Wer war Richard Löwenherz? Schon seit über 800 Jahren ist er tot und er hat in seinem Leben nichts vollbracht, was wirklich "epochenmachend" gewesen sein könnte. Trotzdem, jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Geschichte beschäftigt hat, kennt seinen Namen, den edlen Ritter, den guten König und den mutigen Helden, der auf den Kreuzzügen so tapfer gekämpft hat. Er war jedoch ein schlechter Sohn, ein schlechter Gatte und ein schlechter König gewesen, aber ein kühner und großartiger Krieger.

König Richard Löwenherz Sein Name war verbunden mit Robin Hood Auch Sultan Saladin spielte eine grosse Rolle in seinem Leben Sein Name war verbunden mit Robin Hood König Richard Löwenherz

Richard I. (genannt Löwenherz, englisch Richard I the Lionheart), eigentlich Richard Plantagenêt; * 8. September 1157 in Oxford; † 6. April 1199 in Chinon, Frankreich) aus dem Haus Plantagenet war von 1189–1199 König von England. Der dritte Sohn König Heinrichs II. und Eleonores von Aquitanien war bereits 1172 in Poitiers zum Herzog von Aquitanien ernannt worden. Über die ersten Lebensjahre Richards ist relativ wenig bekannt. Erstmals trat er in Verbindung mit seiner geplanten Verlobung mit einer Tochter des Grafen von Barcelona Raimund Berengar IV. Anfang 1159 in Erscheinung. Da dieses Bündnis infolge des frühen Todes des Grafen Raimund nicht zu Stande kam, verliert sich die Spur Richards in den Chroniken bis ca. 1170. Man kann nur vermuten, dass er in der Umgebung seiner Mutter aufwuchs und eine standesgemäße Erziehung bekam. Eleonore selbst befand sich seit Anfang des Jahres 1168 ständig in ihrem Stammland Aquitanien, wo sie seit diesem Zeitpunkt eine direkte Herrschaft ausübte. Am 6. Januar 1169 leistete Richard in Montmirail während eines Treffens seines Vaters Heinrich II. mit dem französischen König Ludwig VII. diesem einen Lehenseid für Aquitanien, das er aus dem Besitz seiner Mutter im Falle des Todes seines Vaters als Herrschaftsgebiet zugewiesen bekam.

Richard lebte weiterhin am Hofe Eleonores in Aquitanien, wo er in einer gewis-
sen Weise von den Troubadouren und ihrer Dichtung beeinflusst wurde, der jedoch nicht die Schlüsselrolle in seiner Bildung zukam, wie sie von der älteren Forschung vermutet wurde. Eine gewichtigere Rolle in der kulturellen und politischen Prägung Richards spielten die Beziehungen des Hofes von Eleonore zu den iberischen Königreichen und ihrer Reconquista. Als wahrscheinlich gilt, dass Richard von seiner Mutter an Ostern 1170 auf einer Versammlung in Niort den Vasallen als künftiger Herzog von Aquitanien und Graf von Poitou vorgestellt wurde.


  Der Aufstand gegen den Vater     
Als ältester Sohn des Herrscherpaares war Heinrich der Jüngere als Erbe für den englischen Thron und Nachfolger seines Vaters als Herzog der Norandie vorge-
sehen. Sein jüngerer Bruder Richard sollte mit dem Herzogtum Aquitanien das Erbe seiner Mutter erhalten. Gottfried sollte die Bretagne bekommen und der jüngste Bruder, Johann Ohneland, lediglich Randgebiete des Angevinischen Reiches.

Bei einer Versammlung in Limoges erhob sich Heinrich der Jüngere gegen sei-
nen Vater, indem er verlangte, dass ihm vorzeitig sein Erbe, nämlich die tat-
sächliche Herrschaft im Herzogtum übergeben werde. Er flüchtete nach einer Niederlage in die Obhut Ludwigs VII., des Königs von Frankreich, nach Paris, wohin auch seine beiden Brüder Richard und Gottfried unterwegs waren. Seine Mutter, Königin Eleonore, hatte die mächtigen Adeligen Englands und Frankreichs auf die Seite Richards gebracht, und es kam zum Aufstand. Heinrich II. gelang es jedoch, mit einem Söldnerheer von 20.000 Mann die Rebellion seiner Söhne zu beenden und seine Gemahlin gefangenzunehmen. Seine Kinder nahm er nach deren Gnadengesuch bald wieder in seine Gunst auf, die Königin jedoch blieb in Haft.

