Die zweite Yacht oben in der Mitte war das Prachtstück von Alexej Poljakow.

Am nächsten Morgen waren wir pünktlich an der Yacht von Alexej Poljakow , so hieß der Mann, angekommen welcher uns gleich herzlich begrüßte und sofort Lena mit gierigem Blick anschaute. Hätte ich gewusst, welche Scheinheiligkeit hinter seinem Gruß steckte, ich wäre erst gar nicht mit Lena an Bord gegangen. Zu gerne hätte ich gewusst, was seine Frau zu den vielen jungen Frauen an Bord sagte. Nun, es ging mich nichts an und ich fragte ihn auch nicht danach. Aber Lena machte sich so ihre Gedanken. Sie stand oft abseits und entging dem Treiben an Bord soweit wie möglich. Das kam mir denn doch ungewöhnlich vor. Bild unten: Alexej lud uns zu einem kleinen Snak ein, denn das Frühstück war schon eine Weile her. Später suchte ich Lena und fand sie an der Reeling stehend und hinüberschauend auf die verschwindenden Berge.

Wir bei einem kleinen Snak an Deck der Yacht von Alexej Poljakow mit Ehefrau Irina
Poljakows kleiner Harem. Er fühlte sich als Pascha.
Irgendwie schien mir Lena nicht ganz glücklich zu sein. Was hatte sie?
center>Später, als ich sie suchte, stand sie wieder, nachdenklich, abseits, und einsam an der Reeling, schaute hinüber auf die Berge, wo gerade eine andere Yacht kreuzte. Hatte sie etwa Heimweh nach Kiew? Mitnichten, wie ich gleich von ihr erfahren sollte.

Noch waren wir nicht weit weg von Odessa und das war gut so, denn was mir Lena berichtete war Grund genug, Alexej zu bitten, uns nach Odessa zurück zu bringen oder uns ein Wassertaxi zu rufen. Was war passiert? Lena berichtete mir, dass Alexej sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ständig belästigt und versuchte, sie zu begrapschen und sie zu überreden, für immer bei ihm zu bleiben. Er könne ihr ein Leben in Saus und Braus bieten. Und was sie an mir 'armen Touristen-Schlucker' fände. "Ich gab ihm zur Antwort", sagte mir Lena, "dass wenn mir jemand ein Luxusleben bieten kann, dann nicht ER, sondern Du. Gegen Dich sei ER ein armer Schlucker und nicht umgekehrt. Und nicht dass ich angeben wollte, Mister 'MGB', aber ich musste ihm unter die Nase reiben, dass Du Multimilliardär bist und ob er da mithalten könne. Selbst als ich den Bikini anziehen wollte, wollte er die Kabine nicht verlassen. Ich musste ihn förmlich rauswerfen, indem ich ihm drohte, laut zu schreien". "Liebes Lenamädchen, warum bist Du nicht gleich zu mir gekommen?", fragte ich, innerlich sehr zornig geworden über diesen eingebildeten Fatzke. "Wir brauchen seine Yacht nicht. Das werde ich gleich regeln, versprochen".

Ich war unheimlich zornig geworden, als sie mir das mit Alexej berichtete. Allerdings ließ ich mir meinen Zorn ihm gegenüber nicht anmerken. Höflich forderte ich ihn auf, mir zu sagen, wo wir uns befanden und die Yacht zu stoppen, da ich über Handy ein Wassertaxi bestellen möchte, welches uns wieder nach Odessa zurückbringen soll. Er nannte mir grinsend den derzeitigen Standort und Lena bestellte daraufhin das Wassertaxi. "Im Übrigen" erwähnte ich ihm gegenüber, (da er ausser Lena der einzige an Bord war der Deutsch verstand, so dass die umstehenden Passagiere uns nicht verstanden) "dass er genug junge Frauen an Bord habe, einschließlich seiner eigenen schönen jungen Frau. Warum dann noch meine Gefährtin, die von ihm gar nichts wissen wollte? Und noch was" sagte ich ihm mit erhobenem Zeigefinger, " was Ihre Yacht betrifft: von solchen könnte ich mir hunderte leisten, Sie Angeber". Alexej wurde hochrot im Gesicht und war stinksauer auf Lena, das sah man ihm an und sein Blick wanderte zu ihr hinüber. Aber die wandte ihm den Rücken zu. Die nächste halbe Stunde verging ohne Wortwechsel, bis wir das Wassertaxi kommen sahen und es anlegte. Wir stiegen sofort und uns ohne zu verabschieden um. Lena fiel mir noch im Taxi um den Hals, weinte, bedankte und entschuldigte sich zugleich, dass sie mir diesen Ausflug versaut hätte. "Aber nicht doch, mein Mädchen, das war gut so, dass du mir das gesagt hast. Ich hätte gleich auf Dich hören sollen".

Eine vorbeifahrende Yacht noch in der Nähe von Odessa.

