In Erinnerung an Prinzessin Diana
                              
Dianas Wappen vor der Hochzeit     Dianas Wappen während der Hochzeit     
Dianas Wappen nach der Scheidung
Die Frühen 1990er Jahre

Dianas 30. Geburtstag im Juli 1991 löste zahlreiche Spekulationen über ihre Ehe aus. Diana hatte verbreiten lassen, dass sie ihren Geburtstag allein verbringen würde. Am Morgen jenes Tages erfuhr sie, dass sie in zwei Meinungsumfragen zum beliebtesten Mitglied der Königsfamilie gekürt worden war. Es blieb Prinz Charles nicht verborgen, dass sich seine Frau im Umgang mit den Medien wesentlich geschickter erwies als er selbst. Ihre kurzfristigen Triumphe genügten Diana jedoch nicht. Sie war überzeugt, dass die Öffentlichkeit sie für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich machen würde, wenn sie weiterhin Stillschweigen über deren Zustand bewahrte. Im Sommer 1991 beschloss Diana, ihre Sicht der Ehe mit Prinz Charles in einem Buch darzustellen; es sollte allerdings den Eindruck vermitteln, als handele es sich dabei um die Einschätzung Dritter. Sie war sich bewusst, dass sie mit der Veröffentlichung eines solchen Buches ein Tabu des Königshauses brechen würde. Diana tat sich zu diesem Zweck mit dem Journalisten Andrew Morton zusammen; die beiden waren einander 1986 zum ersten Mal begegnet. Diana hatte bald erfahren, dass Morton ein guter Bekannter ihres Vertrauten James Colthurst und außerdem ihr Fürsprecher bei der Presse war. Die Interviews mit Diana, die für das Buch nötig waren, führte allerdings nicht Morton, sondern Colthurst. Als Mortons Verleger Michael O’Mara Beweise für Dianas Behauptung verlangte, ihr Mann habe eine Affäre mit Camilla Parker Bowles, stahl Diana einige Liebesbriefe von Camilla aus Charles’ Aktentasche und überreichte sie den Verlegern.

Ende März 1992 starb Lord John Spencer an einem Herzinfarkt. Diana verhielt sich Charles gegenüber mittlerweile so feindselig, dass er sich nicht traute, ihr die Nachricht persönlich zu überbringen, sondern einen Leibwächter damit beauftragte. Zwei Tage nach Spencers Tod wurde dessen Witwe von ihrem Stiefsohn Charles Spencer aus Althorp verwiesen

Der erste Auszug aus Andrew Mortons Buch
"Diana – Ihre wahre Geschichte"
Prinz Charles und Prinzessin Diana in Ungarn.
Prinz Charles und Prinzessin Diana in Indien.

Am 7. Juni 1992 erschien in der Sunday Times der erste Auszug aus Andrew Mortons Buch "Diana – Ihre wahre Geschichte", und es war für alle Beteiligten offensichtlich, dass Diana selbst die Urheberin jener Zeilen war; die Aussagen über ihre Selbstmordversuche, ihre Verlassenheitsgefühle und ihre Bulimie stammten von einigen ihrer engsten Freunde, deren Namen veröffentlicht worden waren. Mortons Buch erschien zu einer Zeit, als es Diana gelungen war, international ihren Ruf als Repräsentantin des Vereinigten Königreichs zu festigen. In ihrem Umfeld hatte man dafür gesorgt, dass die Bewunderung für ihr karitatives Engagement den Applaus, den man ihrer Garderobe zollte, überwog. Tatsächlich war es Diana auf verschiedenen Auslandsreisen nach Ungarn, in den Balkan und nach Indien gelungen, durch humanitäre Gesten von sich reden zu machen. Kurz nach der Veröffentlichung von Mortons Buch bereute sie, dass es erschienen war. Sie vergegenwärtigte sich das Schicksal ihrer Schwägerin Sarah Ferguson, die sich im März 1992 offiziell von ihrem Ehemann getrennt hatte. Diana beobachtete Fergusons gesellschaftlichen Abstieg mit wachsender Beunruhigung; sie ahnte, dass Mortons Buch für sie ähnliche Konsequenzen haben könnte.