Nachdem zwei der Brüder, Heinrich der Jüngere 1183 und Gottfried, Herzog der Bretagne, 1186, gestorben waren, wurde Richard Löwenherz der Anführer der Verschwörung. Mit Hilfe seines letzten Bruders Johann Ohneland und des fran-
zösischen Königs Philipp II. August gelang es Richard schließlich 1189, seinen Vater endgültig zu schlagen. Heinrich musste Richard im Abkommen von Azay-le-Rideau als alleinigen Erben anerkennen. Der alte König starb zwei Tage später, am 7. Juli 1189, bei Château Chinon im Alter von 56 Jahren.

Eleanor_von_Aqutainien_und_Heinrich_II.
Heinrich II. Plantagenet (* 5. März 1133 in Le Mans; † 6. Juli 1189 in Chinon) war Herzog von Normandie und von Aquitanien, Graf von Anjou sowie König von England (1154 – 1189) und beherrschte zeitweise Wales, Schottland, das östliche Irland und das westliche Frankreich. Seine Beinamen waren "Kurzmantel"
(wegen der praktischen, knapp geschnittenen Umhänge, die er trug), "Fitz Em-
press" (Sohn der Kaiserin) und "Löwe der Gerechtigkeit", der auch von seinem Großvater Heinrich I. getragen wurde. Er war der erste der angevinischen Kö -
nige, die auch als das Haus Plantagenet bezeichnet wurden.

Heinrichs dritter Sohn, Richard Löwenherz, griff schließlich mit der Hilfe von Philipp II. von Frankreich und in Absprache mit seinem Bruder Johann Ohneland den Vater am 1189 an und besiegte ihn. Heinrich II. musste , wie oben erwähnt, Richard am 5. Juli 1189 im Abkommen von Azay-le-Rideau als alleinigen Erben anerkennen. Zwei Tage später starb er bei Chateau Chinon und wurde später im Kloster Fonterault, in der Nähe von Chinon und Saumur in der Region Anjou, beigesetzt.


      Richards Krönung     
Am 3. September 1189 wurde Richard Löwenherz in Westminster als Richard I. zum König von England gekrönt und war damit durch seine französischen und englischen Besitzungen der mächtigste Herrscher Europas nach Kaiser Friedrich Barbarossa. Im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger handelte es sich dabei um eine Zeremonie von großem Pomp in Anwesenheit zahlreicher Lehns-
träger aus dem gesamten Reich, eine Glanzstunde der in voller Blüte stehenden höfischen Kultur des Mittelalters.

  Richards Teilnahme am Dritten Kreuzzug  
              Der Name Löwenherz
Richard ging jedoch zunächst nicht an die Festigung seiner Herrschaft, sondern bereitete die Erfüllung des Kreuzzugsgelübdes vor, das er gemeinsam mit Philipp II. August abgelegt hatte. Kurz darauf führte er den in wichtigen Bereichen erfolglos bleibenden Dritten Kreuzzug (1189–1192) zur Befreiung Jerusalems von den Truppen des Sultans Saladin an. Richard und Philip stachen gemeinsam von Marseille aus in See, die Flotte erreichte am 16. September 1190 Messina auf Sizilien. Richards Schwester Johanna wurde in der Stadt gefangengehalten, nach-
dem ihr Mann König Wilhelm II. am 17. November gestorben war.
Richard und Philip stachen gemeinsam von Marseille aus in See, die Flotte erreichte am 16. September 1190 Messina auf Sizilien.
Natürlich forderte Richard nach seiner Ankunft, dass seine Schwester unver-
züglich freizulassen sei, was er in wenigen Tagen auch erreichte. Jedoch gab es in der Folge ständig Scharmützel und Sticheleien, denn Richard trat auf wie ein Eroberer. Nachdem die Stadtbewohner einige Ausfälle aus der Stadt wagten, wurden die Kreuzfahrer schließlich auch von der Kampflust ergriffen. Richard stellte sich nun an die Spitze seiner Truppe und erstürmte die Stadt, woraufhin stundenlang Raub, Mord und Plünderung in Messina wüteten, bis der König seinem Heer Schonung gebot. Ab diesem Zeitpunkt wagten es die Sizilianer und mit ihnen ihr König, Tankred von Sizilien, nicht mehr, dem Kreuzfahrerheer zu trotzen, und wurden umgänglicher.

