Romy Schneider in dem Film: Mädchenjahre einer Königin. Gemeint ist die englische Queen Victoria.    Die echte Majestät: Königin Victoria und Kaiserin von Indien.
Der Film ist ein Vorläufer der Sissi-Filme. Hier zu sehen: Romy Schneider als Prinzessin Victoria und Adrian Hoven als Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
Mädchenjahre einer Königin ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 1954 von Ernst Marischka. In diesem Film, einem Remake von Marisch-
kas gleichnamiger Inszenie-
rung aus dem Jahr 1936 nach der Komödie von Sil-Vara aus dem Jahr 1932, stellt Romy Schneider die junge Königin Viktoria von England dar. Der Film ist ein Vorläufer der Sissi-Filme, er zeigt wie aus dem noch zu erziehenden Kind die Königin Englands wird, und wie sie sich in ihren Vetter Albert verliebt, den sie schließlich heiratet, wie es ihr Berater für sie vorgesehen hatte. Die Uraufführungen waren am 16. Dezember 1954 in Köln und am 28. Dezember 1954 in Wien.
Es beginnt in der Hafenstadt Dover allerdings heftig zu regnen, und somit macht die Königin mit ihrem Butler und ihrer Vertrauten bei einer Gaststätte Rast, wo sich auch zufällig Prinz Albert von Sachsen-Coburg befindet.
Der Charakter von Viktoria wird als äußerst verspielt und liebreizend dargestellt, sie verkörpert ein zwar wissbe-
gieriges, neugieriges und intelligentes Mädchen, aber auch die verletzliche junge Frau, die erst sehr spät er-
fährt, dass sie eines Tages Königin von England werden soll. Trotzdem will sie ihre Sache gut meistern, was ihr auch gelingt. Als ihr aber vorgeschlagen wird, sie solle heiraten, will sie mit einer Pferdekutsche nach Paris fahren, um sich dort "Vergleichsobjekte" anzusehen. Es beginnt in der Hafenstadt Dover allerdings heftig zu regnen, und somit macht die künftige Königin mit ihrem Butler und ihrer Vertrauten bei einer Gaststätte Rast, wo sich auch zufällig Prinz Albert von Sachsen-Coburg befindet. Die beiden lernen sich kennen und wissen jeweils nicht, wer sie in Wirklichkeit sind. So kommt es, dass sie sich verlieben. Viktoria muss allerdings am nächsten Morgen zurück nach London, um dort auf ihrer Geburtstagsfeier einen Ehemann zu wählen. Albert, der eigentlich nicht an dem Fest teilneh-
men wollte, wird von seinem Berater überredet. Somit folgt er der Einladung Viktorias doch noch. Völlig überrascht sieht er, dass die Königin das Mäd-
chen ist, mit dem er letzte Nacht noch über die neue Regentin gespottet hatte. So kommt es, dass die beiden heiraten.
Hintergrund:
Die Schauspielerin Sonja Ziemann in jungen Jahren.
Ernst Marischka hatte für das Remake seines Films von 1936 ursprünglich Sonja Ziemann in der Hauptrolle vorgesehen. Bei einem Essen im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten wurde ihm von Magda Schneider ihre Tochter Romy vorgestellt, und Ma-
rischka entschied sich kurzerhand, die Rolle der jungen Köni-
gin Romy Schneider zu geben.

Der Schauspieler Peter Weck in jungen Jahren.
Peter Weck kam als einer der erfolglosen Heiratsbewerber zu einem seiner ersten Filmauftritte. Gedreht wurde in den Ate-
liers von Sievering, die Außenaufnahmen entstanden in Wien und Umgebung. Der Filmverleih erfolgte durch die Herzog-Film GmbH, ab 1958 durch die Ufa-Filmverleih GmbH. Den Vertrieb einer englischen Synchron-Fassung in den USA übernahm 1958 die Walt-Disney-Verleihfirma Buena Vista.
Die Realität:
Wache vor dem Kensington Palast in London. Hier wurde Königin Victoria am 24. Mai 1819 geboren.
Prinzessin Victoria im Alter von vier Jahren.
Victoria (deutsch auch: Viktoria, eigtl. Alexandrina Victoria; * 24. Mai 1819 im Kensington Palace, London; † 22. Januar 1901 in Osborne House, Isle of Wight) war von 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland sowie von 1876 bis 1901 Kaiserin von Indien. Sie war die Tochter von Eduard August, Herzog von Kent und Strat-
hearn und Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

