Von Moskau nach Peking.
Illustriert von MGB

      
Uiii, war das verdammt kalt an diesem Morgen in Irkutsk.
Ankunft in der Metropole im Nichts - Irkutsk. Meine Güte war das kalt an diesem frühen Morgen. Wer nicht unbedingt aussteigen musste, weil er hier wohnte, oder geschäftlich unterwegs war (ja, auch Russen reisten im Sonderzug mit) der begab sich schleunigst wieder ins Abteil. Die Schaffnerin sagte uns aber, dass es späte-
stens in zwei Stunden wärmer werden würde, da auch die sibirischen Sommer zwar kurz aber dafür sehr heiß sein würden. Also verließen wir uns auf sie und ihren Optimismus, welcher sich tatsächlich nach 2-3 Stunden einstellte und die Sonne ihre Strahlen wärmend über die Stadt legte. Das bedeutete für uns, dass wir die winterlichen Klamotten ablegen und uns etwas Luftigeres anziehen konnten.
Wir vor dem Hauptbahnhof in Irkutsk.
Genau wie es die Schaffnerin vorausgesagt hatte wurde es von Stunde zu Stunde wärmer. Wir wären in unseren Winterklamotten eingegangen vor Hitze. Selbst das, was wir an hatten, war uns noch zu warm. Das bedeutete also wieder zurück auf's Sondergleis, einsteigen in unseren Zug und nochmals umziehen. Aber diesmal paßte es.
Man soll es nicht glauben: Schon sehr früh füllte sich die Stadtmitte mit Menschen und wir mitten drin.:-)
Vielleicht ist es dem Leser aufgefallen, dass ich erst die brutale Kälte erwähnte uns aber die Schaffnerin einen heißen, wenn nicht gar einen sengend heißen Tag prophezeite? Sie hatte auch die Erklärung parat: Sibirien hat hochkontinentales Klima, und das bedeutet, dass die Winter wie man weiß saukalt sind, die Som-
mer aber in Sachen Wärme jedoch sogar deutsche Hitze (so wir sie denn mal haben), übersteigen. Wir hatten ungefähr 38 Grad Celsius an jenem Tag. *schwitz*
Trotz Hitze noch so dick angezogen? Man konnte meinen, dass es den Russen noch nicht warm genug gewesen war.*g*.
Manchmal genügt ein einfacher Laternenpfahl, dass man sich 'trennen' muss, obgleich man es gar nicht will. Aber wer läuft schon durch einen Lichtmasten, wenn er nicht gerade ein Geist ist? Bild unten.
Irkutsk ist die Hauptstadt der russischen Oblast Irkutsk am einzigen Abfluss des Baikalsees, der Angara. Allerdings eine Metropole die ins Nichts führt. Man darf sich die umliegende Landschaft (sobald man die Stadt verlässt) etwa so leer vor-
stellen, wie die Universität in den Semesterferien: auf den Straßen fährt kaum mal ein Auto und kleiner Städte gibt es praktisch gar keine - ab und an liegt mal ein Dörfchen auf dem Weg und man ist sich nicht sicher, ob man in einem Geisterdorf angekommen ist wie im Wilden Westen. Fast hat man den Eindruck, ob in den Dörfern überhaupt jemand lebt.
Nach einem kurzen Platzregen - auch das gibt es in Sibirien, bummelten wir weiter durch die Stadt.
Irkutsk entstand aus einem Kosakenfort (Ostrog), das 1661 von dem Kosaken-
führer Jakow Pochabow am Ufer des Flusses Angara angelegt wurde. 1686 be -
kam Irkutsk das Stadtrecht. Erst gegen 1760 wurde der Sibirische Trakt, die
erste Straßenverbindung zwischen Moskau und Irkutsk fertiggestellt, und die Stadt entwickelte sich zum Dreh- und Angelpunkt für den Handel mit den Schät-
zen Sibiriens und den Importen aus dem Kaiserreich China: Pelze, Diamanten, Gold, Seide, Tee, Holz. Mit dem Handelsaufschwung entwickelte sich die Stadt auch zu einem bemerkenswerten Zentrum für Wissenschaft und Kultur – nicht zuletzt dank der großen Zahl von politischen Verbannten. Die Stadt war Aus -
gangspunkt der ersten beiden Expeditionen von Vitus Bering 1728.
In der Leninstrasse
Im Jahr 1879 zerstörte ein Brand drei Viertel von Irkutsk, 4000 Häuser. Danach entstanden dort erste Ziegel- und Steinbauten, ein Theater (1894–97 erbaut), ein Bahnhof (16. August 1898 erster Zug); auch der Anschluss an die Elektrizitäts-
versorgung (1896 elektrische Straßenlaternen) und das Telefonnetz folgte. Die Straßen waren zu der Zeit noch ungepflastert und das Abwasser floss in offenen Gräben dahin. Trotzdem war die Stadt um 1900 das "Paris Sibiriens".
Weiter durch Irkutsk.
In der sowjetischen Periode wurde die Erschließung und Industrialisierung Sibiriens verstärkt vorangetrieben. Bei Irkutsk wurde in den 1950er-Jahre der Irkutsker Stausee für den Betrieb eines Wasserkraftwerks als bedeutendes Element der planmäßigen Entwicklung der Angara-Jenissei-Region angelegt.
