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  Litauens Hauptstadt Vilnius das Jerusalem des Nordens  

Wilna wurde unter Gediminas, Großfürst seit 1316, gegründet. Der Legende nach soll er bei der Jagd auf einem Hügel am Zusammenfluss der Neris und Vilnia gerastet haben. Dort träumte er von einem eisernen Wolf, der markerschütternd laut heulte wie hundert Wölfe. Der Pfeil, den er auf das Tier abfeuerte, prallte an dessen stählernen Körper ab. Beunruhigt bat er seinen heidnischen Hohepriester Lizdeika um die Deutung dieser Episode. "Was die Götter dem Herrscher und dem litauischen Staat beschieden haben, mag geschehen: der eiserne Wolf steht auf einem Hügel, auf dem eine Burg und eine Stadt errichtet werden – die Hauptstadt Litauens und die Residenz der Herrscher. Die Festung aber müsse fest wie Eisen sein, dann würde ihr Ruhm weit durch die Welt hallen (Die litauischen Wörter für laut und berühmt sind identisch). Zu jener Zeit war die prächtige Wasserburg im westlich gelegenen Trakai Sitz des Herrschers.

Die alte Hauptstadt Trakai mit der schönen Wasserburg

Die alte Hauptstadt Trakai mit der schönen Wasserburg
    

Der Anfang Litauens als Staat liegt im 13. Jahrhundert, nachdem baltische Stämme das heutige Staatsgebiet etwa ab 3.000 vor Christus besiedelt hatten. Fürst Mindaugas, der sich 1253 vom Papst abgesegnet sogar zum König krönen ließ, brachte die Nachbarstämme mit militärischer Gewalt unter seine Hoheit. Sein Fürstentum / Königreich umfasste bei seinem Tod 1263 in etwa das Gebiet des heutigen Litauens. Die Staatenbildung erfolgte gerade noch zeitig genug, um den von Norden und Süden vordringenden Rittern des Deutschen Ordens erfolgreich Widerstand leisten zu können.

Hand in Hand durch Vilnius.
Großfürst Jogaila

Parallel dazu erfolgte bereits im 14. Jahrhundert die Expansion nach Osten, in slawisch besiedelte Regionen im heutigen Weißrussland. Die litauische Expansion fand ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 15. Jhd, nachdem in der siegreichen Schlacht bei Tannenberg 1410 die Bedrohung durch den Deutschen Orden endgültig beseitigt worden war. Diese Schlacht war von einem vereinten polnisch-litauischen Heer gewonnen worden, nachdem Großfürst Jogaila 1386 durch Heirat und den Übertritt zum Christentum (nach Mindaugas' Tod 1263 war Litauen wieder heidnisch "geworden") die polnische Königskrone erhalten hatte und sich in der Folge mit seinem Vetter Vytautas ausgesöhnt hatte. Jogaila begründete das Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Seinem Vetter überließ er die Herrschaft über Litauen und den Großfürsten-Titel.

Bild oben links: Großfürst Jogaila
In der AltstadtDie alte Kirche

Bilder oben: In der Altstadt und an der alten Kirche.

Die enge politische Einheit Polens und Litauens mündete 1569 in die Realunion von Lublin, die das Ende des eigenständigen Litauens bedeutete, nachdem der litauische Adel bereits in den voran gegangenen Jahrzehnten zunehmend unter den Einfluss der polnischen Kultur und Sprache gelangt war. So ging Litauen in den Zeiten der Reformation den polnischen Weg und blieb katholisch, während das nördliche, deutsch beeinflusste Baltikum protestantisch wurde. Litauen blieb bis zu den polnischen Teilungen bei Polen und kam dann 1795 unter russische Herrschaft. Zwei polnisch-litauische Aufstände in den Jahren 1831 und 1863 wurden vom russischen Zaren blutig unterdrückt.

Bild oben: Vilnius ist eine wunderschöne Stadt. Man sollte sie gesehen haben.

Vilnius ist die Hauptstadt Litauens und des Distrikts Vilnius (Vilniaus Apskritis). Mit 554.400 Einwohnern (2007) ist sie die größte Stadt des Landes. Sie liegt an der Mündung der Vilnia in die Neris, in einem waldreichen Gebiet nur etwa 40 km von der weißrussischen Grenze entfernt. Litauen ist ein Staat in Europa und der südlichste der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Weißrussland, Polen und der russischen Oblast Kaliningrad. Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union. Im Herzen von Vilnius befindet sich das ehemalige Gefängnis des KGB, das heute als Museum dient. Verschiedene Zellen und Erschießungskammern stehen zur Besichtigung.

Bild oben: Kurzer Abstecher nach Königsberg.