Königin Victoria war eine der mächtigsten Frauen der Geschichte. Mit ihrer Thronbesteigung endete, aufgrund des in Hannover geltenden salischen Ge-
setzes, dass Frauen von der Thronfolge ausschließt, die Personalunion zwi-
schen Hannover und dem Vereinigten Königreich. Als konstitutionelle Monar-
chin war sie pro forma Herrscherin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung. Victoria regierte 63 Jahre und 7 Monate, länger als jeder andere britische Monarch bisher. Sie wurde aufgrund ihrer langen Regentschaft Namensgeberin für das Viktorianische Zeitalter.
Kein passender Thronfolger:
Von links:  Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld,  Princess Charlotte Augusta,    

George,  Regent Georg.


Von links:  Caroline von Braunschweig,  Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld,    

Prinz Eduard August Herzog von Kent und Strathearn,  Herzog von Clarence.

Adelheid von Sachsen-Meiningen.
Nachdem die mit Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld verheiratete präsumtive britische Thronfol-
gerin Prinzessin Charlotte Augusta im Jahre 1817 nach einer Totgeburt gestorben war, fehlte es dem herr-
schenden Königshaus an legitimen Nachkommen. Von den sieben überlebenden Söhnen Georg III. waren zu diesem Zeitpunkt nur der Prinzregent Georg sowie zwei seiner Brüder standesgemäß verheiratet. Die Ehen des Herzogs von York und des Herzogs von Cumberland waren bislang kinderlos geblieben und die des Prinzregenten mit Caroline von Braunschweig galt als derart zerrüttet, dass es wenig wahrscheinlich schien, dass aus dieser Verbindung noch weitere Kinder hervorgehen würden, da Caroline zudem bereits 50 Jahre alt war. Der Tod Charlotte Augustas war daher für die bislang unverheirateten Söhne Georg III. der Anstoß, unter den protestantischen Prinzessinnen Europas nach geeigneten Ehefrauen Aus-
schau zu halten. Der verwitwete Prinz Leopold machte 1814 seine Schwester Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die verwitwete Fürstin von Leiningen, mit Eduard August, Herzog von Kent und Strathearn, bekannt. Am 13. Juli 1818 verheiratete sich in einer Doppelhochzeit der Herzog von Kent mit der Fürstin von Leiningen und Herzog von Clarence mit Adelheid von Sachsen-Meiningen. Die Sicherung legitimer Nachfolger für das Haus Hannover war für den Herzog von Kent allerdings nicht der einzige Heiratsgrund. Hochverschul-
det und wegen seiner pedantischen und häufig auch sadistischen Amtsaus-
übung war er seit 1803 seiner militärischen Ämter enthoben. Mit der Heirat verband er auch die Hoffnung, dass seine Apanage deutlich erhöht werden würde.
Frühe Kindheit Alexandrina Victorias:
Romy Schneider als Königin Victoria im Film
Alexandrina Victoria wurde am 24. Mai 1819 im Ken-
sington Palace geboren und stand zu diesem Zeit-
punkt an fünfter Stelle in der britischen Thronfolge. Wenig sprach dafür, dass sie auf dem englischen Thron nachfolgen würde. Der vor ihr thronfolgebe-
rechtigte Herzog von Clarence hatte nicht weniger als zehn illegitime Kinder. Es schien daher sehr wahr-
scheinlich, dass aus den Ehen der älteren Brüder ihres Vaters noch Nachkommen hervorgehen würden. Am 24. Juni 1819 wurde Alexandrina Victoria im Kuppel-
saal des Kensington Palace getauft. Für diesen festlichen Anlass hatte man das königliche Taufbecken aus dem Tower gebracht.
Einer ihrer Taufpaten war kein Geringerer als Zar Alexander I. von Russland
Zuvor war es zu einem Eklat mit dem Prinzregenten Georg gekommen. Victorias Eltern hatten eine Reihe damals üb-
liche Namen in der königlichen Familie vorgeschlagen (u.a. Charlotte und Georgina). Georg lehnte diese ab und ließ nur zwei, eher ungewöhnliche, Namen zu. Die Taufpaten der Prinzessin wurden der Prinzregent Georg, der russische Zar Alexander I. (ihm zu Ehren erhielt sie ihren ersten Vornamen),


Und Königin Charlotte von Württemberg
Victorias Tante väterlicherseits Königin Charlotte Auguste von Württemberg und die Großmutter mütterlicherseits Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Die kleine Victoria wurde inner-
halb der Familie Drina gerufen, erst später wurde sie Victoria genannt, dem vermeintlich "englischeren" der beiden Vorna-
men.


