Besuch einer russisch orthodoxen Kirche.

Sofias ehemaliges Königsschloß im Stadtzentrum ist ein gemütlicher Bau, der in jeder deutschen Provinzstadt stehen könnte - die davongejagte bulgarische Königsfamilie kam aus Deutschland -, das übrige Sofia wirkt wie eine verträumte Kleinstadt, die sich gerade aufrafft, nach dem Vorbild ihrer großen Schwestern auf hektische Großstadt umzusatteln. Täglich versinkt hier wie in ganz Bulgarien der Zauber einer malerischen orientalischen Welt ein wenig mehr und weicht dem "Fortschritt". Drehtüren ersetzen Glasperlenvorhänge, Konfektionsanzüge die bunten Trachten, das Motorrad tritt an die Stelle des Esels.

Wir nochmals vor dem National-Theater.

Durchaus unorientalisch mutet der Ehrgeiz der Sofioter an, eine der saubersten Städte der Welt zu präsentieren. Sofias Stadtverwaltung hat einen wahren Putzfimmel. Mehrmals am Tag und auch nachts schrubben Reinigungskolonnen mit Besen und Wasserschlauch sämtliche Straßen ab. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, duftet die ganze Stadt wie frischgewaschene Wäsche. Für den Geschmack der Ausländer nimmt das Sauberkeitsbedürfnis mit unter auch groteske Formen an. Jahrelang waren alle Haustiere aus Sofia verbannt. Die paar noch werktätigen Pferde müssen eine Art Höschen tragen. Das auf dem Balkan weitverbreitete Auf-den-Boden-Spucken der Schalen beim Sonnenblumenkernkauen wurde kurzerhand untersagt.

Sofias Name wird zum ersten Mal in der Schenkungsurkunde des bulgarischen Herrschers Iwan Schischman aus dem Jahre 1329 erwähnt, mit der er dem Dragalewzi-Kloster Boden übereignete. Lange Zeit wurde die Stadt von den Osmanen belagert, erst 1386 konnten sie als Sieger einziehen. Für fast 500 Jahre wurde die Stadt Sitz des rumelischen Bejlerbej, der alle bulgarischen Territorien verwaltete. Trotzdem verfiel die Stadt allmählich. Als der russische General Gurko (1828-1901) während des Russisch-Türkischen Krieges am 4. Januar 1878 in die Stadt als Befreier mit seinen Truppen einzog, hatte sie etwa 18.000 Einwohner, enge, krumme Straßen mit einstöckigen Häusern, war in 17 kleinere Viertel geteilt und ohne Beleuchtung und Wasserleitung. Die konstituierende Versammlung in Weliko Tarnowo erklärte Sofia am 22. März 1879 zur Hauptstadt des wiedererstandenen bulgarischen Staates. Seitdem erlebte die Stadt einen erheblichen Aufschwung, viele Industriebetriebe siedelten sich an.

Die 750 m hoch gelegene Stadt ist berühmt für ihre reine Luft. Nur im Winter lastet manchmal eine dichte Smogdecke über Sofia. Man kann vor ihr in das Vitoschagebirge fliehen. Auf der Fahrt mit der Gondelbahn vergessen die Sofioter ihre Wohungsprobleme. Der Staat hat alle privaten Hausbesitzer enteignet - mit dem Ergebnis, daß die meisten Altbauten nun einen erbarmungswürdigen Eindruck machen. Niemand ist für die Renovierung zuständig. Wer Geld hat, kann sich eine Eigentumswohnung kaufen. Es soll Hausbesitzer geben, die auf diesem Weg ihre früheren Häuser Wohnung für Wohnung zurückerstehen. Abends trifft sich die Jugend zum Auf-und Abflanieren auf dem Boulevard Ruski und dem Platz des 9. November, vor dem schneeweißen Dimitroffmausoleum. Pünktlich um Mitternacht verlöscht die Straßenbeleuchtung. Vom Dach des ehemaligen Parteihauses leuchtet seit der grossen Wende, die den gesamten Osblock erfasste der ehemals grösste "rote Stern" schon lange nicht mehr.

Spaziergang an der Strandpromenade.
An einem der vielen Springbrunnen in Sofia.
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