Von Moskau nach Peking.
Illustriert von MGB
Ein langer Tag in Nowosibirsk
      
15 Minuten Aufenthalt in Barabinsk.
Ein Besuch der Stadt Barabinsk mit 32.200 Einwohnern lohnte sich nicht. Dennoch musste der Sonderzug zwischen Omsk und Nowosibirsk einen Zwischenstopp ein-
legen, was uns gerade recht war, so konnte man sich wenigenstens die Beine etwas vertreten. Allerdings war es hier sehr kalt gewesen, so dass wir unsere Mäntel anziehen mussten für die 15 Minuten. Jeanette kam nur mir zuliebe mit auf den Bahnsteig, da ich eine Zigarette rauchen wollte. Barabinsk liegt etwa 3.000 km von Moskau entfernt in östlicher Richtung und gehört zur Oblast Nowosibirsk. Noch am Rande sei erwähnt, dass wenige Kilometer nördlich von Barabinsk die Stadt Kuibyschew liegt und zwar am Fluss Om, der bei Omsk in den Irtysch mündet. Ausserdem liegt sie in einem Steppengebiet, der Barabasteppe mit einer Ausdeh-
nung von 117.000 km², die sich zwischen den Flüssen Irtysch und Ob erstreckt, und ist auch nach dieser benannt. Der wichtigste Wirtschaftszweig von Barabinsk ist die Herstellung von Baumaterialien, sowie die Metall- und Lebensmittelindustrie. Also wahrlich kein Grund der Stadt einen Besuch abzustatten.
Auf dem Hauptbahnhof von Nowosibirsk. Ganz rechts sind wir zu sehen.
Nowosibirsk ist die größte Stadt Sibiriens und die drittgrößte Stadt Russlands.
Sie hat damit Jekatarinburg als drittgrößte Stadt überholt. Nowosibirsk liegt in
der Oblast Nowosibirsk am Ob und an der Transsibirischen Eisenbahn. Der Zeitunterschied zwischen Nowosibirsk und Moskau beträgt 3 Stunden. Die Stadt hat knapp 1,4 Mio. Einwohner und wurde 1893 an einer Brücke über den Ob ge-
gründet. Heute gibt es im Großraum Nowosibirsk sechs Brücken über den gewal-
tigen Ob, der hier teilweise fast einen Kilometer breit ist und von Süden nach Norden fließt.
Seltene Gelegenheit einer Aufnahme der Bahnanlage
Normalerweise ist sowas verboten, doch für ein paar Dollar, am besten noch Euros, ist auch das möglich. Man muss nur den entsprechenden Ansprech-
partner finden. Und da meine Frau ja der russischen Sprache mächtig war, war dies kein Problem, als sie mit 20 Euro in der Hand darum bat ob ich die Anlage schnell mal fotografieren dürfte. Übrigens, er stand zur Sicherheit hinter mir, falls da jemand kommen sollte, der mich gesehen hat.
Auf dem Bahnhofsvorplatz mit angenehmen 26 Grad Celsius.
Für sibierische Verhältnisse sollte man eigentlich staunen, denn wir erwarteten einen kalten Tag. Dem war aber gottseidank nicht so. Im Gegenteil: Es waren angenehme 26 Grad Celsius, so dass wir in luftiger Sommerkleidung unseren Stadtrundgang und Besichtigung beginnen konnten.
Nowosibirsk ist bis jetzt der schönsten Bahnhof den wir gesehen haben, wenn nicht der schönste überhaupt.
Die mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern drittgrößte russische und größte russische Stadt östlich des Urals verdankt ihren Aufstieg der Lage an der Transsibirischen Eisenbahn im Süden des Westsibirischen Tieflandes. An der Stelle der heutigen Stadt begann 1893 mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Ob der Aufstieg von Nowosibirsk von einem kleinen Dorf zur Millionenstadt. Als Symbol für den geographischen Mittelpunkt des Russischen Reiches wurde im Jahr 1915 die Kapelle St. Nikolai anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Romanow-Dynastie errichtet. Heute ist die mitten im Zentrum von Nowosibirsk stehende Kapelle eine besondere Sehenswürdigkeit und ein Wahrzeichen der Stadt. Der geographische Mittelpunkt des heutigen Rußlands hat sich jedoch nach Krasnojarsk verschoben.