Spaziergang durch die Stadt
Ihre Bedeutung als politisches und wirtschaftliches Zentrum Sibiriens verlor
die Stadt im Verlauf des 20. Jahrhunderts an Nowosibirsk. Jedoch ist Irkutsk
bis heute mit seiner Anzahl verschiedener Theater und angesehener Museen
eines der wichtigsten kulturellen Zentren Sibiriens. Irkutsk zählt zu den relativ wenigen Städten Sibiriens, in denen die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Kaufmannsbauten, aber auch Beispiele reizvoller sibirischer Holz-
architektur im Stadtzentrum flächendeckend erhalten sind. Im Vergleich zu
Städten wie Nowosibirsk oder Ulan-Ude wirkt Irkutsk insbesondere im Zentrum
als eine natürlich gewachsene Stadt mit teils verwinkelten Straßen, in denen der sowjetische Plattenbaustil kaum Spuren hinterlassen hat. Es gibt aber auch großzügig angelegte Plätze und Parks.
An einem der vielen Springbrunnen in Irkutsk
Das Irkutsker Kloster zu Maria Erscheinung wurde 1683 gegründet. Innerhalb der Kircheneinfriedung wurden solche Persönlichkeiten wie die Dekabristen Pjotr Muchanow, Nikolai Panow, Wladimir Bestschasnow bestattet. Neben dem Grab von Bestschasnow befindet sich das Grabmal von Jekaterina Trubezkaja mit ihren 3 Söhnen – Fürstin und Gattin eines der Begründer und Leiter des geheimen Nordbundes der Dekabristen Sergej Trubezkoi. Sie war die erste Ehefrau, die auf eigenen Wunsch ihrem zur Zwangsarbeit verurteilten Mann nach Sibirien folgte. Hier liegt auch das Grab von Gregori Schelechow, einem der Begründer der Russisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft. Er war Kaufmann, Reisender, Forscher und Seefahrer, der Alaska und Kalifornien erreichte.
Die Maria Erlöser Kirche in Irkutsk
Durch eine Abküzung zum Bus um ins Freilichtmuseum Talzy zu kommen
Das Freilichtmuseum Talzy zum alten Sibirien liegt auf halber Strecke zwischen Irkutsk und dem kleinen Ort Listwjanka am Ausfluss der Angara aus dem Bai -
kalsee, bei Kilometer 47 der Straße Irkutsk–Listwjanka. Das Museum wurde durch den Historiker W. Swinin und die Moskauer Architektin G. Oranskaja 1966 auf einem Hügel über dem Irkutsker Stausee gegründet, um historische Baudenk-
mäler des 17. bis 19. Jahrhundert aus der Oblast Irkutsk zusammenzutragen.
Im Freilichtmuseum TalzyIm Freilichtmuseum Talzy
36 alte Bauten wurden hier wiedererrichtet: ein Ewenken-Lager, burjatische Jur-
ten, Bauernhäuser, Kirchen und ein Teil einer von den russischen Sibirien-Erobe-
rern Ostrog genannten Holzfestung. Dieser Ostrog stand ab 1630 in Ilimsk, etwa 500 Kilometer nördlich des heutigen Irkutsk. Mit der Zeit wurde diese Festung mit ihren acht Türmen zum regionalen Zentrum. Der Spasski-Torturm des Ilimsker Ostrogs steht heute in Talzy, weil Ilimsk durch dem Ust-Ilimsker Stausee überflu-
tet wurde. Neben dem Festungsfragment stehen eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Kapelle, ebenfalls aus Ilimsk, sowie eine Kirchenschule aus dem 19. Jahrhundert. Daneben ist das Museum Leben, Gebräuchen und Traditionen in der Kultur der Bewohner Transbaikaliens – Russen, Burjaten und Ewenken – im 19. und 20. Jahrhundert gewidmet.
Zurück in Irkutsk auf dem Weg zum Bahnhof
12 Stunden sind nun mal keine vier Wochen Urlaub. Ausserdem: Wer würde schon vier Wochen Urlaub in Sibirien machen wollen? Das ist was für Abenteuerer, nicht aber für Menschen, die dieses Klima nicht gewöhnt sind, weder die unerträgliche Hitze in dem kurzen Sommer, noch die sehr kalten Winter. Trotzdem: Es war eine spannende Tour durch Irkutsk, wenn auch eine hektische. Ich könnte von mir aus aber nicht denselben Spruch behaupten wie den von Venedig: Irkutsk sehen und sterben.
Pünktlich zurück am Bahnhof
Wir haben zwar nicht alles sehen können von Irkutsk, (dafür waren 12 Stunden einfach zu wenig) aber doch das Wesentliche und Interessanteste. Pünktlich zur vorgegebenen Zeit waren wir wieder zurück und ehrlich gesagt waren wir auch froh darüber endlich wieder in unser Abteil zu kommen.
Nach einer kurzen Ruhepause zogen wir uns um für den Speisesaal.
Nach einer kleinen Ruhepause zogen wir uns dann um für das Abendessen im Speisewagen.
Im Speisewagen - soll heißen noch im Gang.
Die meisten Reisenden waren schon beim Dinner. Unser Platz war diesmal besetzt, denn es gab hier keine ständigen Plätze auf die man Anspruch hatte.
Nach dem Dinner begaben wir uns wieder in unser Schlafabteil und ließen Gott einen guten Mann sein. Weshalb aber der Zug nun zwei Dampfloks hatte blieb uns ein Rätsel, denn die Strecke war auch hier elektrifiziert.
Und wieder war es die Schaffnerin die uns erklärte weshalb der Zug jetzt zwei Loks hatte und zwar Dampfloks: Es gab ein Problem mit der Elektrolok, irgendein Aggregat musste ausgefallen sein oder nicht richtig funktionieren. Nun, uns konnte es egal sein, Hauptsache wir kamen weiter und die Klimaanlage für die Wärme war in Ordnung. War sie auch.
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