Der Reichsapfel    Die Reichsinsignien
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    An einem Spätsommerabend, Anfang September, lud der Oberbefehlshaber der Besatzungsstreitkräfte maßgebende Persönlichkeiten des Landes zu einem Arbeitsessen in sein Hauptquartier. Sprachliche Schwierigkeiten gab es nicht. Der Prominenteste der Einheimischen hatte jahrelang als Fremdenlegionär in der Wehrmacht der Sieger gedient und war erst vor einiger Zeit in die Heimat zurückgekehrt. Der General hatte sich, von Offizier zu Offizier, mit ihm angefreundet und schätzte seinen Rat. Dem Militärgouverneur machte vor allem das Problem der Umerziehung dieses Volkes zu schaffen. 


    Späher v. Arminius
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    Was sich zwischen diesen beiden Szenen abgespielt hatte, war das erste Ereignis auf deutschem Boden, von dem die Geschichtsschreiber ausführlich und mit Namensangaben berichten: die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr.


    Die Schlacht im Teutoburger Wald
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    Dem Cheruskerfürsten Arminius, der als Führer germanischer Hilfstruppen in römischen Diensten seine militärischen Kenntnisse erweitert hatte, war es gelungen, auch die benachbarten Stämme zum Kampf gegen die Besatzung zu gevinnen. Mit der Falschmeldung von einem Aufstand bewog er den römischen Feldherrn Publins Quintilius Varus zum Aufbruch aus seinem Lager, das in der Nähe der mittleren Weser gestanden haben soll. Vergeblich warnte Segestes, Vater der späteren Arminius-Gattin Thusnelda, den Römer. Auf dem Zug durch die dichten Wälder löste sich die Marschordnung der drei Legionen des Varus zwangsläufig auf. Dazu wälzte sich noch ein Troß von Gepäckfahrzeugen, von Frauen und Kindern durch das unwegsame Gelände; insgesamt, so wird geschätzt, etwa 30000 Menschen. Mühsam wand sich der Zug durch die bewaldeten Täler, überquerte Bäche und Flüsse, strömender Regen setzte ein. Da griffen die Germanen an. Sie brachen zwischen Bäumen und Büschen hervor, machten ganze Trupps von Römern nieder und verschwanden, um an anderer Stelle den Kampf fortzusetzen. 

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    Roms Feldherrn, die die Nordgrenze des Reiches schon bis an die Donau vorgeschoben hatten, begnügten sich damit, das heutige Südwestdeutschland zu erobern. Zu seinem Schutz ließen sie seit 83 n. Chr. in jahrzehntelanger Arbeit den Limes errichten. Diese Grenzbefestigung zog sich über rund 550 Kilometer vom Mittelrhein hinüber nach Hessen, durch Franken und Schwaben bis an die Donau südlich von Regensburg hin. Hinter den Grenzen- dem Rhein im Westen, dem Limes im Südwesten, der Donau im Süden breitete sich eine Unzahl von germanischen Stämmen aus, ostwärts bis ins Gebiet der Weichsel und des Bug, nördlich über ganz Skandinavien.

 
Varus und seine Legionen
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Die Leute verstanden die neue Rechtspraxis nicht, die mit der Besatzung Einzug gehalten hatte, und fanden sie erniedrigend. Neueste Meldungen besagten, in einem entfernten Landesteil sei ein Aufstand ausgebrochen. Der General war ein Mann von schnellen Entschlüssen: Einsatzbefehl an die Truppen, Abmarsch am nächsten Morgen. Wenige Wochen später sprang in der Reichshauptstadt der  Staatschef und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht, kaum daß er  die Kurierpost gelesen hatte, entsetzt auf. Verzweifelt stieß er seinen Kopf ein paarmal gegen einen Türpfosten seiner Kanzlei, rief dabei mehrmals den Namen des Generals aus und flehte, er möge ihm seine Truppen wiedergeben ... 
 
 


Varus, Varus, 
gib mir meine Legionen wieder...
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Die leichtbewaffneten Germanen waren ihren Gegnern, die sich nicht zu gewohnter Schlachtordnung formieren konnten, überlegen und in der Überzahl. Immer schwerer wurden die römischen Verluste. Am dritten Tag des Kampfes, der immer wieder heftig aufflammte, gerieten die Römer in einen sumpfigen Wald. Ein Wolkenbruch überschüttete sie, der Sturm heulte, die restlichen Truppen drängten sich auf engem Raum zusammen, behinderten sich gegenseitig. Die Germanen stürmten, metzelten die Römer nieder. Varus wollte die Katastrophe nicht überleben, er stürzte sich in sein Schwert.
Wie lange das Entsetzen nachwirkte, das nicht nur den Kaiser Augustus befallen hatte, geht daraus hervor, daß nie mehr eine römische Legion die Nummer 17, 18 oder 19 trug - es waren - die Bezeichnungen der im Teutoburger Wald abgeschlachteten Legionen. Seit Julius Cäsar im sechsten Jahrzehnt vor Christi Geburt Gallien erobert hatte, bildete der Rhein die Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien. Die wenigen germanischen Stämme links des Rheins waren unterworfen oder vernichtet worden. Die Römer kolonisierten das linksrheinische Gebiet; um ihre befestigten Lager wuchsen Städte, wie Köln und Trier. In den zwanzig Jahren vor der Schlacht im Teutoburger Wald (von der wir bis heute nicht genau wissen, wo sie stattgefunden hat), hatten römische Feldherrn immer wieder Kriegszüge weit nach Germanien hinein unternommen. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann "Germania magna" reif  wäre, römische Provinz zu werden. Die Niederlage des Varus machte alle Pläne zunichte. Kaiser Tiberius, der Nachfolger des Augustus, gab die Eroberungspläne auf.