Das hier ist nicht die Kapelle St. Nikolai, sondern die Alexander Newski Kathedrale
Die Geschichte von Nowosibirsk steht in engem Zusammenhang mit der Erschlies-
sung Westsibiriens. Die Urzelle der Stadt entstand 1893 in Folge der Errichtung der Transsibirischen Eisenbahn. Die Siedlung hieß zunächst Nowaja Derewnja (Neues Dorf), Gussewka, Kriwoschtschokowski, Alexandrowski, Nowo-Niko -
laewski, bis sie 1903 mit den Stadtrechten den Namen Nowonikolajewsk, nach dem Namen des letzten Zaren Russlands) erhielt. 1926 wurde die Stadt in Nowosibirsk umbenannt.
Text folgt unten.:-)
Als wir an dieser jungen Lady vorbei waren, schaute ich mich um und blickte ihr lange nach. Jeanette fragte mich, wohin ich so lange blicke. Dann drehte sie sich ebenfalls um und sah, weshalb ich so lange blickte und natürlich grinste. "Weshalb grinst Du?" "Naja", sagte ich, "mir fällt da gerade ein alter Gassenauer ein!" "Den möchte ich gerne hören", sagte sie. "Das ist nichts für Deine Ohren, Schatzi-
lein." "Raus damit!" Sie gab keine Ruhe. Also sang ich leise zu ihr hin: "Ein schöner weißer Arsch, ein schöner weißer Arsch mit einer bunten Feder dran ist schöner als ein Goldfasan ein schöner weißer Arsch, hallihalloooo...!" An Stelle eines süßsaueren Gesichts lachte sie herzhaft. "Mister 'EM-GE-BE', Sie sind ein Scherzbold!"
Am Leninplatz in Nowosibirsk.
Alexander III. begann im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau der Transsibi-
rischen Eisenbahn (1890–1900), um den Anschluss der sibirischen Region mit ihrem Reichtum an Bodenschätzen an Moskau und Westrussland zu gewähr-
leisten. Die Verbindung sollte an der alten Stadt Kolywan den Fluss Ob über-
queren, jedoch wurden die Pläne geändert, sodass die Brücke bei dem kleinen
Dorf Kriwoschtschokowo errichtet wurde. Da hierzu sehr viele Eisenbahnarbei-
ter notwendig waren, entstand schnell eine Siedlung an der Brücke.
Spaziergang im ParkNovosibirsk Lenin Park.
Das offizielle Gründungsdatum ist die Grundsteinlegung der Brücke mit einem Gottesdienst am 20. Mai 1893. Im Frühjahr 1897 wurde die Brücke für den Ver-
kehr geöffnet, der Bahnhof mit Infrastruktur bestand schon. Da die umliegenden Siedlungen diese Möglichkeit schnell für den Transport ihrer Güter nutzten, wuchs die Stadt rasch. Nowonikolajewsk hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 7.800 Ein-
wohner.
Am Theater am LeninplatzAm Fluss Ob
Linkes Bild: Nein, das war kein Platzregen, dass es hier so nass war, es war eine Stadtreinigungskehrmaschine, die den Platz wieder säuberte. Rechtes Bild: Inmitten des Verkehrstrubel.
