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Ludwig II. war ja gar nicht krank,
er war das Opfer einer gigantischen und abgefeim- ten Intrige. Nachdem Prinz Luitpold in hochverräterischer Weise
die Regentschaft an sich gerissen hatte, wurde Ludwig durch ein Gefälligkeitsgutachten für verrückt erklärt, entmündigt (ohne ordentliches Verfahren!, so Staatsminister a. D, Dr. Peter Gauweiler) verhaftet und gegen seinen Willen in Schloss Berg eingekerkert. Das war der Dank dafür dass ihn Ludwig II. 1876 zum Generalfeldzeugmeister ernannte mit dem Rang eines Generalfeldmar- schalls.
      
   

      
All seine Intrigen nutzten ihm auch nichts: Auch er musste die Welt verlassen, lediglich dass er eines natürlichen Todes sterben durfte, was man von Seiner Majestät Ludwig II. leider nicht sagen konnte.
      
      
Da die Gefahr einer Flucht oder einer Befreiung sowie der Solidarisierung weiter Teile einer (noch heute) königstreuen Bevölkerung gegeben war - die Verantwortlichen wussten ja genau, dass Ludwig nicht geisteskrank war - musste der König sterben. So wurde er von Mörderhand (in Zusammenarbeit mit dem preußischen Geheimdienst?) erschossen - ebenfalls der nun lästig gewordene Mitwisser und Zeuge Gudden, der angeblich mit König Ludwig im See gerungen haben soll.
      
      
Die beiden Leichname warf man im Abstand von einer guten Stunde in den See - (die Uhr Guddens blieb erst 1 1/4 Stunden nach der Uhr des Königs stehen) um so das Märchen vom Selbstmord des Königs begründen zu können. In der Lunge des Königs fand sich jedoch kein Wasser, der Beweis, daß Ludwig II. schon tot war. Für die Schußwunden gibt es aber Zeugen: Der königliche Leibfischer Lidl der mit seinem Fluchtkahn schon bereitstand (Albert Widemann konnte die Aufzeichnungen Lidls retten) sowie der königliche Leichenbeschauer Hofrat Dr. med. Magg, der durch Eid und Drohungen zum Schweigen gebracht wurde, enthüllte auf dem Sterbebett seiner Tochter die schockierende Wahrheit: im Rücken des Königs gab es zwei Schußwunden.
      
      

      
Die Verantwortlichen von damals hatten gehofft, daß bald Gras über die unangenehme Sache wachsen würde - dem war aber nicht so. Das Volk liebte gerade diesen König, egal ob tot oder lebendig ("Ludwig III. krepier’ - Ludwig II. steh auf und regier’!" - wurde noch Jahre später mit Teer an die Fassade der Residenz gepinselt).
      
Die Gefahr, daß der Sarg nach der Machtergreifung durch Hitler geöffnet werden könnte - war so groß, daß die Verantwortlichen nicht anderes konnten, als den König zu verbringen und über den Vorgang strengstes Stillschweigen zu bewahren (bis auf den heutigen Tag).
      
      
Die hartnäckige Weigerung, den Sarg heute, nach immerhin 123 Jahren öffnen zu lassen, wirft ein höchst eigenartiges Licht auf die Verantwortlichen von heute. Der Hinweis auf Totenruhe und Pietät verfängt nicht: selbst Goethes Sarg wurde geöffnet - in der katholischen Kirche ist es seit jeher Brauch, die Heiligen "zur Ehre der Altäre zu erheben", mit anderen Worten, zu exhumieren.
      
      
Der gnadenlose Prinzregent verhängte über seinen "vielgeliebten" Neffen die grausamste aller Strafen: Lebenslänglich inhaftiert, ohne Prozeß, ohne Anwalt, ohne Richterspruch, ohne Revision, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt, ohne die Aussicht auf eine Begnadigung! Eine inhumanere Bestrafung für jemanden, der gar nichts getan hatte, gibt es wohl nicht! Dann aber wurde dieses Urteil noch in ein Todesurteil umgewandelt. Warum die dubiose Rolle des Herrn Prinzregenten, des Königreichs Bayern Verweser, in diesem Drama von Machtergreifung, Entmündigung, Tod nie aufgeklärt wurde, ist rätselhaft.
      
      
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