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Varus und seine Legionen
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Die Leute verstanden die neue
Rechtspraxis nicht, die mit der Besatzung Einzug gehalten hatte, und fanden
sie erniedrigend. Neueste Meldungen besagten, in einem entfernten Landesteil
sei ein Aufstand ausgebrochen. Der General war ein Mann von schnellen Entschlüssen:
Einsatzbefehl an die Truppen, Abmarsch am nächsten Morgen. Wenige
Wochen später sprang in der Reichshauptstadt der Staatschef
und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht, kaum daß er die Kurierpost
gelesen hatte, entsetzt auf. Verzweifelt stieß er seinen Kopf ein
paarmal gegen einen Türpfosten seiner Kanzlei, rief dabei mehrmals
den Namen des Generals aus und flehte, er möge ihm seine Truppen wiedergeben
...
Varus, Varus,
gib mir meine Legionen wieder...
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Die leichtbewaffneten Germanen waren
ihren Gegnern, die sich nicht zu gewohnter Schlachtordnung formieren konnten,
überlegen und in der Überzahl. Immer schwerer wurden die römischen
Verluste. Am dritten Tag des Kampfes, der immer wieder heftig aufflammte,
gerieten die Römer in einen sumpfigen Wald. Ein Wolkenbruch überschüttete
sie, der Sturm heulte, die restlichen Truppen drängten sich auf engem
Raum zusammen, behinderten sich gegenseitig. Die Germanen stürmten,
metzelten die Römer nieder. Varus wollte die Katastrophe nicht überleben,
er stürzte sich in sein Schwert.
Wie lange das Entsetzen nachwirkte,
das nicht nur den Kaiser Augustus befallen hatte, geht daraus hervor, daß
nie mehr eine römische Legion die Nummer 17, 18 oder 19 trug - es
waren - die Bezeichnungen der im Teutoburger Wald abgeschlachteten Legionen.
Seit Julius Cäsar im sechsten Jahrzehnt vor Christi Geburt Gallien
erobert hatte, bildete der Rhein die Grenze zwischen dem Römischen
Reich und Germanien. Die wenigen germanischen Stämme links des Rheins
waren unterworfen oder vernichtet worden. Die Römer kolonisierten
das linksrheinische Gebiet; um ihre befestigten Lager wuchsen Städte,
wie Köln und Trier. In den zwanzig Jahren vor der Schlacht im Teutoburger
Wald (von der wir bis heute nicht genau wissen, wo sie stattgefunden hat),
hatten römische Feldherrn immer wieder Kriegszüge weit nach Germanien
hinein unternommen. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann
"Germania magna" reif wäre, römische Provinz zu werden.
Die Niederlage des Varus machte alle Pläne zunichte. Kaiser Tiberius,
der Nachfolger des Augustus, gab die Eroberungspläne auf.
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