Der Respekt vor dem König ging sogar soweit, dass man ihm dem Beinamen
"der Löwe" oder "Löwenherz" gab. Richard konnte auch der Königswitwe und Schwester anschliessend ihre Rechte sichern. Weiter auf dem Weg in das Heilige Land eroberte Richard I. noch Zypern und nahm dessen ersten und einzigen Kaiser Isaak Komnenos gefangen. Zypern verkaufte er an Guido von Lusignan, den vor Saladin auf der Flucht befindlichen König von Jerusalem. Am 12. Mai 1191 heiratete Richard in Limassol Berengaria von Navarra. Mit dieser Verbindung sollte unter anderem der französische Reichsteil abgesichert werden, dessen Regentschaft Richard für die Dauer des Kreuzzuges seinem Schwiegervater Sancho VI. von Navarra und seiner Mutter Eleonore von Aquitanien anvertraut hatte.

Richard erobert Cypern
Offensichtlich zeigte Richard bisweilen sehr wenig diplomatisches Geschick, so brüskierte er Leopold V. von Österreich bei der Belagerung von Akkon (dessen Standarte wurde durch einen seiner Knappen in den Burggraben geworfen, weil Leopold sich bereits vorher in dem dann von Richard beanspruchten Palast eingerichtet hatte) und desavouierte Philipp II. von Frankreich, was ihn in der Folge teuer zu stehen kommen sollte.

  Herrschaft in Bedrängnis   
England wurde während des Kreuzzuges von seinem Bruder Johann Ohneland verwaltet. Philipp II., mit dem sich Richard I. in Sizilien zerstritten hatte, kehrte früher nach Frankreich zurück und schloss einen Vertrag mit Johann: Philipp erhielt einen Teil der englischen Besitzungen in Frankreich, Johann wurde im Gegenzug die Verwaltungshoheit über die restlichen Gebiete zugesichert. Begünstigt wurde dieser Pakt durch Intrigen im englischen Adel, die Richards Justiziar Wilhelm von Longchamp am effektiven Eingreifen zugunsten des Kö-
nigs hinderten und ihn schließlich zur Aufgabe seines Amts zwangen. Darauf brach Richard 1192 den Kreuzzug ab und machte sich auf den Rückweg nach England.
Am 2. September 1192 kam es schließlich zu einem diplomatischen Abkommen zwischen Richard und Saladin. Die Eroberungen Richards an der Küste Palästinas wurden bestätigt - mit Ausnahme der Stadt Askalon deren Befestigungsanlagen wieder geschleift und die Saladin übergeben wurde. Christlichen Pilgern wurde der freie Zugang nach Jerusalem ermöglicht. Außerdem einigten sich die beiden Herrscher auf einen dreijährigen Waffenstillstand. Richard verließ am 9. Oktober 1192 Palästina, womit der Dritte Kreuzzug beendet war.

