Jeanette und ich vor dem Kunsthistorischen Museum.

"Der Österreicher tanzt zwar immer noch gern", so meditierte Hermann Proebst, "aber er tanzt nicht um das Goldene Kalb. Er arbeitet. Mehr oder minder gern. Aber er spricht nicht pausenlos davon. Lieber philosophiert er über das Leben, für das er schließlich arbeitet. . . Fleiß ist für den Österreicher genausowenig eine Qualifikation wie Geld. Die schönsten Freuden des Lebens gibt es umsonst."

Jeanette und ich vor der Treppe im Inneren des Museums.

Empfindlich reagieren Wiens Einwohner nur, wenn es um ihre eigene Legende geht: der Wiener, ein gemütlicher Lebensgeniesser, der nichts Schöneres kennt, als bei Schrammelmusik Backhendl zu essen. In Wirklichkeit ist er ein ziemlich zwiespältiger Zeitgenosse, der seine Umwelt häufig mit tiefem Mißtrauen betrachtet. Kein Walzerkavalier, sondern der "Herr Karl" von Helmut Qualtinger. Das goldene Wiener Herz ist oft das einzige, was die Wiener Besucher nicht liefern können.

Wir beide auf der Treppe des Museums.

Ihr Verhältnis zur Obrigkeit besteht meist aus Schimpfen und Dagegen-Sein. So war's schon immer. Bei den historischen Wahlen 1945 war ein ganzes Volk gegen eine kommunistische Obrigkeit. Deshalb ist Österreich heute das einzige Land, das von den Russen besetzt und freiwillig wieder geräumt wurde. (Abgesehen von Afghanistan, wo die damaligen Sowjets ebenfalls freiwillig das Land räumten, den sie durch ihren Krieg nicht gewinnen konnten). Seither entdeckten Land und Hauptstadt zwei neue reizvolle Aufgaben: neutral und Brückenkopf zum anderen Europa, zu den östlichen Nachbarn zu sein. Heute ist Wien die große Grenzstadt des Westens im Osten, Stätte der Annäherung und Begegnung.

Am Maria Theresienplatz

Bild oben rechts: Nach 13jähriger Bauzeit wurde das Denkmal von Kaspar von Zumbusch auf einem Sockel Karl von Hasenauer im Jahr 1888 fertiggestellt. Im Mittelpunkt befindet sich die auf einem hohen Sockel thronende überlebensgroße Figur der Kaiserin, die das Zepter und die Pragmatische Sanktion in ihrer Linken hält. Um sie herum sind die Allegorien der Kraft, Weisheit, Gerechtigkeit und Milde angeordnet. Am Unterbau ist die Kaiserin von Heroen ihres Zeitalters zu Fuß und zu Roß umgeben. Die Reiterstandbilder zeigen die vier großen Feldherren der Kaiserin: Daun, Laudon, Traun und Khevenhüller.

In keine andere Stadt des Westens kommen sie so noch immer, die Tschechen, Ungarn und Rumänen, als Touristen wie als Emigranten. Für sie ist Wien die "Vorstadt Europas", und die vielen "böhmischen" Namen auf Ladenschildern und im Wiener Telefonbuch heissen Sie willkommen.

Wir am Schloss Schönbrunn.
Wir, kommend aus Schloss Schönbrunn. Bilder auf der nächsten Seite
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Bilder von Schloss Schönbrunn