  Im Kensington Palast   
Acht Monate nach der Geburt verstarb Prinzessin Victorias Vater, der Herzog von Kent. Die Herzogin von Kent musste angesichts des hohen Schuldenbergs das Erbe ihres verstorbenen Mannes ausschlagen. Bei der Familie ihres Man-
nes fand sie nur wenig Unterstützung. König Georg IV., der wenige Tage nach dem Tod des Bruders den englischen Thron bestiegen hatte, hatte der Ehe zwischen seinem Bruder mit der Fürstin von Leiningen skeptisch gegenüber gestanden. Er ignorierte seine Schwägerin und ihre Tochter und hätte es am liebsten gesehen, wenn die Herzogin mit ihrer Familie nach Deutschland zu-
rückgekehrt wäre. Auf Anraten und mit der finanziellen Unterstützung ihres Bruders Prinz Leopold blieb die Herzogin weiter im Kensington Palace wohnen. Die Herzogin von Kent geriet zunehmend unter den Einfluss von John Conroy, den der Herzog von Kent als Nachlassverwalter eingesetzt hatte.
Anmerkung wegen der Gerüchte um die Person John Conroys:
Die Rolle von John Conroys im Leben der späteren Königin Victoria und ihrer Mutter ist wiederholt Anlass zu Spekulationen gewesen. Dazu gehört das Ge-
rücht, dass die Herzogin und John Conroy eine Liebschaft miteinander ver-
band. Es gibt auch Spekulationen, dass John Conroy der Vater der Prinzessin gewesen sei und nicht der Herzog von Kent. Letzteres gilt als sehr unwahr-
scheinlich. Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde unmittelbar nach der Eheschließung schwanger, als John Conroy noch keine Rolle im Leben der Her-
zogin spielte.