Dianas Enthüllungen in Mortons Buch gaben den Gegnern der Monarchie enormen Auftrieb. Während der Skandal um das Enthüllungsbuch in den Boulevardblättern heftig diskutiert wurde, beschimpfte die seriöse Presse die Personen, die mit Diana zu diesem Zweck zusammengearbeitet hatten. Einige Kolumnisten behaupteten, alles sei frei erfunden, andere betrachteten die Veröffentlichung von Mortons Buch als einen massiven Eingriff in die königliche Privatsphäre. Am 8. Juni 1992 trafen sich Diana und Charles zu einem privaten Gespräch im Kensington-Palast, und Charles stimmte einer Trennung zu. Königin Elisabeth II. war jedoch nicht bereit, diesen Entschluss zu akzeptieren. Seitens des Volkes erhielt Diana viel Sympathie und Anteilnahme. Ihr Bekenntnis zu ihrer Bulimie wurde als ein tapferer Schritt gewertet. Untersuchungen zufolge hat sich seitdem die Anzahl der gemeldeten Bulimie-Fälle stark erhöht. Die Journalisten der Boulevardpresse betrachteten "Diana – Ihre wahre Geschichte" als einen Freibrief, den Mitgliedern der Königsfamilie schamloser denn je nachzustellen.

Diese Veränderung in der Presse sollte sich ab Sommer 1992 bemerkbar machen. Am 20. August 1992 veröffentlichte der Daily Mirror Bilder von Sarah Ferguson, die in der Nähe von St. Tropez dabei fotografiert worden war, wie sie barbusig von einem amerikanischen Finanzberater liebkost wurde. Tina Brown wurde zugetragen, dass Ferguson mittlerweile glaube, Diana habe ihren damaligen Aufenthaltsort in Frankreich der Presse preisgegeben. Ferguson sah in Diana trotz der zunehmenden Entfremdung noch immer eine Verbündete. Brown hält Fergusons Vermutungen für plausibel. Am 11. und 13. November 1992 veröffentlichte der Daily Mirror einen zweiteiligen Artikel mit der Überschrift "Camilla privat", in dem aus Tonbandaufzeichnungen zitiert wurde. Nachdem am 20. November ein Großbrand auf Schloss Windsor neun Staatsgemächer und hundert weitere Räume vernichtet und der Staatssekretär für Denkmalpflege verkündet hatte, dass die Kosten für die Instandsetzung des Schlosses von der Staatskasse getragen würden, stellte der Daily Telegraph am 19. Dezember die Frage, ob die britische Monarchie noch eine Zukunft habe.

Brand auf Windsor Castle

Königin Elisabeth II. bezeichnete in ihrer Rede anlässlich ihres 40. Kronjubiläums am 24. November das Jahr 1992 als ein "annus horribilis" (=Schreckliches Jahr) Der Ausdruck "annus horribilis" wurde von Königin Elisabeth II. in der Guildhall am 24. November 1992 anlässlich einer Rede zu ihrem 40. Thronjubiläum verwendet. Der nächstliegende Bezug betraf das Feuer in Windsor Castle vier Tage zuvor, bei dem das Schloss schwer beschädigt wurde und mehrere Kunstwerke unwiederbringlich verloren gegangen waren. Es gab jedoch noch andere Gründe für den Ausspruch: Im März des Jahres trennten sich Elisabeths zweiter Sohn Prinz Andrew und Sarah Ferguson. Später im Jahr wurden "oben ohne"-Fotos von Sarah, die sie mit ihrem damaligen Freund John Bryan zeigten, veröffentlicht. Im April wurde die Scheidung von Elisabeths Tochter Anne von Mark Phillips rechtskräftig. Die Ehekrise von Prinzessin Diana und Prinz Charles sorgte für negative Schlagzeilen). Am 9. Dezember 1992 verkündete Premierminister John Major im Unterhaus die offizielle Trennung von Diana und Charles mit den Worten, die Eheleute hätten nicht die Absicht, sich scheiden zu lassen und würden weiterhin in vollem Umfang an der Erziehung ihrer Söhne mitwirken. Er fügte außerdem hinzu, dass die Trennung des Prinzenpaares keine verfassungsgemäßen Auswirkungen habe, eine Aussage, die von manchen Mitgliedern im Unterhaus mit Ungläubigkeit betrachtet wurde. Die Vorstellung, dass Diana, die ihre Abneigung gegenüber Charles nun nicht mehr verbarg, eines Tages zur Königin gekrönt werden könnte, war für sie unerträglich. Im Januar 1993 beschloss Diana, fortan auf Polizeischutz zu verzichten, sofern sie nicht mit ihren Söhnen auf Reisen war.