Gefangenschaft - Gefangennahme in Österreich   
Am 30. Oktober 1192 brach Richard Löwenherz vom Heiligen Land auf.
Für die Fahrt über das Mittelmeer galt dies als extrem spät, ehe die Winterstür-
me anfingen. Auf der Fahrt südlich von Sizilien erfuhr er, dass Philipp II. die französischen Häfen hatte sperren lassen, und so fuhr Richard Löwenherz die Adria "hinauf". Der Legende nach griffen Piraten das Schiff an; jedoch kannten sich der Schiffskoch und der Piratenkapitän, wodurch der Angriff zu einer Verbrüderung geworden sei. Richard stieg auf das Piratenschiff um und nahm angeblich nur einen Vertrauten mit. Das Piratenschiff setzte die beiden Reisenden auf der Halbinsel Istrien bei Aquileia als Kaufleute verkleidet am 15. November 1192 an Land aus.
Richard wird vom Kapitän des Piratenschiffes aufgenommen
Das nächste Mal tauchte Richard Löwenherz in Kärnten auf. In Friesach erkannte man ihn zum ersten Mal, aber er konnte entkommen. Leopold V. befahl, den König gefangenzusetzen. Am 6. Dezember 1192 war Richard in Bruck an der Mur; dort fiel er bereits durch sein höfisches Gehabe auf, was für Pilger, für welche er sich samt Gefolge ausgegeben hatte, doch eher ungewöhnlich war. Er wollte mit seinen Begleitern zu seinem welfischen Schwager Heinrich dem Löwen nach Bayern. Die Entscheidung, entweder über die verschneiten Alpenpässe oder über den Semmering nach Wien und von dort nach Bayern zu gehen, fällte er zugunsten Wiens. Am 21. Dezember 1192 traf er in Erdberg, einem Vorort von Wien, ein. Er schickte einen Vertrauten in die Stadt, um Lebensmittel einzukaufen. Es fiel auf, dass ein einfacher Mann mit größeren Mengen morgenländischen Geldes zahlte. Man folgte ihm nach Erdberg in ein kleines Gasthaus (Eckhaus Erdbergstrasse 41 / Schwalben-
gasse 17). Dort fasste man Richard Löwenherz.
Richard vor König Leopld V.
Richard Löwenherz wurde Leopold V. vorgeführt und zu Hadmar von Kuenring nach Dürnstein gebracht. Es steht heute nicht mehr fest, ob Richard Löwenherz oben auf der Burg in der heutigen Ruine Dürnstein, im Tal oder auf einer Nebenburg, die heute nicht mehr existiert, gefangengehalten wurde. Für die nächsten Monate hielt Leopold V. ihn in diesem Gebiet fest. Leopold V. informierte noch am 27. Dezember 1192 Heinrich VI. von der Gefangennahme. Dieser wollte das politische Kapital mit den sich aus der Lösegeldzahlung ergebenden finanziellen Möglichkeiten nutzen, das sich aus dem Besitz der Person Richards ergab. Leopold V. hätte es nicht voll nutzen können, einerseits weil Richard Löwenherz schon aus standesrechtlichen Gründen ihm nicht hätte lehnspflichtig werden können, andererseits wäre er auch dem politischen Widerstand nicht gewachsen gewesen.
   Lösegeldforderung   
Leopold V. verhandelte in den nächsten Monaten mit Heinrich VI. über die Lösegeldforderungen für Richard Löwenherz. Es kam schließlich ein Vertrag zustande, in dem sich Heinrich VI. verpflichtete, Richard Löwenherz erst wieder freizulassen, wenn dieser folgende Bedingungen erfüllte:

1. Zahlung von ca. 23 Tonnen bzw. 100.000 Mark Silber. Die Mark war eine Ge-
wichtseinheit und das Lösegeld wurde nach der "Kölner Mark" berechnet. Eine Kölner Mark = 233 Gramm Silber. Also 100 000 Mark x 233 g = ca. 23 Tonnen (das entsprach ungefähr den doppelten Jahreseinkünften der englischen Krone); davon erhält Leopold V. die Hälfte

2. Waffenhilfe für Heinrich VI. bei einem Feldzug nach Sizilien.

3. Freilassung von Isaak Komnenos und seiner Tochter auf Zypern.

4. Heirat seiner Cousine mit Friedrich I., dem Sohn von Leopold V.

5. Richard Löwenherz setzt sich beim Papst dafür ein, dass Leopold V. nicht ex -
kommuniziert und wieder in die Kirche aufgenommen wird (die Gefangennahme eines Mannes, der das Kreuz genommen hatte, damit quasi sakrosankt und in den Kämpfen im Heiligen Land der Held des Kreuzzugs gewesen war, stellte einen ungeheuren Verstoß gegen den Kreuzzugsgedanken dar).

