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Im Jahre 525 v. Chr. drang das persische Heer unter Führung des Königs Kambyses in Ägypten ein und besiegte bei Pelusium Pharao Psammetichos III., den Sohn Amosis II. (Amasis). So wurde das Land am Nil eine Satrapie des "Königs der Könige", Teil eines mittlerweile riesigen Reiches. Die persische Herrschaft dauerte über hundert Jahre. Im Anschluß an einen Aufstand bestieg im Jahre 404 v. Chr. noch einmal ein Fürst aus Sais, Amyrtaios, den ägyptischen Thron. Doch die Unabhängigkeit sollte nicht lange dauern. Im Jahre 342 v. Chr. eroberten die Perser erneut das Land und besiegten den letzten einheimischen Herrscher Ägyptens, Nektanebös (360-342 v. Chr.). Dieses Mal jedoch regierten sie nur elf Jahre.
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Im Jahre 332 v. Chr. schlug Alexander der Große von Makedonien bei Issos Dareios (Darius) III. und drang seinerseits in das Niltal ein. Mit seiner Ankunft ging die pharaonische Periode in der ägyptischen Geschichte zu Ende, und es begann die hellenistische Ära. Nach Alexanders Tod wurde Ägypten ein unabhängiges Reich unter der makedonischen Dynastie der Lagiden; diese Herrscher sind besser bekannt unter dem Namen Ptolemäer, ein Begriff, der sich vom ersten Herrscher Ptolemaios I. Soter ableitet und in der Folgezeit von allen seinen Nachfolgern angenommen wurde. Die zahlreichen griechischen Kolonisten, die während der Ptolemäer-Herrschaft nach Ägypten strömten, waren im allgemeinen viel zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, als daß sie sich gründlicher für ihr Gastland hätten interessieren können. In der Tat fanden Archäo- logen bei Ausgrabungen zahlreiche Papyri in Griechisch oder Demotisch. Zwar lieferten diese Dokumente reichlich Daten über administrative, ökonomische oder soziale Fragen, doch die Informationen über die Geschichte und die Gebräuche der Epochen waren äußerst spärlich.
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Die Herrscher umgaben sich mit Gelehrten, Dichtern ,und Wissenschaftlern der grie- chischen Welt, während das Volk selbst voll Stolz die antike Kultur und die ägypti- schen Traditionen bewahrte. Die Ptolemäer beseitigten in Karnak und Luxor die Hei- ligtümer der 18. Dynastie, die die ägyptischen Pharaonen über tausend Jahre in Ehren gehalten hatten, und als in Theben eine Revolte ausbrach, ließen sie es zu, daß zahl- reiche Tempel zerstört wurden.
Auf jede erdenkliche Weise versuchten sie, den Ein- fluß der Amun-Priester zu schwächen, wohl wissend, daß die Priesterschaft als Träger der altägyptischen Traditionen fähig gewesen wäre, eine Renaissance der überlieferten Kultur durchzusetzen - und damit eine Reaktion auf die Fremdherrschaft.
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Um 59 v. Chr. begab sich der griechische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus zu einem kurzen Aufenthalt nach Ägypten. Im Vorwort seines Werkes, der Universalgeschichte, die dreißig Jahre später in vierzig Bänden veröffentlicht wurde, beschreibt er seine Forschungsergebnisse als die Frucht mühevoller und gefährlicher Reisen und ausgedehnter Studien in den Bibliotheken und Archiven. In Wahrheit gilt Diodorus Siculus bei modernen Gelehrten als einer der größten Plagiatoren aller Zeiten, da er sich in der Regel darauf beschränkte, die Schriften jener Autoren zusammenzufassen, wenn er sie gleich buchstabengetreu kopierte. Allerdings macht der Verlust der Werke, aus denen er zitiert, seine Universalgeschichte doch zu einer wertvollen Fundgrube. Das gilt auch für Ägypten, das Diodorus in seinem ersten Band behandelt. Bei der Abfassung dieses Bandes bediente sich der Autor vor allem der Werke des Hekataios Abdera, der am Hofe von Ptolemaios I. Soter gelebt hat; er war der Verfasser einer Geschichte Ägyptens mit der er beweisen wollte, daß die Ursprünge griechischen Kultur in Ägypten zu suchen seien. Weitere Anleihen machte Diodorus bei Agatharchides aus Knidos, einem Geographen und Historiker des 2. Jahr- hunderts v. Chr. In seinem Ägypten-Werk erzählt Diodorus Siculus von allen Dingen etwas. Dabei bringt er manches durcheinander: historische Einzelheiten über die ersten Herrscher, die Arbeitsweise der Provinzverwaltungen, die Funktion des Kastenwesens, den Tierkult, medizinische Praktiken sowie Aspekte Religion und die Begräbniskulte. Doch be - schreibt er auch die Baudenkmäler und die Städte.