Ab der Trennung war Diana hauptsächlich damit beschäftigt, ihre Berühmtheit möglichst erfolgreich zu vermarkten und sich weltweit zu engagieren. Der Wunsch, karitativ tätig zu sein, war in Diana erwacht, als sie im Februar 1992 das Hospiz von Mutter Teresa in Kalkutta besucht hatte. Sie empfand diesen Besuch als "eine tiefe spirituelle Erfahrung". Ihre internationale Beliebtheit wurde noch dadurch gefestigt, dass sie in Mortons Buch der Öffentlichkeit ihr Privatleben preisgegeben und somit viele Menschen emotional an sich gebunden hatte. Im April 1993 hielt sie in der Stadthalle von Kensington anlässlich der ersten Fachtagung zum Thema Essstörungen in England eine Rede, in die sie ihre persönlichen Erfahrungen mit der Bulimie miteinbezog. Außerdem gelang es Diana, dem Thema postnatale Depression in Expertenkreisen mehr Geltung zu verschaffen. Die konservative britische Regierung unter John Major wusste die Auswirkungen von Dianas öffentlichen Auftritten zu schätzen, doch ihr enorm angestiegenes Ansehen bei der britischen Bevölkerung beunruhigten ihren Ehemann und ihre Schwiegereltern erneut zutiefst. Jene hatten erwartet, dass Diana sich nach der Trennung in die schüchterne, unsichere Person zurückverwandeln würde, die sie einst gewesen war.

Prinz Charles gewährt Jonathan Dimbleby von der BBC
einen Einblick in seine Tagebücher

Nach den Demütigungen, die er durch Mortons Buch erlitten hatte, war in Charles der Wunsch erwacht, seine Ehre wiederherzustellen. Er willigte in ein Interview mit Jonathan Dimbleby von der BBC ein. Charles’ Gespräche mit Dimbleby begannen im Sommer 1992 kurz nach der Veröffentlichung von Mortons Buch. Der Kronprinz gewann Vertrauen zu Dimbleby und gewährte ihm einen Einblick in seine Tagebücher. Am 29. Juni 1994 wurde das Interview mit Dimbleby ausgestrahlt, und an einer Stelle stellte der Journalist die Frage, ob Charles seiner Frau seit der Eheschließung stets treu gewesen sei. Charles erwiderte: "Ja, natürlich. Bis unsere Ehe trotz unserer beiderseitigen Bemühungen unheilbar zerrüttet war." Damit wurden Charles’ Untreue und sein Verhältnis zu Camilla Parker Bowles öffentlich bekannt gegeben; 14 Millionen Zuschauer hatten das Interview verfolgt. Die große Mehrheit der britischen Öffentlichkeit störte sich weniger an seiner Untreue als an der Tatsache, dass er seine Affäre zugegeben hatte.

Die letzte Lebensjahre von Lady Diana (1995–1997)

Im Herbst 1995 hatte Diana sich in den pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan verliebt. Sie reiste so oft wie möglich nach Pakistan, um sich mit Khans kulturellem Hintergrund vertraut zu machen. Schließlich bat Diana ihren Butler Paul Burrell, einen Priester zu fragen, ob eine geheime Trauung mit Khan möglich sei. Als Khan von Dianas Vorhaben erfuhr, zeigte er sich jedoch entsetzt.

