mit ihrem Gatten bestattet und trug nach Ausweis der Grabmalereien - den Titel "Große königliche Gemahlin".
Der Witwe Tutanchamuns blieb nichts anderes übrig, als den alten Wesir Ay, ihren Großvater, zum Mitregenten zu machen.
Der mit dem Skarabäus verzierte Ring ist das letzte Zeichen, das uns von Tutanchamuns Gemahlin geblieben ist. Was geschah danach mit ihr? Fiel sie der Rache von General Haremhab zum Opfer? Starb sie, wie ihr junger Gemahl, eines frühen Todes? Wir wissen es nicht. Die schlanke und grazile Gestalt, die wir noch heute auf den Dekorationen der Gegenstände bewundern, die dem Kind-König bei seiner Bestattung mitgegeben wurden, verschwand geheimnisvoll aus der Welt der Geschichte.
   Ein Pharao in der Ville Lumière  
1976 wurde Ramses per Flugzeug nach Paris zur großen Ramses-Ausstellung transportiert. Grund der Reise war auch, dass der drohende Verfall der Mumie durch entsprechende Konservierungsmaßnahmen gestoppt werden sollte. Als die Mumie auf dem Pariser Flughafen gelandet war, erwiesen ihr Vertreter der französi-
schen Regierung dieselben Ehren wie einem amtierenden Staatschef.
Der Sarkophag des ägyptischen Herrschers wird von einem Kran vom Transporter gehievt.
Im Früjahr 1976 kam Ramses II. nach Paris. Seine außergewöhnliche Reise war das Ergebnis langer und mühevoller diplomatischer Kontakte zwischen den Regierungen von Frankreich und Ägypten. Als man im Jahr zuvor eine große Ägypten-Ausstellung in Paris plante, die diesem Pharao gewidmet sein sollte, hatten die Franzosen ein Gesuch an die ägyptischen Behörden gerichtet mit der Bitte, auch die Mumie von Ramses II. ausstellen zu dürfen. Sie erhielten einen abschlägigen Bescheid. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte noch keine Mumie eines Pharao das Land verlassen. Im Dezember 1975 traf dann der französiche Staatspräsident Giscard d' Estaing mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar El Sadat zusammen und wiederholte den Wunsch mit allem Nachdruck, Sadat konnte oder wollte nicht nein sagen, aber seine Geste fand keinen großen Beifall. Vor allem das Museum von Kairo versuchte die Übereinkunft zu sabotieren. Es ließ die Mumie von Ramses II. ins chemische Institut verlegen. Bei einer derart unaufschiebbaren und delikaten Restau-
rierung, so hieß es, sei auszuschließen, dass die sterbliche Hülle des Pharao bis zu dem Termin fertig sei, an dem sie nach Paris geschickt werden müßte.

Die Franzosen blieben aber hart. Es gab einen Notenaustausch auf diplomatischer Ebene, der jedoch wenig Diplomatisches an sich hatte. Die Abmachungen müßten - so die Franzosen - eingehalten werden. Die Ägypter erwiederten, an der Mumie seien Schäden aufgetreten, die irreparabel werden könnten, sofern man sie nicht schnellstens beseitige. Beschädigt sei sie schon, war aus Paris zu vernehmen, aber vor allem wimmele die Mumie von Bakterien und Pilzen. "Wir können sie von dem Ungeziefer befreien. Schickt sie uns und wir werden sie wie neu zurückgeben."

Ein amerikanischer Wissenschaftler erklärte, daß die Angelegenheit völlig absurd sei. Das altägyptische Einbalsamierungs - und Mumifizierungsverfahren sei so wirkungsvoll, daß man jegliche Verbreitung von Bakterien, Pilzen oder ähnlichem ausschließen könne. Die ganze Geschichte, so schloß er, sei von den französichen Archäologen aus Ärger erfunden worden.

Als die Mumie auf dem Pariser Flughafen gelandet war, erwiesen ihr Vertreter der franzöischen Regierung dieselben Ehren wie einem amtierenden Staatschef.
Christiane Desroches-Noblecourt, die Organisatorin der Ausstelung und Konservatorin für ägyptische Alter-
tümer im Louvre, war beleidigt. Es sei purer Neid, antwortete sie, Engländer und Amerikaner wollten nur nicht zugeben, das die wissenschaftliche Technologie in Frankreich der ihrigen überlegen sei. Und überhaupt sei die Entdeckung der antiken Kultur Ägyptens eine Ruhmestat Frankreichs. Dies ist, zumindest teilweise, richtig. Wie wir wissen ist die Mumie Ramses' II. 1881 von Gaston Maspèro und Emile Brugsch im Schacht von Deir el-Bahri gefunden worden, zusammen mit zahlreichen Sarkophagen und anderen königlichen Mumien. Allerdings war damals die Frage, wer die königlichen Mumien und Sarkophage aus den Gräbern, in denen sie ursprünglich bestattet worden waren, in jenes Versteck gebracht hatte, ungelöst geblieben. Einige Papyri, die schon zur Zeit des Fundes bekannt waren, gaben später die Antwort. Diese Papyri enthielten eine Reihe von Prozeßakten, die sich auf Grabschändungen bezogen.