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Mit der Ankunft der Griechen sind fremde Kulte in Ägypten eingeführt worden, doch nicht immer wurden neue Tempel erbaut, um sie zu praktizieren gelegentlich begnügte man sich damit, die neuen Götter mit den alten zu identifizieren. In der Nähe eines der großartigsten ägyptischen Heiligtümer des Neuen Reiches, dem Begräbnistempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahri, etablierte sich eine Gemeinde Imhoteps, des berühmten Architekten Pharao Djoser, der mit Asklepios identifiziert wurde, dem griechischen Gott der Medizin.
Allerdings gab es auch Bauwerke, denen schlimmeres Los beschieden war, beispielsweise den Tempel von Ramses III. in Medinet Habu und sogar das Ramesseum, das in eine Art Zitadelle umgewandelt wurde, wohin die Bevölkerung im Fall einer Gefahr fliehen konnte. Doch unter allen Begebenheiten, bei denen ägyptische Bauwerke in der Ptolemäerzeit eine wichtige Rolle spielten, gehört wohl die Mumien - Mani zu den interessantesten. Diese Sucht befiel vor allem die Nekropole von West-Theben, die heilige Totenstadt also, die durch den Amun-Kult zu einem bedeutendsten religiösen Zentren Ägyptens geworden war.
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Viele neue Tempel entstanden in dieser Zeit, ausgestattet mit zahlreichen Privilegien. Wichtigste dieser Vorrechte war, daß alle Bewohner des Tempelgebietes Steuerfreiheit genossen. Dies vor allem mag den großen Zustrom von Menschen in diese Zone erklären. Die griechische Tradition sah in diesem Phänomen zu Unrecht lediglich eine Folge ägyptischer Einbalsamierungsbräuche; doch ist die Behauptung wohl unbegründet, die Ptolemäer hätten eine Ausweitung der Aktivitäten in der Nekropole zu begünstigen beabsichtigt, um damit die thebanische Bevölkerung rund um die Uhr beschäftigt zu wissen. Immerhin wollten zahlreiche Menschen gerade an diesem heiligen Ort bestattet werden. So kam es, daß sich ganze Bevölkerungsschichten bildeten, die ausschließlich vom Begräbnis- wesen lebten, wie etwa Priester, Einbalsamierer und die Schiffer, die die Mumien über den Nil setzten. Der Mumien-Boom entfaltete sich derrt, daß die Nachfrage bald das Angebot übertraf und die Nekropole bis auf den letzten Platz belegt war. Man hätte nun neue Gräber am Rande der Wüste ausheben müssen; das aber war eine kostspielige und schwierige Arbeit, so daß kaum jemand dazu bereit war. Die Lösung, die man fand, war viel einfacher. In der Totenstadt gab es doch zahlreiche antike Grabstätten, die nun schon seit Jahrhunderten aufgebrochen oder von den Nachkommen des Verstorbenen völlig vergessen waren. Man brauchte sie nur zu finden, die Überreste des früheren Inhabers in einem Winkel aufzuschichten und sie ein wenig in Ordnung zu bringen - und schon konnten sie neue Bewohner aufnehmen. Und genau das geschah.
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Im Jahre 30 v. Chr. wurde Ägypten nach der Eroberung durch Octavian, den späteren Kaiser Augustus, römische Provinz. Fünf Jahre später begleitete der griechische Schriftsteller Strabo (um 63 v. Chr. bis um 28 n. Chr.) seinen Freund Aelius Gallus, den Präfekten von Ägypten, auf einer Reise bis zum Ersten Nilkatarakt. Strabo stammte aus Amaseia unweit des Schwarzen Meeres, lebte aber schon seit Jahren in Alexandria, der Stadt, die Alexander der Große in Ägypten gegründet hatte. So konnte er im 17. und letzten Buch seiner Geographika, einem umfangreichen Werk über die Geographie der Alten Welt, einen Bericht über Ägypten verfassen, der sich von allen vorhergegangenen durch weitgehende Glaubwürdigkeit unterscheidet. In seiner relativ knappen Publikation beschreibt Strabo außer zahlreichen interessanten Einzelheiten - wie dem Nilometer von Elephantine nahe Assuan, eine Art Skala, auf der jedes Jahr der höchste Nilwasserstand markiert wurde - die berühmten Kolosse des Memnon, zwei riesige Statuen, die sich noch heute in der Ebene östlich von Luxor erheben und den thronenden Amenophis III. (1403-1365 v. Chr.) darstellen. Als die Griechen die Statuen zum erstenmal sahen, glaubten sie - vielleicht wegen des Gleichklangs der Namen -, in einer der bei den Figuren den äthiopischen Helden Memnon zu sehen, den Sohn von Aurora, der während des Trojanischen Krieges von Achilles im Kampf getötet worden ist. Die Statue zeichnete sich nach dem Einsturz des oberen Teils durch ein äußerst merkwürdiges Phänomen aus. In den frühen Morgenstunden, kurz nach Sonnenaufgang, gab sie seltsame, wohlklingende Laute von sich, wahrscheinlich als Folge der Feuchtigkeit, mit der sich der Stein nachts vollsog und die nun mit der Wärme der ersten Sonnenstrahlen verdampfte und gewisse Vibrationen erzeugte. Die Römer dagegen sahen in der Statue Memnon, der seine Mutter bei Sonnenaufgang begrüßt, und wallfahrteten zu Tausenden nach Luxor, um die singende Statue zu bewundern; und natürlich hinterließen sie zahlreiche Inschriften auf der Basis des Monuments. Im Jahre 130 n. Chr. kam sogar Kaiser Hadrian nach Luxor und ließ das Ereignis durch die Dichterin Balbilla in Verse gießen. Auch der Kaiser Septimius Severus (193-211 n. Chr.) wollte den Gesang des Memnon hören und sich dadurch erkenntlich zeigen, daß er die Restaurierung der oberen Teile des Denkmals befahl; leider bereitete er damit der romantischen Erscheinung ein Ende: fortan sang die Statue nicht mehr.



