War da was? Jepp, genau da hinten zwischen den beiden grünen Erkern am Ende der Altstadtgasse schiebt sich langsam der Aufbau eines Kreuzfahrtschiffes hindurch. Optische Täuschung, Verwirrspiel der Sinne? Nein. In Vallettas Altstadt kann man solche Szenen jeden Tag beobachten. Die traditionsreiche Hauptstadt Maltas wurde nämlich Mitte des 16. Jahrhundert mit mathematischer Akribie auf dem Reißbrett geplant: Wie ein Schachbrett durchziehen neun Strassen längs und zwölf in der Breite die nur 3 Kilometer lange und 700 Meter breite Landzunge der Halbinsel Sciberras. So entstehen langgezogene, auf- und abwellende Straßenschluchten, an deren Ende - je nach Blickwinkel ­ am Horizont das Tintenblau des Meeres und manchmal auch ein Ozeanriese aufblitzt. Erinnerungen an San Francisco werden wach. Aus der Vogelperspektive sieht die Stadt noch beeindruckender aus. Es scheint so, als würde sich Valletta selbst wie der riesige Bug eines alten Dampfers zwischen Sliema und Vittoriosa in das Mittelmeer schieben. Umgeben ist die Altstadt von dicken, trutzigen Festungsmauern und dem 15 Meter tiefen Festungsgraben Great Ditch. Valletta verdankt seine Existenz einem der blutigsten Gemetzel in der Geschichte des Mittelmeerraumes...

Oberes Bild: Unser Hotel in Valletta, hier der Eingang - Name wird nicht verraten - wegen Schleichwerbung
Bild unten zeigt uns fröhlich nebeneinander liegend in unserem Bettchen, wo wir es uns gerade bequem gemacht hatten.

Bevor ich jetzt mit meiner Beschreibung fortfahre, möchte ich erst noch ein paar Hotelaufnahmen zeigen - sogenannte Hotel-Impressionen, die einen wirklich traumhaften Anblick bieten.

...Als der türkische Sultan Soliman der Prächtige im Jahre 1565 mit 40000 Janitscharen und Söldnern Malta angriff, wurden die Johanniter von dieser Attacke vollkommen überrascht. Die Ritter hatten mit einem Angriff von See gerechnet. Doch die Türken landeten bei Marsaxlokk und beschossen vom Land aus massiv das Fort St. Elmo und das heutige Vittoriosa. Nach dem glücklichen Sieg über die Türken beschloß Jean Parisot de La Valette, der damalige Großmeister des Johanniterordens, eine neue, besser befestigte Stadt zu bauen. Um in Zukunft vor feindlichem Kanonenbeschuss geschützt zu sein, sollte die neue Stadt genau an dem Ort angelegt werden, von dem aus die Türken die Verteidiger aufs Korn genommen hatten...

Noch vor dem Frühstück und noch vor allen anderen planschten meine Frau und ich schon im Pool. Anschliessend gings duschen und dann zum Breakfast. Danach wieder hoch ins Zimmer, umziehen und ab ging es in die Innenstadt Vallettas.

Das hier ist kein Frühstück bei Tiffany, wenngleich mein Engel hier durchaus mit Audrey Hepburn gleichziehen konnte sondern in unserem Hotel, allerdings nicht im großem Büffetsaal, sondern im kleinen Nebenraum für ein kleines Frühstück. Rechtes Bild: Wir genehmigten uns ausnahmsweise mal ein Taxi, da wir gehört hatten, dass selbst der abgebrühteste europäische Autofahrer, der einen Kreisverkehr in Paris ohne Beulen überstanden hat, auf Malta ganz neue Erfahrungen machen würde. Das wollten wir jetzt genau wissen, um diesen gehörten Erfahrungen gleich aus dem Weg zu gehen.

Also: Wir haben es, wie man sieht, überstanden und sind heil in der Stadt angekommen - auch wenn es in Malta nur zwei Fahrweisen gibt - die die Malteser allerdings besonders intensiv ausleben. Da ist zunächst die Schnecke. Sie zockelt auf der Überholspur in einem vierrädrigen Vorkriegsmodell daher, dessen technischer Zustand jedem deutschen TÜV-Prüfer sofort einen Herzstillstand bescheren würde. Die Schnecke redet viel während der Fahrt und gestikuliert wild mit beiden Händen. Auf Hupsignale ihrer Hinterleute reagiert sie grundsätzlich nicht mit einer Erhöhung der Geschwindigkeit. Das Temperament der Schnecke erinnert insgesamt an einen altersschwachen Oxford-Lehrer, der seinen "Fünf-Uhr- Tee" so lange hat ziehen lassen, bis er fast narkotisierende Wirkung hat.

Hier sind wir mitten in einen Festzug geraten. Beim Hindurchmogeln um auf die andere Strassenseite zu kommen, haben mich diese schönen Ladys hier einfach in ihre Mitte genommen. Wer könnte da widerstehen? Jeanette nahms gelassen, sie stand bereits auf der anderen Seite und lachte. Natürlich drückte sie sofort auf den Auslöser ihrer Kamera. (Bild rechts)

Es wurde heiss. Unerträglich heiss und so suchten wir den nächsten Strand bzw. die nächste Bademöglichkeit ausserhalb von Valetta auf, um uns abzukühlen. Und ganz nach dem Motto: "Bleiben Sie gelenkig mit Optovit!" stürzte ich mich rein ins kühle Nass. - Er lügt tatsächlich nicht mit seiner Werbung in zwei Dosierungen, je nach Beschwerden. Also Beschwerden hatte ich keine, aber ich nahm das Zeugs mal. Dass ich hinterher mit meinen damals 50 Jahren wie Apollo ausgesehen habe, das konnte ich nicht ahnen. Nun ja, meine Frau hat es gefreut. Und mich erst recht.

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Kleine Insel - grosse Geschichte