Sir John Conroy

John Conroy setzte darauf, dass Prinzessin Victoria noch unmündig den Thron besteigen würde und die Herzogin von Kent als Regentin eingesetzt werden würde. Für John Conroy hätte dies bedeutet, über diese Regentin zu Einfluss und Macht zu gelangen. Um seinen Einfluss zu sichern, sorgte er dafür, dass die Herzogin und ihre Tochter weitgehend isoliert von den englischen Hofkreisen blieben. John Conroy gelang es beispielsweise der Herzogin von Kent einzureden, dass der Herzog von Cumberland - nach Victoria der nächste in der Thronfolge - nach dem Leben der Prinzessin trachte und daher ein abgeschottetes und isoliertes Leben notwendig sei. Victoria wuchs dadurch in einer Umgebung auf, in der sie nur wenige Kontakte zu anderen Personen hatte. Zu ihren wenigen Spielgefährtinnen zählte John Conroys Tochter Victoire und ihre Halbschwe-
ster Feodora. John Conroy hatte unter anderem auch das Gerücht gestreut, dass die Prinzessin geistig nicht stabil sei und so wenig in der Lage sei, ihre Regentschaft auszuüben, dass es notwendig sei, ihre Unmündigkeit zu ver-
längern.Diese in den Geschichtsbüchern gelegentlich als Kensington System bezeichnete Machtsicherung setzte sich auch nach dem Thronwechsel zu Wilhelm IV. fort, der anders als sein älterer Bruder seine Nichte und immer wahrscheinlichere Thronfolgerin Victoria gerne häufiger in seinen Hofkreisen gesehen hätte. So wurde es Victoria nicht einmal gestattet an den Krönungs-
feierlichkeiten ihres Onkels teilzunehmen.
Als zunehmend absehbar wurde, dass Prinzessin Victoria zum Zeitpunkt des Thronwechsels bereits volljährig sein würde, versuchte Conroy ihr 1835 die Unterschrift abzuringen, dass sie ihn nach dem Thronwechsel zu ihrem Pri-
vatsekretär ernennen würde. Die Rolle eines Privatsekretärs war die einfluss-
reichste, die ein Bürgerlicher oder kleiner Adeliger erreichen konnte. Gleich-
zeitig war sie wegen der Verwaltung der Finanzen der königlichen Hofhaltung mit sehr viel Einfluss verbunden. Prinzessin Victoria konnte sich trotz des enormen Drucks, den auch ihre Mutter ausübte, und einer soeben überstan-
denen schweren Erkrankung (vermutlich Typhus) dieser Beeinflussung ent-
ziehen. Es kam daraufhin zu einem vollständigen Bruch mit ihrer Mutter. Bis zum Zeitpunkt ihres Thronwechsels wechselte sie kaum noch ein Wort mit ihrer Mutter. Die Versuche, die Prinzessin zu manipulieren, führten auch am englischen Königshof zum Eklat. Während des Geburtstagsdinners anlässlich des 18. Geburtstags der Prinzessin - dem Tag, an dem sie volljährig wurde - erklärte König Wilhelm IV., dass er dankbar sei, dass er bis zu diesem Zeit-
punkt gelebt habe, da er auf diese Weise eine Regentschaft von dafür voll-
ständig ungeeigneten Personen verhindert habe.
Prinzessin Victoria an ihrem 18. Geburtstag.
  Thronbesteigung und erste  Regierungsjahre  
Victoria bestieg am 20.Juni 1837 im Alter von 18 Jahren, nach dem Tod ihres Onkels Wilhelm IV. (1765–1837) den Thron. Am 21.Juni erfolgte die Proklama-
tion im St. James’s Palace.
Victortia knieend in der Westminster Abbey.
Am 28.Juni 1838 fand in einer fünfstündigen Zeremonie die königliche Krönung in der Westminster Abbey statt.
Romy als Königin Victoria im Film.
Victoria zeigte sich in der folgenden Zeit bei zahl-
reichen feierlichen Anlässen, um sich dem Volk als neue Herrscherin zu präsentieren. Die junge Königin wurde, nach drei sehr unpopulären Vorgängern, in ihrem Reich mit Begeisterung aufgenommen. Ihre neue Unabhängigkeit nutzte sie, um sich von dem dominierenden Einfluss ihrer Mutter und vor allem John Conroys zu befreien. Ihrer Mutter wurde nur die Rolle im englischen Hofleben zugebilligt, die das Proto-
koll für sie vorsah, ihre Beziehung sollte sich erst nach Victorias Heirat wieder annähern. John Conroy erhielt keine Stelle am englischen Hof. Er blieb aber weiterhin Mitglied des Haushalts der Herzogin von Kent. Nach einer eiligen Renovierung zog die Königin, einen Monat nach der Thronübernahme, vom Kensington Pa-
lace um in den Buckingham Palace.
Nach einer eiligen Renovierung zog die Königin, einen Monat nach der Thronübernahme, vom Kensington Palast um in den Buckingham Palast.
Der Buckinghampalast heute.
Die echte Queen Victoria.
Sie war der erste englische Monarch, der dort offiziell residierte. Am 28.Juni 1838 fand in einer fünfstündi-
gen Zeremonie die königliche Krönung in der Westmin-
ster Abbey statt. Das Parlament bewilligte ihr 200. 000 Pfund für dieses Ereignis, das vierfache was man William IV. zugemessen hatte. Im Krönungs-Juni über-
schwemmten angeblich vierhunderttausend Besucher London. Zum ersten Mal nahmen auch die Mitglieder des Unterhauses an der Zeremonie Teil, was die zu -
nehmende Demokratisierung des Landes unterstrich.


Lord Melbourne
Das erste Regierungsjahr der jungen Königin verlief dank der Unterstützung von Premier-
minister Lord Melbourne erfolgreich. Lord Mel-
bourne wurde neben ihrem Onkel Leopold der zweite väterliche Freund und Lehrer in Victo-
rias Leben. Sie schenkte dem 58 Jahre alten Premierminister ihr volles Vertrauen. Er war in den ersten Jahren ihr Mentor, der sie in allen sowohl politischen, als auch privaten Dingen beriet, sogar was ihre äußerliche Erscheinung betraf und gab ihr damit Selbstvertrauen.

Diese Intimität wurde oft als Verliebtheit ge-
deutet. Victoria war sich darüber bewusst, dass sie viel zu lernen hatte, wenn sie als konstitutionelle Monarchin ohne schriftliche Verfassung, die theoretisch keine anderen Willen haben durfte als ihrer Minister, nicht nur die Galionsfigur des Staatsschiffes sein wollte. Nachdem die Whigs die Mehrheit im Unterhaus verloren hatten, stellte Lord Melbourne im Mai 1839 sein Amt als Premierminister zur Verfügung.