Unterwegs überlegte ich mir, wie ich Lena eine Freude bereiten könnte, um sie für die Enttäuschung auf der Yacht zu entschädigen. Und ich hatte auch schon einen Plan. Zunächst fuhren wir mit dem Wasser-Taxi wieder zurück nach Odessa und gingen in unser Hotel. Während Lena auf dem Zimmer blieb und ich sie bat, nicht die beiden Koffer auszupacken, begab ich mich hinunter an die Rezeption und bat den Hotelmanager zu sprechen. Als dieser dann kam und sich nach meinem Wunsch erkundigte, weihte ich ihn in meinen Plan ein: Ich wollte von ihm wissen, ob es möglich wäre für zwei oder drei Tage eine Privat-Yacht zu mieten ? Ich war bass erstaunt, dass der Mann allerlei Verbindungen besaß, denn tatsächlich vermittelte er mir einen Yachtbesitzer, der reichere Touristen nach Jalta fuhr. Natürlich war das nicht ganz billig, zumal ich die Yacht nur für Lena und mich mietete. "Allerdings müssen Sie an Ort und Stelle den Preis für das Mieten der Yacht sofort und in bar bezahlen", sagte der Manager.

Ich fragte ihn, wie viel Geld der Besitzer verlange? Auch das klärte er mit dem Yachtbesitzer ab und so besorgte ich mir noch am Spätnachmittag Bargeld von der Bank, um den Besitzer der Yacht bezahlen zu können. Ausserdem brauchten Lena und ich ja ebenfalls Bargeld. Dass ich nach der Rückkehr aus Jalta Odessa verlassen würde, sagte ich dem Manager allerdings nicht. Dies deshalb, um Poljakow und Konsorten aus dem Weg zu gehen, denn der blieb ja eine Woche auf See. Lena hatte ich erst jetzt, nachdem es mit der Yacht geklappt hatte, in meinen Plan eingeweiht.

"Mister 'MGB', hast Du das nur für mich getan"?, fragte sie ungläubig, als ich ihr eröffnete, dass wir mit einer Privatyacht nach Jalta fahren würden. "Nicht nur, mein Mädchen", beruhigte ich sie, "auch für mich, denn schließlich will ich Jalta auch mal sehen. Allein schon wegen der deutschen Geschichte. Denn in Jalta wurde das damalige Deutschland von den Alliierten aufgeteilt. Zwar war ich zu jener Zeit nur ein Kind von 2 Jahren und habe von der Konferenz zu Jalta nichts mitbekommen, doch interessiere ich mich sehr für Geschichte und da ich schon mal hier in der Ukraine bin, lasse ich mir das nicht entgehen". Da war sie beruhigt. Am nächsten Tag wurden wir vom hoteleigenen Taxiservice an den Pier gebracht, wo sich die Privatyacht befand. Und da mir der Yachtbesitzer für die drei Tage einen fairen Preis machte, erlaubte ich ihm, dass er seine Frau mitnehmen durfte. "Damit Sie die drei Tage nicht alleine sind", sagte ich ihm freundlich. Er war sehr glücklich darüber und bedankte sich überschwenglich dafür. "Mister", sagte er zu mir, "sowas habe ich in meiner ganzen Zeit noch nie erlebt. Vielen herzlichen Dank".

Mit der gemieteten Privat-Yacht auf dem Weg nach Jalta
Einfahrt in den Hafen von Jalta.
Erster Spaziergang in Hafennähe. Lena hatte schon die Kamera mit dabei.

Als wir am Pier angelegt hatten, verabschiedeten wir uns vom Yachtbesitzer für heute und wünschten ihm und seiner Frau noch einen schönen Tag. "Bis heute Abend, guter Mann, wir werden spät zurück kommen. Ein Glück, dass wir unser Hotel dabei haben, so brauchen wir keines zu suchen". Und in der Tat, wir hatten eine wunderschöne Kabine, die die Frau des Besitzers auf Hochglanz brachte. Es muss für sie seltsam angemutet haben, dass sie für nur zwei Personen reinigen musste und sogar selbst auf der Yacht übernachten durfte. "Guter Mann" erwiederte mir der Besitzer, "machen Sie sich keine Sorgen, wir bleiben an Bord und passen auf Ihre Sachen auf". "Nicht doch", antwortete ich ihm, "Sie und Ihre Frau können sich ebenfalls einen Landgang erlauben, wenn Sie beide gegen 18 Uhr wieder an Bord sind".

"Das geht leider nicht, mein Herr, hier treibt sich mancherlei Gesindel herum und da ist es sicherer, wenn wir an Bord bleiben. Die Yacht wird nur gegen eine Extragebühr von einer privaten Security bewacht. Und ich habe kein überflüssiges Geld, denn ich muss ja jeden Monat meine Raten bezahlen, schließlich ist die Yacht ja nicht mein Eigentum, sondern ich habe sie nur gemietet". "Dann gehen Sie erst zur Security, bezahlen die Gebühr für das Bewachen des Schiffs gleich für 3 Tage und sagen Sie mir bitte den Preis, ich werde diesen extra bezahlen. Sie sollen schließlich auch mal etwas Privatleben haben und Jalta genießen dürfen". Der Mann schaute mich erstaunt an, denn sowas ist ihm in seinem ganzen Leben noch nicht untergekommen. Verständlich, er hatte die Yacht ja auch nur gemietet, um damit sein Brot zu verdienen. Was er an Raten zu bezahlen hatte musste erstmal verdient werden. "Was sind Sie nur für ein edler Mensch", sagte seine Frau.