Da wir schon mal in der "Zange" waren, besorgten wir uns ein Visum für die Oblast Russlands, Königsberg. Schade, dass uns die Geschichte durch den Zweiten Weltkrieg mit einem Irren an der Spitze der Regierung, um dieses unersetzliche Kleinod betrogen hat. Die Hauptstadt ist Kaliningrad (eben das frühere deutsche Königsberg). Die Oblast umfasst etwa das nördliche Drittel der ehemaligen preußischen Provinz Ostpreußen (d. h. das ehemalige Gebiet der Provinz ohne das Memelland, Ermland, Masuren und das Oberland) und ist als russische Exklave räumlich durch litauisches sowie polnisches und darüber hinaus weißrussisches beziehungsweise lettisches Territorium vom restlichen Russland getrennt. Die wichtigste Landverbindung zum russischen Kernland verläuft durch Litauen und Weißrussland. Das Gebiet spielt für Russland eine wichtige Rolle als Sitz der Baltischen Flotte.

Noch in der Stadtmitte, aber etwas abseits

Bild oben: Noch in der Stadtmitte mit zwei sehr netten Damen.
  Der Erste Weltkrieg  

Hauptstadt war in dieser Zeit allerdings nicht der historische Großfürstensitz Vilnius, sondern Kaunas.

Der Erste Weltkrieg und die Schwächung des Russischen Reiches führten im Februar 1918 zur Ausrufung der unabhängigen Republik Litauen, die nach Kämpfen gegen die Rote Armee und die polnischen Truppen auch durchgesetzt werden konnte. Hauptstadt war in dieser Zeit allerdings nicht der historische Großfürstensitz Vilnius, sondern Kaunas, da das Vilniusser Gebiet von Polen besetzt war (1920-1939, 1923 vom Völkerbund anerkannt). Die parlamentarische Demokratie, die mit der Verfassung von 1922 eingeführt worden war, wurde durch den Putsch von Antanas Smetona im Dezember 1926 beseitigt, Smetona regierte anschließend diktatorisch bis 1940. Es wurden neue Verfassungen eingeführt, welche die autoritäre Führung Smetonas bestätigten, darunter die Litauische Verfassung von 1928 und die von 1938. Im März 1939 musste Litauen das Memelland, das es 1923 besetzt hatte, an Deutschland zurück geben.

Ortschaft im Memelland. Hier die Friedrich-Wilhelm-Strasse.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verstärkte sich der Druck der Sowjetunion, der im Geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts das Baltikum als Interessensphäre zugesprochen worden war. Smetona dankte im Juni 1940 ab und nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklärte (3. August 1940). Im Juli 1941 besetzten die Truppen der deutschen Wehrmacht in einem Blitzkrieg das litauische Staatsgebiet, Einsatzkommandos ermordeten in der Folgezeit bis Dezember 1941 einen Großteil der jüdischen Bevölkerung, die Überlebenden wurden in Ghettos konzentriert. 90 % der jüdischen Bevölkerung des Landes erlebten das Kriegsende nicht.

Bild oben: Diktator Hitler und Diktator Stalin
Man muss ja nicht immer gleich in Nachtwäsche zu sehen sein :-)

Man muss ja nicht immer gleich in Nachtwäsche zu sehen sein. Hier vor unserem Hotel in Vilnius. Rechts: Natürlich mussten wir auch irgendwo schlafen.

  Zwischendurch etwas mehr:

    

Im Sommer 1944 besetzte die Rote Armee wieder große Teile Litauens und etablierte die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) erneut. Der Widerstand der sogenannten "Waldbrüder" gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausländische Unterstützung auf verlorenem Posten und war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverbände geschrumpft. Stalin ließ 1949 in einer dritten großen Deportationswelle Zehntausende "staatsfeindliche" Elemente nach Sibirien deportieren, nachdem bereits 1940/41 und 1945/46 Verhaftungen und Deportationen in grossem Stil durchgeführt worden waren. Viele der Deportierten starben in den Straflagern im Osten der Sowjetunion.

Bilder oben: Spaziergang durch die Gassen von Alt-Vilnius
  Litauen wird als erster der 3 Baltischen Staaten ein souveräner Staat  

Im Zuge der Perestrojka erklärte sich Litauen 1990 als erste Sowjetrepublik zum souveränen Staat und benannte den Obersten Sowjet in Verfassunggebende Versammlung um. Am 13. Januar 1991 versuchten pro-sowjetische militärische Kräfte erfolglos, die junge Demokratie zu stürzen, 14 Menschen bezahlten ihren Einsatz für die litauische Unabhängigkeit mit dem Leben. In Reaktion darauf erklärten am 8. Februar 1991 85 % der Litauer in einer Volksabstimmung ihr 'Ja' zur Unabhängigkeit des Landes. Nach dem misslungenen Moskauer Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 erkannten die Länder des Westens die Unabhängigkeit Litauens, wie auch der Nachbarländer Lettland und Estland an. Nach anfänglicher Wirtschaftskrise und politischer Instabilität aufgrund einer radikalen Privatisierung gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach Überwindung der Russland-Krise im Jahre 2000. Litauen wurde 2004 Mitglied von EU und NATO. Seit 21. Dezember 2007 ist Litauen Teil des Schengener Raums.

Bild oben:Der Präsidentenpalast in Vilnius.