Da weder die Torys noch die Whigs über eine ausreichende Mehrheit im Par-
lament verfügten, hoffte Melbourne auf ein Scheitern der neuen Regierung und anschließende Neuwahlen, die die Whigs stärken sollten. Dies blieb der politisch ungeübten Königin verborgen, für sie war der Gedanke unerträglich, dass die Torys und damit Sir Robert Peel die Regierung übernehmen sollten. Sir Robert Peel, der zur Regierungsbildung bereit war, erwartete von der Königin, deren Hofstaat ausschließlich aus Whigs bestand, auch einige Damen aus den Tory-Kreisen als Hofdamen aufzunehmen. Er hielt diese personelle Anpassung an die künftigen Machtverhältnisse für unumgänglich. Victoria lehnte dies kategorisch ab, da sie die Wahl ihrer Hofdamen als ihre Privat-
sache ansah. Daraufhin gab Peel den Regierungsauftrag zurück und Lord Melbourne blieb weiter Premierminister. Die Königin feierte dies als politischen Sieg und war überzeugt ihre Würde verteidigt zu haben.
In dieser so genannten "Hofdamenaffäre" bewegte Victoria sich mit ihrer strikten Weigerung in einer verfassungsrechtlichen Grauzone. Die Hofdamen-
affäre und ihr unkluges Verhalten in der "Flora-Hastings-Affäre", in der eine ihrer an einem Lebertumor erkrankten Ehrendamen zu Unrecht einer unehe-
lichen Schwangerschaft verdächtigt wurde, kostete Victoria in der Öffent-
lichkeit Ansehen und Sympathien. Lord Melbourne hatte weder in der Hof-
damenaffäre (dabei war es seine Nachlässigkeit, dass ein so parteiischer Hof-
staat überhaupt entstehen konnte) noch im Flora-Hastings-Affäre so ent-
schieden reagiert, wie man es von ihm als Ratgeber und Vertrautem einer unerfahrenen Monarchin hätte erwarten dürfen. Victoria selbst beurteilte ihr Verhalten in ihrer ersten politischen Aktion 60 Jahre später mit dem Satz: "Es war ein Fehler". Die britische Öffentlichkeit forderte nun zunehmend, dass die britische Königin heiraten solle. Man erhoffte sich von einem Ehemann einen mäßigenden Einfluß auf die oft sehr emotional handelnde Königin. Außerdem war sie mit ihren jetzt einundzwanzig Jahren, nach den Maßstäben ihrer Zeit, auf dem Weg eine alte Jungfer zu werden.
Prinz Albert von Sachsen-Coburg un dGotha.
Victoria heiratete am 10. Februar 1840 ihren Cousin mütterlicherseits Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861), dem zweiten Sohn des Herzogs Ernst I. (Sachsen-Coburg und Gotha) (1784–1844) und Louise von Sachsen-Coburg-Altenburg (1800–1831). Albert und Vic-
toria waren, obwohl die Ehe von beider Onkel, König Leopold I. von Belgien, arrangiert war, schon vor der Ehe ineinander verliebt.

Kennengelernt hatte das Paar sich bereits 1836 bei einem Besuch Alberts in Großbritannien. Die damals 17jährige Victoria war, wie ihre Tage-
buchaufzeichnungen zeigen, "bezaubert", und zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie "die Aussicht großen Glücks". Am 10. Oktober 1839 kam es zu einem erneuten Besuch durch Albert und schon vier Tage später hielt Victoria um Alberts Hand an. Die anschließende Verlobungs-
zeit war durch einige Unstimmigkeiten getrübt. Die Öffentlichkeit war wenig begeistert von der Verbindung der englischen Königin mit einem unbedeu-
tenden deutschen Prinzen, einem weiteren glücklichen Coburger. Durch die fehlende Stimmenmehrheit Lord Melbournes im Parlament konnte Victoria nicht durchsetzen, dass Albert zum Prinzgemahl (engl. Prince Consort) er-
nannt wurde. So blieb Albert mit der Hochzeit zunächst ein einfacher Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha und wurde erst 1857 zum Prinzgemahl erho
ben. Auch wurde Alberts Apanage auf vergleichsweise niedrige 30 000 Pfund im Jahr festgelegt (vergl. Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld erhielt 23 Jahre zuvor, nach seiner Vermählung mit der britischen Thronfolgerin Prin-
zessin Charlotte, 50 000 Pfund im Jahr).