Nach Vertragsunterzeichnung durch Heinrich VI. lieferte Leopold V. Richard Löwenherz am 28. März 1193 in Speyer an den Kaiser aus, und dieser überstellte ihn auf die Burg Trifels.

Hier im heutigen Annweiler auf der Burg Trifels wurde Richard Löwenherz gefangengehalten
   Gefangen auf Burg Trifels   
Dort angekommen, legte Heinrich VI. Richard Löwenherz den Vertrag vor. Richard lehnte alle Punkte sofort ab. Er spielte möglicherweise auf Zeit, da der Papst ihn unterstützte. Papst Coelestin III. drohte den Beteiligten mit der Exkommunikation, weil sie einen unter besonderem kirchlichen Schutz stehenden Kreuzfahrer gefangenhielten.
Papst Coelestin III. hier bei der Verleihung des schwarzen Kreuzes für den Deutschen Orden im Jahre 1191
Leopold V. wurde später exkommuniziert, Heinrich VI. konnte diese Sanktion mit Mühe vermeiden, stand aber unter starkem Zeit- und politischem Druck.
Der deutsche Kaiser Heinrich VI.
Um sich gegen eine drohende Exkommunizierung
zur Wehr zu setzen, versuchte Heinrich VI. die Festnahme durch einen "Prozess" zu legalisieren:
Er fasste alle tatsächlichen oder vermeintlichen Fehler, Vergehen, Sünden und Anschuldigungen zusammen.

Man warf Richard unter anderem vor, mit Saladin kollaboriert und den Auftrag zur Ermordung des Königs von Jerusalem, Konrad von Montferrat, durch die Assassinen gegeben zu haben sowie den Herrscher Zyperns, Isaak Komnenos, und dessen Tochter widerrechtlich gefangenzuhalten. Den Schauprozess nutzte Richard allerdings, um sich rhetorisch geschickt zu rechtfertigen.

Phillip II. von Frankreich mischte sich in die Lösegeldverhandlungen ein und versprach, nach der Auslieferung von Richard Löwenherz alle Punkte der
Forderung einzulösen. Mit diesen neuen Fakten konfrontierte Heinrich VI. Richard Löwenherz. Die Auslieferung an Philipp hätte bedeutet, dass Richard in die Hand des französischen Königs geraten wäre, der ihn wegen der Auseinandersetzungen um die Festlandteile des Angevinischen Reiches als unbotmäßigen Vasallen betrachtete. Richard willigte deshalb in alle Punkte ein, außer in die Waffenhilfe auf Sizilien. Für diesen Punkt arbeitete Heinrich VI. einen Ersatzpunkt aus, in dem sich Richard verpflichtete, ein nicht näher definiertes Versprechen mit den Welfen einzulösen. Sollte dieses nicht einlösbar sein, so verpflichtete sich Richard Löwenherz zur Zahlung von weiteren 12 Tonnen (50.000 Mark) Silber an Heinrich VI. Für die Zeit, während der das Geld aufgetrieben wurde, stellte England 200 Adelige als Geiseln zu Verfügung, die erst freigelassen wurden, als die gesamte Summe gezahlt war. Zur Einlösung des Versprechens an die Welfen kam es nicht, und somit wurde die zusätzliche Zahlung von (50.000 Mark) Silber fällig. Welchen Anteil Leopold V. von dieser Summe bekam, ist nicht bekannt, aber es gibt kein Schriftstück über eine Beschwerde, dass er zu wenig bekommen hätte.

   Zahlung des Lösegeldes   
Während Johann Ohneland die Bezahlung des Lösegeldes verweigerte, ja sogar dagegen intrigierte, um selbst länger an der Macht bleiben zu können, begann Richards Mutter Eleonore von Aquitanien inzwischen, das Lösegeld für ihren Sohn aufzubringen. Diejenigen Güter, die Richard nicht für seinen Kreuzzug verkauft hatte, verkaufte jetzt seine Mutter für das Lösegeld. Es sind bis in die heutigen Tage keine wertvollen Gegenstände (Lüster, silbernes Besteck, etc.) aus dieser Zeit in England vorhanden. Wirtschaftlich waren diese Kapital-
abflüsse für England verheerend und zogen Unruhen nach sich, die später den Robin-Hood-Mythos gebaren. Wieviel diese Menge Silber damals wert war, lässt sich schwer mit heutigen Maßstäben vergleichen. Zu dieser Zeit entsprach die Summe aber etwa einem doppelten Jahreseinkommen der englischen Krone.