Die Enthüllungen über ihre Telefonate bei Oliver Hoare, Hewitts Buch und ihre Affäre mit Will Carling hatten das Bild der Frau, der der Hof Unrecht zugefügt hatte, getrübt. Diana wusste, dass ein neues außereheliches Verhältnis für sie zu riskant wäre. Am 5. November 1995 gab Diana in ihrem Wohnzimmer im Kensington Palace dem Journalisten Martin Bashir von der BBC ein Interview. Sie wollte damit das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr gewonnen hatte, wieder zu ihren Gunsten verändern. Sie wollte erreichen, dass das Publikum in ihr eine geplagte Frau sah, die trotz vieler Anfeindungen stets Haltung bewahrt und nie eine Scheidung gewollt hatte. Am Abend der Ausstrahlung des "Panorama"-Interviews waren die Londoner Straßen leer, denn 23 Millionen Briten saßen vor den Bildschirmen und erwarteten die Sendung, die Diana für den 14. November 1995, den 47. Geburtstag ihres Ehemannes, angekündigt hatte. Tatsächlich wurde die Sendung am 20. November 1995 gesendet. Diana selbst sah sie nicht an. Sie verbrachte den Abend der Ausstrahlung auf einer Benefizgala für Krebspatienten. Sie sagte dabei: "I understand that change is frightening for people, especially if there’s nothing to go to. It’s best to stay where you are. I understand that. But I do think that there are a few things that could change, that would alleviate this doubt, and sometimes complicated relationship between monarchy and public. I think they could walk hand in hand, as opposed to be so distant." – ("Ich verstehe, dass Veränderungen bei den Menschen Angst auslösen, besonders wenn man nicht weiß, wohin das führt. Es erscheint dann immer am besten, man lässt die Dinge, wie sie sind. Ich verstehe das. Aber ich glaube ganz sicher, dass es ein paar Dinge gibt, die man verändern könnte. Dadurch könnten die Zweifel der Öffentlichkeit an der Monarchie beseitigt werden, die manchmal etwas komplizierte Beziehung entkrampft. Ich glaube, beide Seiten könnten Hand in Hand marschieren, statt sich distanziert gegenüber zu stehen." ) "I’d like to be a queen of people’s hearts, in people’s hearts, but I don’t see myself being Queen of this country."– ("Ich wäre ganz gerne die Königin der Herzen, eine Königin in den Herzen der Menschen, allerdings sehe ich mich nicht als Königin dieses Landes." ) "Well, there were three of us in this marriage, so it was a bit crowded." – ("In dieser Ehe waren wir zu dritt, also war es ein wenig überfüllt.") Auf Bashirs Frage, ob sie ihrem Mann untreu gewesen sei, antwortete Diana in Bezug auf James Hewitt: "Yes, I adored him. Yes, I was in love with him. But I was very let down." – ("Ja, ich habe ihn vergöttert. Ja, ich war verliebt in ihn. Aber ich bin schrecklich enttäuscht worden." ) "And being Prince of Wales produces more freedom now, and being King would be a little bit more suffocating. And because I know the character I would think that the top job, as I call it, would bring enormous limitations to him, and I don’t know whether he could adapt to that." – ("Fürst von Wales zu sein bietet jetzt noch mehr Freiheit, und König zu sein wäre etwas einengender. Und da ich seinen Charakter kenne, glaube ich, dass der Top-Job, wie ich es nenne, ihn sehr in die Schranken weisen würde, und ich glaube nicht, dass er sich daran gewöhnen könnte.")

Diana wusste im Voraus, welche Themen im Interview angesprochen werden sollten, und hatte ihre Antworten wochenlang geübt. Sie kümmerte sich selbst um ihre Maske, umrandete ihre Augen mit einem dunklen Eyeliner, was nicht ihren Gewohnheiten entsprach, und schminkte sich einen blassen Teint. Es gelang Diana, bei der Bevölkerung viel Mitgefühl zu erwecken. Am Mittwoch nach der Ausstrahlung des Interviews zeigte eine Umfrage des Daily Mirror eine Zustimmung von 92 % zu ihrem Auftritt. Das britische Königshaus hingegen war von der Sendung schockiert.