Victoria heiratet Albert von Sachsen-Coburg und Gotha
Victorias und Alberts beinahe einundzwanzigjährige Verbindung gilt als das berühmteste geschichtliche Beispiel ehrlicher Liebe und aufrichtigen Glücks. Im Privatleben war Albert der starke Führer und vor allem in seinen späteren Lebensjahren wurde ihm (etwas übertrieben) nachgesagt zugleich König und Premierminister gewesen zu sein. In jedem Fall stand Victoria während ihrer Ehe in allen Entscheidungen, auch politisch, stark unter dem Einfluss ihres Prinzgemahls Albert. Queen Victoria selbst drückte es in einem Brief vom 9.Juni 1858 an ihre älteste Tochter so aus:

"Ich kann nie glauben oder zugeben, dass irgendein anderer Mensch vom Schicksal so gesegnet worden ist wie ich, mit einem solchen Mann, einem solch vollkommenen Mann. Papa war für mich alles, ist es auch heute noch. (…) Er war für mich alles, mein Vater, mein Beschützer, mein Führer, mein Ratgeber in allen Dingen, ich möchte fast sagen, er war mir Mutter und Mann zugleich. (…) Ich bin wie gelähmt wenn er nicht bei mir ist."
Der gestürzte französische König Louis Philippe de Bourbon
1848: Nachdem die ersten Regierungsjahre Vic-
torias ohne größere politische Unruhen verlaufen waren, sollte das europäische Revolutionsjahr 1848 auch an England nicht spurlos vorüberge-
hen. Obwohl Premierminister John Russell ihr davon abriet, gewährte Victoria dem gestürzten König Ludwig Philipp von Frankreich, mit dem sie entfernt verwandt war, Asyl und brachte ihn in Claremont unter. In Großbritannien selbst war eine Finanzkrise ausgebrochen: Spekulanten hat-
ten riesige Verluste durch inflationäre Eisenbahn-
aktien verursacht, der Weizen war auf einen Tiefpreis gesunken. Die herrschende Arbeits-
losigkeit und Armut gab den Chartisten, eine Reformbewegung die sich Anfang des 19.Jahr-
hunderts gebildet hatte, neuen Auftrieb. Nach-
dem eine Massenversammlung für den 10. April in London angekündigt worden war, wurde die königliche Familie vorsorglich nach Osborne gebracht, Victoria hatte kurz zuvor ihr sechstes Kind geboren. Die Demonstration verlief wider erwarten gewaltfrei und unspektakulär. Nur zwanzigtausend Demonstranten versammelten sich auf dem Kennington Common und der Anführer Feargus O’Connor überbrachte eine Petition, die ein liberalisiertes Bürgerrecht ver-
langte und von mehr als einer Million Menschen unterschrieben worden war. Victoria empfand, obwohl die Revolution in Großbritannien vergleichsweise glimpflich abgelaufen war, zum ersten Mal Angst um ihre Existenz und sah die Chartisten im Unrecht:

"Ich bin der Meinung, dass Revolution immer schlecht für ein Land und die Ursache unsäglichen Elends für das Volk sind. Der Gehorsam gegen die Geset-
ze und gegenüber dem Herrscher ist Gehorsam gegenüber einer höheren Macht".

Anmerkung MGB: Dieser Meinung sind auch der ehemalige Bundeskanzler Schröder, Franz-Walter Steinmeier, Franz Müntefering und auch die jetzige Bundeskanzlerin Merkel. Das Volk hat die Schnautze zu halten.