Spaziergang durch Nowosibirsk
Im Dezember 1903 bekam Nowonikolajewsk den offiziellen Status als Stadt. Inklusive der Bevölkerung der Umgebung hatte es 22.000 Einwohner. 1906 wurde die erste sibirische Bank in Nowonikolajewsk gegründet, 1915 waren es schon fünf Banken. Schnell wurde die Stadt das Finanz- und Handelszentrum der Region. 1907 bekam sie alle Rechte der Selbstverwaltung zugesprochen. Die Einwohnerzahl betrug 47.000. Kurz vor der Oktoberrevolution hatte die Stadt 80.000 Einwohner und war die größte Industriestadt, die nicht allein im Agrarsektor industriell entwickelt war, mit mehr als 40 Schulen, Kinos, einer Hochschule, einer Schiffswerft und mehr als 8 Kirchen.
Bummel über den Krasnyi Prospekt
1917 übernahmen Arbeiter und Soldaten die Stadt. Nowonikolajewsk wurde ein wichtiger strategischer Punkt für die Armee Koltschaks (500.000 Soldaten) in
den Bürgerkriegsunruhen, wurde jedoch 1919 von der Roten Armee erobert. (Natürlich nicht die beiden unten gezeigten) Die Brücke wurde zerstört, und die Stadt litt unter den Folgen des Bürgerkrieges. Cholera, Typhus und andere Epidemien kosteten Tausende das Leben. Nowonikolajewsk war in der für die UdSSR schwierigen Anfangszeit eine der wenigen Städte, in denen es an nichts fehlte. 1921 wurden unter Lenin Verwaltungseinrichtungen von Omsk nach Nowonikolajewsk verlagert, und die Stadt wurde die Hauptstadt der Region.
Autobrücke über den Ob- Copyright by rt.com/About_Us/Blogs/voluntary-nomad
Eisenbahnbrücke über den OB - Copyright by rt.com/About_Us/Blogs/voluntary-nomad
1925 wurde die Stadt auf Wunsch der Einwohner in Nowosibirsk (frei übersetzt "Neues Sibirien") umbenannt, wie sie heute noch heißt. Unter Stalin wurde die Stadt hauptsächlich zu einem Industriezentrum. Als Handelszentrum verlor sie an Bedeutung. Viele der neuen Industriezweige hatten ihren Schwerpunkt im Agrar-
sektor.
Mitten im Trubel der Stadt
Während der Hungerperiode 1932–1933 kamen mehr als 170.000 Flüchtlinge nach Nowosibirsk und ließen sich in Slums am Rande der Stadt nieder, die heute große Stadtteile sind. Zwischen 1940–42 wurden mehr als 50 industrielle Fertigungsan-
lagen von Westrussland nach Nowosibirsk verlagert, und die Stadt wurde ein Rüstungszentrum der Roten Armee. Mehr als 140.000 Flüchtlinge hielten sich zeitweilig in der Stadt auf. Zwischen 1915 und 1945 entstanden mehr als 26 Mili-
tärkrankenhäuser in Nowosibirsk.
Wo kam denn der Bauarbeiter plötzlich her? Naja, manches kann man eben nicht verhindern.
Wo kam plötzlich der Bauarbeiter her? Als wir die Kamera einstellten war der noch gar nicht zu sehen? Nun ja, manche begreifen es nie, oder er wollte per Foto mit nach Deutschland oder Finnland.
Jeanette und ich nach einem Zoobesuch
Hier, nach einem kurzen Zoobesuch, sind wir auf dem Rückweg zum Sonderzug.
Auf unserem Rückweg kamen wir noch an einem kleinen Rummel vorbei.
Noch ein letzter Blick auf den Bahnhof.
Bevor ich in den Sonderzug einstieg der hier schon auf uns Reisende wartete, fotografierte ich noch den Bahnhof von Novosibirsk. Er war bis jetzt das schönste Bahnhofsgebäude welches wir unterwegs gesehen hatten und wird es wohl auch für den Rest der Strecke bleiben. Aber wie wir von anderen Reisenden erfuhren, die die Strecke schon mal gefahren sind, stand uns der lebhafteste Bahnhof, nämlich Irkutsk, noch bevor.
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