Prinz Charles willigt in die Scheidung ein

Obwohl die Scheidung des Kronprinzenpaares mittlerweile nur noch eine Frage der Zeit war, war es nicht das Panorama-Interview, das Königin Elisabeth II. endgültig dazu veranlasste, Charles und Diana zur Scheidung aufzufordern. Anlässlich der alljährlichen Weihnachtsfeier für die Angestellten des St. James’s-Palasts wurde Alexandra Legge-Bourke, eine persönliche Assistentin von Charles, von Diana öffentlich beleidigt. Diana verdächtigte Legge Bourke, mit Charles eine Affäre gehabt zu haben, für die es keine Belege gibt. Nachdem Diana Legge-Bourke am 14. Dezember 1995 öffentlich unterstellt hatte, ein Kind abgetrieben zu haben, dessen Vater Prinz Charles gewesen wäre, fasste Elisabeth II. den Entschluss, die Ehe ihres Sohnes beenden zu lassen. Diese Entscheidung wurde von der Regierung einstimmig akzeptiert. Für alle Minister im Kabinett der Torys war die Vorstellung, Diana könne noch Königin werden, grotesk. Am 20. Dezember 1995 erhielt Diana einen handgeschriebenen Brief von ihrer Schwiegermutter, in dem stand, dass letztere die Angelegenheit mit dem Erzbischof von Canterbury und dem Premierminister besprochen habe. Beide seien zu dem Schluss gekommen, dass eine Scheidung die beste Lösung sei.

Prinz Charles willigt in die Scheidung ein

Diana war nahe einem Zusammenbruch. Ihr Anwalt Anthony Julius riet ihr, nicht sofort in eine Scheidung einzuwilligen und genügend Zeit verstreichen zu lassen. Julius und Diana errechneten eine Summe von 17 Millionen Pfund Sterling, die notwendig seien, um Dianas Status und ihre Sicherheit aufrechtzuerhalten. Am 15. Februar 1996 entschied Elisabeth II., dass Diana sich weiterhin im selben Umfang wie zuvor um ihre Söhne kümmern, ihr Büro im St. James’s-Palast behalten und im Kensington Palace wohnen durfte. Obwohl Diana weiterhin den Titel Fürstin von Wales führen konnte, wurde ihr das Prädikat Her Royal Highness aberkannt. Jedoch gab der Palast bekannt, dass es von nun an korrekt sei, die Fürstin mit "Highness"anzureden und Diana, als Mutter eines künftigen Königs, zu gegebener Zeit einen eigenen Titel erhalten sollte. Denn im Falle einer erneuten Heirat hätte sie den Anspruch auf den Titel " Fürstin von Wales" dauerhaft verloren. Zudem gab das Königshaus bekannt, das Diana trotz Scheidung ein Mitglied der Königsfamilie blieb und sie auch weiterhin den Status einer britischen Prinzessin innehatte. Mit der Scheidung wurde die Möglichkeit verhindert, das Diana jemals Königin (Queen Consort) werden könnte. Der Verlust dieses Prädikats war für Diana insofern problematisch, als sich ihre Möglichkeiten mit der Rücknahme der königlichen Initialen verringern würden. Bei einem gemeinsamen Treffen mit Prinz Charles willigte sie in die Scheidung ein unter der Bedingung, dass die Forderungen ihrer Rechtsanwälte erfüllt würden. Am 13. Juli 1996 wurde die ausgehandelte Scheidungsvereinbarung unterschrieben, mit der sie zwar ihren Titel verlor, aber finanzielle Unabhängigkeit gewann. Neben der Summe, die sie und ihr Anwalt errechnet hatten, sollte sie von nun an alljährlich 400.000 Pfund für ihr Büro erhalten. Am 28. August 1996 wurde die Ehe des Prince und der Princess of Wales geschieden.