Als Albert 1861 nur 42-jährig an Typhus oder einem Krebsleiden starb, be -
gann für Victoria eine fast unablässige Trauerzeit, und sie trug bis an ihr Le-
bensende nur noch Witwentracht, als Ausdruck ihrer tiefen Trauer und Wert-
schätzung für ihren früh verstorbenen Ehemann. Die Trauer der Königin nahm, auch für die damalige Zeit, sonderbare Formen an: Alberts Schlafzimmer in Windsor blieb unverändert, seine Betttücher und Handtücher wurden regel-
mäßig gewechselt, jeden Abend wurde warmes Wasser in sein Zimmer ge -
stellt. Für den frühen Tod ihres Mannes machte sie ihren ältesten Sohn Bertie verantwortlich, der in Cambridge in die sogenannte Nellie-Clifden-Affäre ver-
wickelt worden war. Dies hatte Albert dazu veranlasst in bereits krankem Zustand zu ihm zu reisen, um sich mit seinem Sohn auszusprechen. Victoria zog sich zunächst völlig aus der Öffentlichkeit zurück und begab sich in die Einsamkeit von Schloss Balmoral, das Albert einst eigens für die junge Familie erworben und neu entworfen hatte.
Victoria zog sich zunächst völlig aus der Öffentlichkeit zurück und begab sich in die Einsamkeit von Schloss Balmoral...
...das Albert einst eigens für die junge Familie erworben und neu entworfen hatte.
Sie war für weit über ein Jahr völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden, ihre Rückkehr nach London musste von den Regierungsmitgliedern regelrecht er-
bettelt werden. Wann immer sie in den folgenden Jahrzehnten ihren Willen politisch gegen den jeweiligen Premierminister durchsetzten wollte, drohte sie unverblümt mit ihrer Abdankung, nicht ohne den Hinweis, dass ihr dies leicht-
falle, weil diese Krone eine "Dornenkrone" für sie sei. So setzte sie sich fast immer durch. Der entscheidende Auslöser für Victorias Rückkehr ins öffent-
liche Leben war, ihre 1876 von Premierminister Disraelis Kabinett beschlos-
sene Ernennung zur Kaiserin von Indien.
Queen Victoria wird Kaiserin von Indien
Disraeli hatte diesen Titel ersonnen, nicht weil er ein Royalist gewesen wäre, sondern um die Königin zu einem Symbol des Empires zu machen. In den vier Jahrzehnten ihrer Witwenschaft konnte sie politisch damit stets einen emo-
tionalen Vorteil verbuchen und wurde für viele Engländer zu einer etwas wunderlichen Einsiedlerin im Witwenkleid; eine entrückte Gestalt, ehrfurchtge-
bietend und fast unwirklich über ein Imperium von weltumspannenden Dimen-
sionen scheinbar gebietend.
  Diamantenes Thronjubiläum  
Im Jahr 1897 feierte Königin Victoria ihr diamantenes Thronjubiläum. Zu diesem Zeitpunkt gab es im gesamten Empire keinen Menschen, der es mit ihrer Beliebtheit hätte aufnehmen können. Sie befand sich am Höhepunkt ihrer Popularität. Auf der ganzen Welt fanden Feiern zu ihrem sechzigsten Thronjubiläum statt. Wochenlang wurden zahllose Feuerwerke, Festveran-
staltungen, Paraden und Gottesdienste abgehalten. Sie galt als Mutter des Königreiches, einer Überfigur, der das gesamte Empire huldigte. Am 22. Juni fuhr sie, bejubelt von ihren Untertanen in der Kutsche durch London. Der Weg führte von Westminster zur Saint Paul's Cathedral und von dort zu den ärmeren Bezirken südlich der Themse. Zu diesem Zeitpunkt war das britische Empire das größte Reich, das es in der Welt jemals gegeben hatte, das noch immer expandierte und das als unangreifbar galt. Über was die Feierlichkeiten nicht hinwegtäuschen konnten waren die sozialen Probleme: allein in London lebten zwei Millionen Menschen in bitterster Armut.

Genau wie seit 2004 in Deutschland, nur dass die Zahl der in Armut leben-
den Personen das Dreifache angenommen hat und das im 21. Jahrhundert. Und Frau Merkel lässt sich feiern, genau wie die Queen zu ihrer Zeit.

Trauerzug durch London.
Victoria starb in den Armen ihres Enkels Wilhelm II., des deutschen Kai-
sers, am 22. Januar 1901 in Osborne House, auf der Isle of Wight, das ihr Mann Jahrzehnte vorher als Familien-Sommersitz erbauen ließ. Alle ihre noch lebenden Kinder waren anwesend, außer Tochter Viktoria, die selber im Sterben lag. Mit Victoria endete die Herrschaft des Hauses Hannover auf dem britischen Thron, mit ihrem Sohn König Edward VII. begann die Herrschaft des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha. Die Beerdigung zwei Wo -
chen später wurde, wie Victoria es verfügt hatte, ganz in weiß gehalten. Sie wurde nicht wie andere englische Monarchen in der Sankt-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor, sondern im Mausoleum von Frogmore bei Windsor beigesetzt, das sie für sich und ihren 1861 verstorbenen Gatten im Stil der italienischen Romanik hatte errichten lassen.