  "Das Jahr der Hyänen"  
    sprich:Grabräuber  

Die Diebstähle in den Gräbern waren der Ausdruck einer politisch-religiösen Verschwörung. Ägypten wurde durch einen fürchterlichen Bürgerkrieg zerfleischt, in dem sich die Priesterschaft und die Anhänger von Amun gegenüberstanden.
Gegen Ende der Regierungszeit von Ramses IX. (1137-1119 vor Chr.) fand in Theben ein Prozeß gegen einige Individuen statt, die angeklagt waren, mehrere Gräber im Tal der Könige geschändet
und beraubt zu haben. Viel interessanter als dieser Prozeß sind jedoch die Hintergründe.

Solche Plünderungen ereigneten sich, wie bekannt, zur damaligen Zeit schon seit längerem. Jahr um Jahr wurden Gräber ausgeraubt, ohne daß der verantwortliche Beamte mit dem Namen Paweraa, dem auch die Wächter und die Polizei unterstellt waren, irgendwas unternommen hätte, um diesem Unwesen Einhalt zu gebieten. Ein anderer Beamter namens Paser, der die Stadt regierte, brachte den Skandal in einem Bericht an den Wesir und an andere Beamte zur Anzeige. Paweraa wurde vor Gericht zitiert und gezwungen, eine Untersuchung anzuordnen. Tat-
sächlich waren viele Gräber aufgebrochen und geleert worden.

Man fand die Schuldigen, verhaftete sie und machte ihnen den Prozeß. Paweraa versuchte nun alles, um Paser den Schlag heimzuzahlen, und ging soweit, ihm einen falschen Zeugen zu schicken, der sich selbst anklagte, mit seiner Bande Gräber geplündert zu haben. Paser wußte, daß er log, und konnte ihn entlarven. Plötzlich jedoch erklärte die Kommission, die vom Wesir ernannt worden war, daß die Diebstähle in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hätten, und daß alles, was gesagt worden sei, als erfunden betrachtet werden müsse. Paser wurde der Lüge angeklagt, die Verhafteten erhielten ihre Freiheit zurück. Es scheint, daß die treffendste Interpretation der mysteriösen Angelegenheit von Paser selbst stammt: Paweraa, der oberste Hüter der Totenstadt, war nach seiner Meinung ein Komplize der Diebe, und der Wesir war an dem Handel sicher auch nicht unbeteiligt.
Das Dorf der Grabräuber
Jedenfalls bewirkten diese und andere Ereignisse, daß schon während der Regierungszeit Ramses' IX. einige Mumien von Pharaonen aus ihren eigenen Gräbern in fremde verlegt wurden. Neben dem Gemeinschaftsgrab von Deir el-Bahri wurde ein weiteres Versteck im Grab Amenophis' II. angelegt, wo neben der Mumie des Grabbesitzers die der Könige Thutmosis IV., Sethos II., Siptah, Sethnacht, Ramses IV., Ramdes V. und Ramses VI. zusammengetragen wurden. Diese unter der 21. Dynastie getroffene Entscheidung, alles, was noch zu retten war, zu sammeln und in einem praktisch unzugänglichen Versteck unterzubringen, war sicherlich eine Kapitulation der staatlichen Autorität.
Der Ägyptologe Pierre Montet stellte die Hypotese auf, daß die Diebstähle der Ausdruck einer politisch-religiösen Verschwörung gewesen seien. "unter den letzten beiden Ramses", schrieb Montet, "wurde Ägypten durch einen fürchterlichen Bürgerkrieg zerfleischt, in dem sich die Priesterschaft und die Anhänger von Amun bzw. von Seth gegenüberstanden. Die Anhänger von Seth waren über das ganze Land verstreut, zahlreich und aktiv waren sie aber vor allem in Koptos, Oxyryhnchos, Tell Modam und Pi - Ramses. Wir sind der Ansicht, daß die großen Gräber im Verlauf dieses Krieges geplündert wurden, sei es von den Anhängern Amuns, sei es von den Anhängern Seths oder von beiden Parteien abwechselnd, wobei jeder als Ausrede anführte, man könne dem Gegner nicht eine solche Menge Edelmetall überlassen. Da dieses Beispiel von oben gegeben worden war, und zwar um so mehr, als aufgrund der herrschenden Anarchie das Leben schrecklich teuer geworden war. Die Lebensmittel wurden knapp und man konnte nur gegen gutes Gold oder Silber Tauschgeschäfte machen. Für einen Ochsen mußte man 45 Gramm Gold geben. Die Komplizen eines gewissen Buchaf gestanden, daß die einen mit ihrem Beuteanteil Land, die anderen Getreide Stoffe und Sklaven gekauft hätten."
Mit seinem Grossvater Ramses I. und seinem Vater Sethos I. und ihm selbst begann die Sklavenherrschaft über die Hebräer, die später von Moses aus Ägypten geführt wurden.
Der Auszug aus Ägypten unter der Führung Mose.

  Der rastlose Pharao  

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Ein kleiner Eintrag im Gästebuch würde mich freuen. Vielen Dank!