   Verwendung des Lösegeldes   
Heinrich VI. rüstete sich mit dem Lösegeld für den Kampf um Sizilien und kehrte nach der Eroberung mit einem Vielfachen an Geld zurück, das er für den Aufbau
und Verstärkung der Städte Worms und Speyer verwendete. Leopold V. gründete die Münze Österreich. In dieser wurde das Silber in Münzen ver-
arbeitet. Mit dem Geld finanzierte Leopold V. in Wien die neuen Stadtmauern, die in diesen Dimensionen noch bis ins 19. Jahrhundert bestehen sollten, und bezahlte das Zuschütten des alten Grabens vom Stephansdom bis zur Freyung. Er ließ die Stadt Wiener Neustadt gründen, die Stadt Friedberg (Steiermark) befestigen und verstärkte die Stadtmauern von Hainburg. Mit dem Silbergehalt dieser Münzen sollte die Währung außer in den Inflationszeiten, der Schinderlingszeit (15. Jh.), der Kipper- und der Wipperzeit (17. Jh.), sowie während der Franzosenkriege (Anfang 19. Jh.), zu einer harten Währung werden. Bis zu den alten 5 - und 10 - Schillingmünzen, die bis ins Jahr 1961 bzw. 1957 geprägt wurden und ihre Gültigkeit mit 1969 bzw. 1975 verloren, wurde Silber bei Umlaufmünzen verwendet.
Der Wormser Dom, erbaut im 12. Jahrundert.
Auf Drängen des Papstes Coelestin III. sollte das Silber rückerstattet werden.
Doch Heinrich VI. hatte bereits alles für seinen Sizilienfeldzug ausgegeben, und Leopold V. hatte nur noch einen kleinen Bruchteil davon übrig. Auf seinem To-
tenbett schworen er und sein Sohn Friedrich I., dafür zu sorgen, dass das Silber wieder zurückgegeben werde. Die Exkommunikation wurde daraufhin zurückge-
nommen. Friedrich I. wollte es den englischen Adeligen mitgeben, die als Geiseln
für ausstehende Beträge nach Wien entsandt wurden, aber diese weigerten sich,
das Geld mitzunehmen, weil sie fürchteten, das Ziel sämtlicher Diebe und Räuber auf ihrem Weg zu werden. So kehrten sie ohne das restliche Silber nach England zurück. Ein weiterer Versuch, das Silber rückzuerstatten, ist nicht bekannt.

      Einlösung der Bedingungen
  und Ende der Gefangenschaft
  
* Zur Heirat zwischen dem Sohn Leopolds V., Friedrich I., und der Cousine von Richard Löwenherz kam es nicht. Das Hochzeitsgefolge erfuhr in Passau vom Tod Leopold V. und kehrte wieder um.

* Die Exkommunikation Leopolds V. wurde an seinem Totenbett aufgehoben.

* Isaak Komnenos starb in Gefangenschaft. Über das Schicksal seiner Tochter ist nichts bekannt.

Die Gefangenschaft von Richard Löwenherz endete am 2. Februar 1194 unmittelbar nach Ableistung des Lehnseids vor dem Kaiser. Die damit verbundenen lehnsrechtlichen Fragen (etwa, ob es sich nur um eine perso-
nenbezogene Vasallität gehandelt hat), müssen offen bleiben. Richard, der
am 4. Februar 1194 freigelassen wurde, bereiste noch einige Städte in Deutschland und kehrte erst Wochen später nach England zurück, wobei er
die Zeit nutzte, um Kontakt zu mehreren deutschen Fürsten aufzunehmen.