Nach der Scheidung reduzierte Diana ihr Personal im Kensington Palace, und Paul Burrell nahm eine wichtigere Rolle in ihrem Privatleben ein. Außerdem verringerte Diana ihr Engagement im Wohltätigkeitsbereich. Von den ursprünglichen etwa hundert Organisationen, für die sie sich einsetzte, blieben nunmehr sechs übrig, darunter das Royal Mars-
den Hospital, die Lepramission und die Nationale Aidsstiftung. Dafür bekam sie den russischen International Leonardo Prize. Diana brach mit Sarah Ferguson, als diese ihre Memoiren veröffentlichte und sich an einer Stelle negativ über ihre frühere Schwägerin äußerte. Obwohl Ferguson sie um Verzeihung bat, weigerte sich Diana, sich mit ihr zu versöhnen. Dafür wurde ihre Stiefmutter Raine Spencer, mit der sie sich 1993 versöhnt hatte, zu einer neuen Verbündeten. Die Jahre der Trennung von Charles ließen Raine Spencer in einem neuen Licht erscheinen. Im ersten Jahr nach der Scheidung normalisierte sich Dianas Beziehung zu Charles. Außerdem stabilisierte sich Dianas Privatleben.

Diana widmete sich wieder verstärkt karitativen Zwecken, um von Hasnat Khan anerkannt zu werden. Mike Whitlam war damals Generaldirektor beim Britischen Roten Kreuz, das zu einem weltweiten Netzwerk von Organisationen angehörte, die sich für ein Verbot des Einsatzes von Landminen und für deren Opfer engagierten. Er weckte Dianas Interesse für die Auswirkungen von Landminen, und am 14. Januar 1997 kam Diana in der angolanischen Hauptstadt Luanda an. In der verwüsteten und stark verminten Provinz Huambo besuchte sie ein Krankenhaus, das weder über elektrischen Strom noch über ausreichend Betten verfügte. Während Dianas Besuch bei den Patienten des Krankenhauses ihr in der Presse viel Anerkennung einbrachte, zeigte sich die britische Tory-Regierung verärgert. Dianas Engagement verstieß gegen die Linie der Torys, die gegen eine Ächtung von Landminen waren. Dagegen erhielt Diana Unterstützung von Tony Blairs Labourpartei. Kurz nach Dianas Gang durch die Minenfelder unterschrieben 122 Regierungen in Ottawa einen Vertrag, der den Einsatz von Landminen gegen Menschen verbot. Das Norwegische Nobelkomitee kürte diese Initiative mit einem Friedensnobelpreis. Außenminister Robin Cook zollte 1998 anlässlich der zweiten Lesung des Gesetzes gegen die Landminen im britischen Unterhaus der inzwischen verstorbenen Diana seine Anerkennung "für ihren bedeutenden Beitrag zu diesem Thema".

Dianas Sohn William hatte schließlich den Einfall, seine Mutter könne ihre Ballkleider für einen guten Zweck in New York versteigern. Diana gefiel die Idee, weil sie sie als eine symbolische Geste zu Beginn ihres neuen Lebensabschnittes betrachtete. Sie war das erste Mitglied aus königlichen Kreisen, das ein solches Projekt in die Tat umsetzte. Diana verbrachte einen Monat damit, ihre alten Roben auszusortieren. Unter anderem wurde das dunkelblaue Kleid von Victor Edelstein, das sie während des Tanzes mit John Travolta getragen hatte, von einem anonymen Bieter für 222.500 US-Dollar ersteigert. Von diesem Kleid hatte sich Diana nur deshalb getrennt, weil sie wusste, dass es bei der Auktion viel Geld einbringen würde.