Doch die Memnonkolosse waren nicht die einzige Touristenattraktion während der römischen Herrschaft. Ein anderes bedeutendes Zentrum war das Tal der Könige, dessen Gräber Griechen und Römer gruppenweise besuchten, genau so, wie es auch heute noch geschieht. Dabei hinterließen sie oft Inschriften auf den Reliefs und Gemälden. Nicht alle Monumente jedoch haben die Römer erhal- ten; viele wurden zweckentfremdet, wie es auch schon früher geschehen war. So errichteten sie beispielsweise in Luxor ein Militärlager, dessen Reste noch sichtbar sind. Für diesen Bau wur- den Bestandteile altägyptischer Tempel wiederverwendet. Selbst der heutige Name von Luxor leitet sich von diesem Lager ab. Die arabische Bezeichnung el-Uqsor ist nichts anderes als der Plural von qasr (Festung), das seinerseits vom lateinischen castrum (militärisches Lager) abgeleitet wurde. Von allen Bauwerken erregten die Obelisken die Phantasie der Römer am meisten. Für die Ägypter war der Obelisk ein Sonnensymbol. Die meisten wurden während des Neuen Reiches errichtet, immer paarweise vor den Eingangspylonen der Tempel. Oft handelte es sich um gewaltige Monolithen aus Granit, die durchweg aus dem Stein- bruch von Assuan stammten. Noch heute liegt dort ein Obelisk von 38,78 Meter Länge, der während der Herstellungsarbeiten zerbrochen ist. Auf den Seitenflächen der Obelisken wurden gewöhnlich lange Hieroglypheninschriften zu Ehren des Pharao eingemeißelt.
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Diese enormen Steinblöcke, die ein Gewicht von drei- oder viertausend Tonnen erreichten, faszi- nierten die Römer so sehr, daß sie in Ägypten nur fünf davon zurückließen, die man heute noch vorfindet. Die übrigen transportierten sie auf eigens dafür konstruierten Spezialschiffen nach Rom, um Gräber, Plätze und Rennbahnen der Stadt damit zu schmücken. Zwei standen im Zirkus Maximus, zwei weitere zierten das Mausoleum des Augustus, einer die Horti Sallustiani und viele andere den Isis - Tempel auf dem Marsfeld, um nur einige Beispiele zu nennen. Einige Obelisken wurden erst Jahrhunderte später unter den Ruinen des alten Rom wieder gefunden und in anderen Stadtbezirken von neuem aufgestellt.
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Einer der berühmtesten Obelisken ist jener, den Caligula im Jahr 37 n. Chr. aus Heliopolis nach Rom bringen ließ. Er wurde im sogenannten Nero-Zirkus aufgestellt, neben dem in der Folgezeit die erste Peterskirche entstand. Im Jahre 1586 wurde der Obelisk von Papst Sixtus V. in der Nähe des Petersplatzes erneut aufgerichtet. Um diese Arbeit durch zuführen, benötigte man 44 Fach- leute, 140 Pferde und 900 Arbeiter. Die Römer empfanden gegenüber dem kulturellen Reichtum Ägyptens ein lebhaftes Gefühl der Bewunderung. Sie fühlten sich von den Hieroglyphen angezogen, deren Bedeutung sie zwar nicht verstanden, die sie aber für Symbole tiefer mystischer Lehren hielten. Außerdem waren viele Römer, wie vor ihnen die Griechen, der Meinung, die alten Ägypter hätten ihnen selbst nicht zugängliche Kenntnisse besessen. Im gesamten Imperium wurden Kulte ägyptischer Gottheiten eingeführt, deren wichtigster der Isis - Kult war. Isis war die Gemahlin des Osiris und die Mutter von Horns. Der Isis - Kult, über den Plutard in seinem Buch De Iside et Osiride berichtet hat, verbreitete sich rasch in der römischen Welt, die nach dem Verlust des Glaubens an die eigenen Götter ihre Tore den orientalischen Religionen öffnete Erst mit der Verbreitung des Christentums verschwanden diese "heidnischen" Lehren wieder nachdem sie sich größter Beliebtheit erfreut hatten. Der Isis - Kult wurde zuletzt auf der Insel Phila praktiziert (nördlich des Ersten Nilkatarakts) und verschwand erst im 5. nach- christlichen Jahrhundert.
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