Bilder oben: Wir im Innenhof des Präsidentenpalasts.
Wilna wurde unter Gediminas, Großfürst seit 1316, gegründet. Der Legende nach soll er bei der Jagd auf einem Hügel am Zusammenfluss der Neris und Vilnia gerastet haben. Dort träumte er von einem eisernen Wolf, der markerschütternd laut heulte wie hundert Wölfe. Der Pfeil, den er auf das Tier abfeuerte, prallte an dessen stählernen Körper ab. Beunruhigt bat er seinen heidnischen Hohepriester Lizdeika um die Deutung dieser Episode. "Was die Götter dem Herrscher und dem litauischen Staat beschieden haben, mag geschehen: der eiserne Wolf steht auf einem Hügel, auf dem eine Burg und eine Stadt errichtet werden – die Hauptstadt Litauens und die Residenz der Herrscher. Die Festung aber müsse fest wie Eisen sein, dann würde ihr Ruhm weit durch die Welt hallen (Die litauischen Wörter für laut und berühmt sind identisch). Zu jener Zeit war die prächtige Wasserburg im westlich gelegenen Trakai Sitz des Herrschers. Soweit die Legende.

Bild oben links: Münze des Großfürsten Gediminas

Bild oben: Die Wasserburg Trakai

Archäologen sehen die Geschichte bodenständiger: Ihren Ausgrabungen nach hatten schon im 11. Jahrhundert Menschen an diesem taktisch vorteilhaften Ort gesiedelt. Erste Erwähnung in den geschichtlichen Akten findet Vilnius als Hauptstadt der Litauer 1323. In jenem Jahr schreibt besagter Großfürst Gediminas einen in Latein verfasste Brief an die Hauptstädte jener Zeit. Darin wirbt er Kaufleute, Wissenschaftler und Priester für in civitate nostra regia Vilna - sozusagen als hochqualifizierte Gastarbeiter und lockt mit zwei Kirchen, also auch Religionsfreiheit. Diese Toleranz gegenüber den verschiedensten Glaubensrichtungen sollte die Entwicklung der Stadt noch lange bestimmen. Dessen ungeachtet wurde Vilnius wiederholt Ziel von kriegerischen Angriffen des Deutschen Ordens.

Bilder oben: Die Basillica und die Kathedrale in Vilnius.
  Das Großreich Polen und Litauen  

Ab 1377 war der ehrgeizige Jogaila Großfürst Litauens. 1385 schloss er mit Polen die Union von Krewo - der Preis dafür war die Christianisierung des Landes. Er löschte das ewige Feuer auf dem Hügel in Vilnius und zerstörte den dazugehörigen heidnischen Tempel. Ein Jahr später, 1386, ließ er sich taufen, heiratete wie vereinbart die polnische Königin Hedwig und bestieg als Wladyslaw II. Jagiello den Thron des neuen und mächtigen Großreiches aus Polen und Litauen: Die Rzeczpospolita.

Bild oben: Im Herzen der Altstadt von Vilnius und ein willkommener Rastplatz

Bilder oben: Bummel durch die Pilies-Strasse und durch eine Seitenstrasse in der Altstadt
  Ab 1795 bis 1917 gehörte Litauen und damit Vilnius zum russischen Zarenreich.   

Nach dem Aufstand der Polen und Litauer gegen die russische Oberherrschaft im Jahr 1831 wurde die Universität als Hort nationalistischer Umtriebe im folgenden Jahr von der russischen Macht geschlossen und blieb es bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Vilnius entwickelte sich relativ bescheiden im Rahmen einer russischen Gouvernementshauptstadt. Damals wurde in der Stadt mehrheitlich polnisch gesprochen. Dennoch war sie im 19. Jahrhundert das Zentrum des weißrussischen nationalen Lebens, noch vor Minsk. Die wichtigsten weißrussischen Dichter und Schriftsteller publizierten ihre Werke damals in Vilnius. In der Stadt wurde 1906 auch die erste weißrussische Zeitung "Nasa Niva" gegründet.

Bild oben: Das Bernsteinmuseum in Vilnius

Ausgehend vom Burgberg bildet das Straßennetz der Altstadt von Vilnius in Richtung Westen und Süden eine fächerartige Struktur. Die Altstadt, die sich an den Hängen auf dem linken Ufer der Neris hochzieht, hat eine Fläche von 360 ha und zählt damit zu den größten und besterhaltenen Europas; seit 1994 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Baustile hinterließen ihre Spuren, vor allem prägen sie der Barock, aber auch Gotik und Renaissance. Sehenswert sind die St.-Annen-Kirche, ein gotisches Backsteingebäude (Flammengotik) zusammen mit der ebenfalls gotischen Bernhardiner-Kirche, die barocke Universitätsanlage mit der Johannes-Kirche.

Bild oben:Wir an der Bernhardiner Kirche.

Bild oben: Auf Wiedersehen Vilnius-Goodbye Lettland

Alles in Allem kann man, nein, muss man sagen, dass die drei Baltischen Staaten und natürlich auch Polen im Laufe ihrer Geschichte sehr viel erleiden und erdulden mussten. Um so mehr freut es uns, dass sie heute wieder unabhängig sind und sich ihre Bewohner frei bewegen können über Grenzen hinweg.

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