   Die Rückeroberung   
Nach der Rückkehr in sein Reich versöhnte sich Richard wieder mit seinem Bruder Johann und ging dann gegen den einstigen Verbündeten Philipp II. August vor. Nach den Siegen Richards bei Fréteval 1194 und Issoudun 1195 sowie der Einnahme von Angoulême durch Sancho VI. musste Philipp II. 1196 dem Vertrag von Louviers zustimmen, der Richard den größten Teil der an-
nektierten Gebiete zurückgab, aber eben nur einen Teil. Spätestens mit diesem Vertrag begann der unaufhaltbare Schrumpfungsprozess des Angevinischen Reiches. Zeitgleich gelangen Richard I. diplomatische Erfolge.

So näherte er sich durch eine geschickte Heiratspolitik an den mächtigen Gra-
fen Balduin IX. von Flandern an, konnte seine Schwester Johanna mit Raimond VI., dem Grafen von Toulouse, verheiraten und schließlich seinem Neffen Otto IV. von Braunschweig den Weg zur Kaiserkrönung ebnen. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Richard auf die Auseinandersetzung mit dem auf -
ständischen Adel in Aquitanien, der unter der Führung von Adémar V. war. Bei der Belagerung der Burg Chalûs wurde er am frühen Abend des 25. März von einem Armbrustbolzen oder Pfeil getroffen. Am 6. April 1199 starb Richard Löwenherz in den Armen seiner Mutter im Alter von 41 Jahren in Chinon an Wundbrand. Er wurde in der Abtei Fontevrault beigesetzt, sein Herz in der Kathedrale von Rouen. Nachfolger wurde sein Bruder Johann, unter dem sich die Auflösung des Angevinischen Reiches beschleunigte.

Die Abtei Fontevrault in welcher Richard Löwenherz beigesetzt ist.
Richard war für seine Zeit sehr groß (1,86 m), ihm fehlte es tatsächlich in Ge-
fechten nicht an Mut, und es ist auch bekannt, dass er auch für Gegner zeit-
weilig große Achtung und Bewunderung empfand. Erfunden ist jedoch, dass er sich persönlich jemals mit Saladin, dem Sultan von Ägypten und islamischen Führer im Kampf gegen die christlichen Kreuzritter, getroffen hätte. Ins Reich der Märchen gehört auch, dass die Männer Freunde gewesen seien. Dagegen
ist belegt, dass sie jeweils große Achtung voreinander empfanden. Doch Richard I. Plantagenet war nicht nur der strahlende, charismatische König, sondern er konnte für heutiges Empfinden mitunter recht grausam sein. So ließ er nach der Eroberung von Akkon in einem nahe gelegenen Tal im August 1191 ca. 2700 muslimische Gefangene, darunter auch Frauen, Alte und Kinder zusammen-
treiben und töten. Den Quellen nach zu urteilen war Richard - wie die übrigen frühen normannischen Könige - sehr belesen und unter anderem des Lateins
im hohen Maße mächtig.
Doch Richard I. Plantagenet war nicht nur der strahlende, charismatische König, sondern er konnte für heutiges Empfinden mitunter recht grausam sein. So ließ er nach der Eroberung von Akkon in einem nahe gelegenen Tal im August 1191 ca. 2700 muslimische Gefangene, darunter auch Frauen, Alte und Kinder zusammentreiben und töten.
Ebenfalls ins Reich der Legenden gehört Richards angebliche Liebe zu England. Er sprach kein Englisch sondern Französisch und fühlte sich vermutlich vor al-
lem als Aquitanier bzw. als Herrscher eines vom Königreich Frankreich unab-
hängigen Angevinischen Reichs. Er soll das kalte regnerische England gehasst und jeden Vorwand genutzt haben, nicht dort sein zu müssen. So kam es, dass er sich während seiner Gesamtregierungszeit von zehn Jahren insgesamt nicht länger als zehn Monate tatsächlich in England aufhielt. Zeitgenossen berichten: "Zur Finanzierung des Kreuzzuges hätte er sogar London verkauft, wenn er einen Käufer dafür gefunden hätte."

Zur Blondelsage

Als nächstes: Blondel, Sänger und Freund Richards
auf der Suche nach seinem Herrn!