Der eigentliche Beginn:

Die Arthus-Sage in ihrer heutigen Fassung ist - wie sollte es anders sein - wieder einmal auf die Römer zurückzuführen. Nicht direkt, aber indirekt. Die Geschichte der Insel Britannien, angefangen von ihrer ersten Besiedlung durch die Briten um 1170 v. Chr. bis hin zu den Leiden ihrer Nachfahren, den Walisern, wird durch die Arthussage wieder lebendig. Nach dem Tode König Cadwalladers in Rom 689 n. Chr. wurde sie von einem Autor namens Geoffrey nach einer alten walisischen Überlieferung niedergeschrieben, die Geoffrey wiederum von einem Erzdiakon aus Oxford geliehen bekam. Vor der Erscheinung Jesu Christi hatte die Welt bis dahin weder etwas von Königen in England noch von Arthur und den vielen anderen, die nach seiner Menschwerdung folgten, gehört. Natürlich gab es mündliche Überlieferungen - nicht anders als in der Bibel auch, doch war es erst durch Geoffrey möglich, eine umfassende und durchgängige Schilderung der Geschichte Britanniens vorzulegen. Dies gelang ihm mit der Historia Regum Britanniae in einer Art und Weise, die selbst die kühnsten Erwartungen übertraf.

Ankunft von Brutus, Urenkel des Aeneas dem Trojaner,
in Totnes, Devonshire. Gründer des heutigen London.



Geoffrey beginnt mit der Ankunft des Brutus, Urenkel von Aeneas dem Trojaner, in Totnes, Devonshire, zu der Zeit, als Elias Hoherpriester in Israel war. Brutus trotzt Britannien den Riesen ab, die bis dahin seine unumstrittenen Herrscher gewesen waren; er begründet - wie ihm von der Göttin Diana in Griechenland geweissagt - ein Herrschergeschlecht mit der Hauptstadt Troja Nova (das spätere London - zuvor Kaerlud genannt). Die Geschichte von Brutus' Erben wird ja ähnlich ausführlich beschrieben: Könige folgen einander auf dem Thron, gründen Städte, erobern ausländische Gebiete und stellen einen Gesetzeskodex auf.



Zurück aber zu den Römern:
Mit der Ankunft Julius Cäsars betritt der Leser erstmals wieder ihm bekannte Gefilde, aber anstelle des klassischen Berichtes über die Unterwerfung Britanniens durch das Römische Reich erfährt er von stolzen, unabhängigen einheimischen Königen, die sich weigern, Rom Tribut zu zahlen, und denen es gelingt, das Joch ihrer Unterdrücker abzuschütteln. Damit ist ein Zusammenhang hergestellt, wie es ihn in der anerkannten Geschichtsschreibung bisher nicht gegeben hatte. Schließlich verlassen die Römer das Land...



...und mit ihrem Abzug beginnt die aufregende und eigentliche Sage um König Arthus. An die Spitze der englischen Monarchie wird erstmals Konstantin, der rechtmäßige Erbe, eingesetzt. Sein Sohn Constans jedoch wird feige auf Betreiben des Edelmannes Vortigern ermordet, der daraufhin den Thron besteigt. Constans Brüder, Aurelius Ambrosius und Uther Pendragon, fliehen vor Vortigern in die Bretagne, wo sie zur Wahrung ihrer Erbrechte vorsorglich eine Armee zusammenstellen. Vortigern, zu Tode geängstigt von der drohenden Gefahr und auch um einen Einfall der Pikten im Norden bangend, verpflichtet zwei Söldnerführer aus Sachsen - Hengist und Horsa, samt deren Gefolgsleute zur Hilfe herbei.

Henigst und Horsa auf dem Weg zu König Vortigern.



Bei einem späteren Trinkgelage entbrennt König Vortigern in Leidenschaft zu Rowena, der Tochter Hengists. Er bekommt sie zur Frau. Doch macht er ihrem Vater Hengists fatale Gebietszugeständnisse. Daraufhin schicken sich die Sachsen, die nun in Britannien fest Fuß gefaßt haben an, das Königreich für sich zu erobern. Der verliebte Vortigern flieht in die Einsamkeit Snowdonias, um dort eine uneinnehmbare Fliehburg zu errichten.

König Vortigern flieht mit seinem Gefolge in die Einsamkeit Snowdonias.

Über Nacht und durch einen bösartigen Zauber werden
die Burgmauern stets dem Erdboden gleichgemacht.



Aber so sehr sich seine Arbeiter auch mühen, stets werden die am Tage hochgezogenen Mauern über Nacht durch einen bösartigen Zauber dem Erdboden gleichgemacht. Vortigern ruft seine Magiere zu sich und fragt sie, wie man diesem Mißgeschick begegnen könne. Ihre Auskunft lautet, die Mauern hätten keinen Bestand, bis er einen Jüngling ausfindig mache, der nie einen Vater gehabt habe, und sobald er das Mauerwerk mit dessem Blut besprenge, werde sich alles zum Guten wenden. Die vom König ausgesandten Boten finden in Südwales einen solchen Jüngling; sein Name ist Merlin. Seine Mutter hatte ihn eines Nachts von einem Inkubus empfangen, einem Dämon, der in dem luftigen Raum zwischen Mond und Erde lebt.Dieser bietet den Magiern Vortigerns die Stirn, indem er sie auffordert herauszufinden, was sich unter der Erde verberge, auf der man die Fundamente errichten wollte. Verwirrt müssen sie mit ansehen, wie er in einem verborgenen Teich zwei sich bekämpfende Drachen aufdeckt, von deren Existenz sie nichts geahnt hatten.



Als sich aber beim erneuten Bau Schwierigkeiten auftun, schickt er nochmals nach Merlin, der ihm rät, die Steine des Gigantenrings vom Killarausberg in Irland (den sog. "Tanz der Riesen") heranschaffen zu lassen, die allein ein würdiges Ehrenmal abgäben. Merlin begleitet die zu diesem Unternehmen ausgeschickten Männer, und nur dank seiner Künste können die gewaltigen Felsblöcke vom Fleck bewegt werden. So entsteht jenes eindrucksvolle Bauwerk, das man in der englischen Sprache als Stonehenge kennt.



Auf Verlangen Vortigerns, was das alles mit den Drachen auf sich hat, offenbart ihm Merlin dann in einer langen Prophezeiung den tieferen Sinn dieser Erscheinung: sie deute auf einen anfänglichen Sieg der Sachsen, auf das anschließende Wiedererstarken der Briten und die Geschicke der künftigen Könige hin. In allegorische und symbolische Anspielungen gehüllt, beschwört die Weissagung eine Endzeit, in der Gestirne, Winde und Meere wüten und in wildem Aufruhr auseinanderjagen. Der erste Teil der Prophezeiung sollte sich schnell bewahrheiten. Aurelius und Uther überqueren mit ihrem Heer das Meer...

Aurelius und Uther Pentragon rücken an mit ihrem Heer



...stöbern Vortigern in seinem Versteck auf und töten ihn. Hengist ergeht es nicht anders, und Aurelius herrscht als König. Um einige britische Edelleute zu ehren, die während einer Versammlung von Hengists Wachen heimtückisch ermordet worden waren, beschließt Aurelius, bei Amesbury ein großes Denkmal zu errichten.