Die Sonne ließ sich noch nicht blicken, als wir gemütlich spazierend über die Hafen-
promenade Richtung Stadtmitte schlenderten. Naja, vielleicht kommt sie ja noch hervor.

Jalta ist ein Kur- und Urlaubsort an der Südküste der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer in der Ukraine. Der Kurort hat rund 80.000 Einwohner, von denen etwa zwei Drittel Russen und etwa 25 Prozent Ukrainer sind, der Rest sind Krimtataren und Mongolen und Angehörige anderer Völker. Die lingua franca ist Russisch. Eine kleine Gruppe von Deutschen ist in zwei Kulturvereinen organisiert und hat auch eine protestantische Kirche. In der Agglomeration Jalta leben etwa 125.000 Menschen. Aufgrund der Lage jenseits des Krimgebirges ist Jalta nicht an das Eisenbahnnetz angebunden. Dafür ist die Stadt Endpunkt der längsten Trolleybus-Linie der Welt. Diese wird von der Gesellschaft Krymskyj trolejbus betrieben und verbindet Jalta mit Aluschta und dem Bahnhof von Simferopol. Der Lage südlich des Krimgebirges und in einem Talkessel verdankt Jalta sein sehr mildes Klima: Die mittlere Temperatur beträgt im Februar 4 °C. Es schneit in Jalta selten, und die dünne Schneeschicht taut schnell wieder auf. Die Durchschnittstemperatur im Juli liegt bei ca. 24 °C. Die Sonne scheint hier 2.250 Stunden im Jahr. Da immer stetig eine leichte Meeresbrise vom Schwarzen Meer weht, wird es in Jalta nie drückend heiß. Es herrscht ein subtropisches Klima. Aufgrund der günstigen geographischen Lage hat sich Jalta zu einem beliebten Ziel für Touristen schon während der Zeit der Sowjetunion entwickelt. Viele berühmte Künstler wie Tschechow, Tolstoi und Tschaikowski haben hier gelebt. Jalta unterhält eine Städtepartnerschaft mit Baden-Baden, Deutschland.

Na endlich, langsam drückte sich die Sonne durch.
Lena und ich in der Stadtmitte des Kurortes Jalta.

Unser eigentliches Ziel an diesem Tag war die Besichtigung des Liwadija-Palasts. Aber so wie wir angezogen waren, war das keine gute Idee. Also schnappte ich mir ein Taxi und fuhr zur Yacht zurück. Zum Glück war das Ehepaar noch anwesend, so dass wir uns umziehen konnten.

Der Liwadija-Palast war die Sommerresidenz des letzten russischen Zaren Nikolaus II., sie wurde im Jahre 1910 anstelle eines früher vorhandenen Gebäudes erbaut und liegt in der gleichnamigen Siedlung städtischen Typs Liwadija, einem Vorort von Jalta, auf der Halbinsel Krim am Ufer des Schwarzen Meeres in der Ukraine. Die Palastanlage umfasst als Haupttrakt den eigentlichen Liwadija-Palast, den sogenannten Weißen Palast, der als Wohn- und Repräsentationsgebäude ausschließlich für die kaiserliche Familie bestimmt war. Der Weiße Palast hat zwei Stockwerke und zwei Innenhöfe (italienischer und maurischer Innenhof). Daneben besteht die Palastanlage aus zwei großen Nebentrakten, wobei der eine für die Minister und der andere für den Hofstaat und die Bediensteten bestimmt war. Dies war notwendig, da der Zar sich z.T. mehrere Monate in Liwadija aufhielt. Außerdem verfügt die Palastanlage über eine kleine russisch-orthodoxe Kirche, die 1866 vom italienischen Architekten Ippolit Monighetti erbaut wurde, sowie einen großzügigen englischen Landschaftspark.

Nach dem Besuch des Liwadija-Palasts waren wir aber geschlaucht. Wir traten allmählich den Heimweg an. Mit einer Taxe ließen wir uns bis fast vor den Hafen fahren und liefen die letzten Meter zur Yacht zu Fuß. Unser Ehepaar war pünktlich an Bord und begrüßte uns sehr freundlich. Die Frau des 'Kapitäns' hatte mir noch auf meine Bitte hin eine Kleinigkeit zu essen gemacht - eine Schüssel Cornflakes, die ich auf dem Bett auslöffelte.

Zurück im Hafenviertel, vorbei an großen Seeschiffen bis zu den kleinen Yachten.
Lena lacht noch in die selbstauslösende Kamera. Ich grinste mit.
Besichtigung des berühmten Schwalbennests.