Tod durch einen Unfall oder doch ein Attentat?
Am 31. August 1997 - hält die Welt den Atem an:
Prinzessin Diana erlitt einen tödlichen Unfall in Paris

Am 30. August 1997 um 21:35 Uhr brachen Diana und Dodi Al-Fayed von Dodis Wohnung in Richtung Chez Benoît auf, einem Restaurant in der Nähe des Centre Pompidou. Dodi war von den anwesenden Paparazzi irritiert und befahl seinem Fahrer nach zehn Minuten Fahrt, zum Pariser Hôtel Ritz zurückzufahren. Dort wollte er mit Diana zu Abend essen. Das Paar betrat das Hotel um 21:53 Uhr. François Tendil, der Sicherheitsbeamte in dieser Nacht, war wegen der Fotografen derart beunruhigt, dass er Henri Paul, den Sicherheitschef des Hotels, herbeizitierte, obwohl dieser eigentlich dienstfrei hatte. Während Dodis und Dianas Abendessen warteten zwei Leibwächter in der Bar Vendôme des Hotels, wo sich Henri Paul zu ihnen gesellte. Dieser trank zwei Gläser von einem gelblichen Getränk, das die Leibwächter irrtümlicherweise für Ananassaft hielten. Um 00:06 Uhr am 31. August 1997 verließen Diana und Dodi die Präsidentensuite des Hotels und gingen zum Personalaufzug im ersten Stock, und vierzehn Minuten später fuhren Henri Paul, Diana, Dodi und der Leibwächter Trevor Rees-Jones in einem Mercedes S 280 los. Paul sollte Diana und Dodi zu dessen Wohnung in der Rue Arsène Houssaye bringen.

Um 00:25 Uhr Ortszeit verunglückte der Wagen in der Alma-Unterführung nahe der Alma-Brücke in Paris. Der Mercedes-Benz prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Tunnelpfeiler. Dianas Partner Dodi Al-Fayed und der Fahrer Henri Paul starben noch am Unfallort. Ein Foto, von dem eine Zeitlang behauptet wurde, dessen Blitzlicht habe den Fahrer geblendet und so den Unfall mit verursacht, war nachweislich bereits bei der Abfahrt beim Hotel Ritz entstanden. Die dem Mercedes folgenden Paparazzi trafen erst nach dem Unfall im Tunnel ein. Mehrere Gerichtsverfahren stuften das Unglück inzwischen als einen Unfall ein. Keiner der Insassen war angeschnallt. Al-Fayeds Leibwächter Trevor Rees-Jones überlebte den Unfall mit schweren Gesichtsverletzungen. Diana war nicht sofort tot. Sie starb wenige Stunden nach dem Unfall an den Folgen ihrer schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière. Gegen 4 Uhr morgens wurde sie offiziell für tot erklärt.

Es stellte sich heraus, dass Henri Paul vor der Fahrt das Antidepressivum Prozac und ein Mittel zur Behandlung von Alkoholismus (Tiapridal) zu sich genommen hatte und mit 1,8 Promille Alkohol mehr als das Dreifache des gesetzlich erlaubten Promillewerts aufwies. Kurz nach ihrem Tod wurde Diana durch den Bestatter Jean Monceau ohne die nach französischem Recht erforderlichen Einwilligungen einbalsamiert, weil sie aus Sicherheitsgründen nicht in einer gewöhnlichen, gekühlten Leichenhalle aufgebahrt war und schnell zu verwesen drohte. Es hält sich das Gerücht, der MI6 hätte dies veranlasst, um eine Schwangerschaft zu vertuschen. Die Trauerfeier in der Westminster Abbey fand am 6. September statt. Als enger Freund der Verstorbenen sang der britische Popmusiker Elton John bei der Feier eine mit neuem Text versehene Version seines alten Liedes Candle in the Wind. Die britische Sopranistin Lynne Dawson sang das Libera me aus Giuseppe Verdis Requiem. Als Königin Elisabeth II. den Buckingham Palace verließ, wurde die königliche Standarte durch den Union Jack ersetzt und auf halbmast gesetzt. Etwa drei Millionen Menschen sahen den Trauerzug durch London. Angeblich rund 2,5 Milliarden Menschen verfolgten weltweit im Fernsehen die Trauerfeier, die damit das bisher meistgesehene Medienereignis gewesen sein soll. Diana wurde im engsten Familienkreis in Althorp auf dem Familiensitz der Spencers begraben. In ihren Händen hielt sie ein Bild ihrer beiden Söhne und einen Rosenkranz, ein Geschenk von Mutter Teresa.

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