Weltgeschichte in aller Kürze  

  Die Dritte Republik
       in Frankreich  
  
In der Schlacht von Sedan am 2. September 1870 wurde der Kaiser durch die Preußen gefangen genommen und durch die Ausrufung der Dritten Republik zwei Tage später in Paris abgesetzt. Napoleon wurde von preußischen Truppen nach Kassel gebracht, wo er im Schloss Wilhelmshöhe unter Arrest gestellt wurde. Am 5. September 1870 traf er in Schloss Wilhelmshöhe, der ehemaligen Residenz seines Onkels Jérôme ein, und blieb hier bis zum 19. März 1871. Der Krieg endete für Frankreich mit einer vollständigen Niederlage.
Kaiser Napoleon III. nach seiner Gefangennahme durch Fürst Otto von Bismarck
Bild unten: Kaiser Napoleon III. und Fürst Otto von Bismarck auf dem Weg zu Seiner Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelm I. am Morgen nach der Schlacht von Sedan.
In der Schlacht von Sedan am 2. September 1870 wurde der Kaiser durch die Preußen gefangen genommen und auf das Schloss Wilhelmshöhe gebracht.
Warten auf Schloss Wilhelmshöhe auf die Ankunft des Franzosenkaisers Napoleon III.
Am 4. September 1870 waren die republikanisch gesinnten Abgeordneten von Paris ins Palais Bourbon eingedrungen und hatten die Republik ausgerufen
Nach der Niederlage von Sedan war das Zweite Kaiserreich mit einem Schlag zusammengebro-
chen. Am 4. September 1870 waren die republikanisch gesinnten Abgeordneten von Paris ins Palais Bourbon eingedrungen und hatten die Republik ausgerufen. Gleichzeitig versuchte eine provisorische Regierung Maßnahmen zur Fortsetzung des Krieges zu treffen. Aber eine Reihe weiterer Niederlagen zwang die Regierung der nationalen Verteidigung am 28. Januar 1971 zur Kapitulation.

Ritter Manfred erzählt die Weltgeschichte
im Kurzformat. Hier:
Die Dritte Republik in Frankreich
Seine Majestät Kaiser Napoleon III.  Ihre Majestät Kaiserin Eugenie
S.M. Napoleon III.             Kaiserin Eugenie.

Der deutsche Fürst Otto von Bismarck  Comte Maurice Macmahon.
Fürst Otto v. Bismarck           Maurice Mac Mahon.

  Die Nationalversammlung
           in Bordeaux  
  
Bismarck hatte auf die Wahl einer repräsentativen Volksvertretung gedrungen, weil er da-
rauf bedacht war, die Bedingungen des geplanten Friedensvertrages durch eine höchste, allgemein verbindliche Instanz ratifizieren zu lassen. Im Wahlkampf ging es einzig und allein um die Frage: Krieg oder Friede. Die Monarchisten waren für einen sofortigen Friedens-
schluß und trugen aus diesem Grund den Sieg über ihre republikanischen Gegner davon. Die neue Nationalversammlung vom 8. Februar 1871 setzte sich aus über 400 Royalisten, rund 200 Republikanern und etwa 30 Bonapartisten zusammen. Sie trat in Bordeaux zu-
sammen und wählte am 17. Februar Thiers zum "Haupt (Chef) der vollziehenden Gewalt der Französischen Republik in der Erwähnung, daß über die endgültigen staatlichen Ein-
richtungen Frankreichs später zu entscheiden sein werde."
Die Friedensverhandlungen in Frankfurt am Main. Die französische Delegation wurde von Jules Favre (links), die deutsche von Bismarck (rechts) geleitet.
Die Mehrheit der Abgeordneten wollte mit dieser Formel zum Ausdruck bringen, daß die Republik nur eine provisorische Zwischenstufe bis zur Wiedererrichtung der Monarchie darstellen sollte. Nun kam es darauf an, den Kriegszustand mit Deutschland zu beenden. Bismarck wiederholte seine Forderungen. Trotz aller Vorstellungen der Abgeordneten aus Lothringen und dem Elsaß, die von den Linksrepublikanern unterstützt wurden, nahm die Nationalversammlung die deutschen Bedingungen an. Der Friedensvertrag wurde am 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main unterzeichnet. Damit trat Frankreich Elsaß-Lothringen mit 1.600.000 Einwohnern an Deutschland ab und verpflichtete sich zur Zahlung einer Kriegs-
entschädigung von 5 Milliarden Franc binnen drei Jahren. Während dieses Zeitraums sollte der östliche Teil von Frankreich durch deutsche Truppen besetzt bleiben. Im März siedelte die Nationalversammlung von Bordeaux nach Versailles über, nachdem sie den Entscheid über die künftige Verfassung vertagt hatte. Jetzt zählte einzig und allein der Wiederaufbau des Landes. In Paris empfand man den Ortswechsel der Volksvertretung nach Versailles als Schmach, aber die Konservativen betrachteten die Hauptstadt als "Brutstätte revo-
lutionärer Ideen."

  Kanonen auf dem
       Montmartre  
  
Kanonen der Nationalgarde auf dem MontmartreDie Nationalgarde in Paris
Die Commune de Paris (Pariser Kommune) war die Frucht eeines plötzlich ausgebrochenen Aufstands. Die Hauptstadt hatte mehr als andere Städte unter dem Krieg gelitten. Ihre Be-
wohner waren durch die wochenlange Belagerung, während der Mangel an Nahrungs-
mitteln geherrscht hatte, ausgehungert und befanden sich zum Zeitpunkt der Friedensver-
handlungen in einer elenden Lage. In diesem Zustand der Erschöpfung und Demütigung ließ sich die Pariser Bevölkerung von der regen Propaganda der Republikaner und verschiede-
ner revolutionärer Gruppen gewinnen, darunter Jakobiner, Sozialisten, die sich der Ersten Internationalen angeschlossen hatten, sowie die Anhänger von Proudhon und Blanqui. Paris hatte nur Republikaner in die Nationalversammlung gewählt und machte aus seiner Feind-
schaft gegen die Monarchisten keinen Hehl. Das Zentralkomitee der republikanischern Förderation der Nationalgarde, die in der Hauptstadt größtes Ansehen genoß, wurde von den Revolutionären beherrscht.
Durchsuchung nach WaffenDie Hauptstadt hatte mehr als andere Städte unter dem Krieg gelitten. Ihre Bewohner waren durch die wochenlange Belagerung, während der Mangel an Nahrungsmitteln geherrscht hatte, ausgehungert und befanden sich zum Zeitpunkt der Friedensverhandlungen in einer elenden Lage.
Den Vertretern von Adel und reichem Bürgertum, welche die Nationalversammlung in der Hand hatten, lag recht wenig daran, eine soziale Krise zu beheben, unter der sie nicht zu leiden brauchten.

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Geschichte wiederholt sich eben immer wieder: Auch in Deutschland - und das wohlgemerkt im 21. Jahrhundert, kümmern sich Staat und Regierung, unter dem Deckmantel der Globalisierung, wenig um die notleidenden und sozial schwachen Familien - geht es ihnen doch gut mit ihren 7600 Euro mtl. Einkom-
men. Auch sie müssen nicht Not leiden im Gegensatz zu Millionen Hartz IV Empfängern und haben von daher ebenfalls kein Interesse an der Schieflage der sozialen Gerechtigkeit etwas zu ändern. In absehbarer Zeit, das scheint den Verantwortlichen noch nicht bewußt zu sein, wird sich dieses Verhalten bitter rächen.

Sie stimmten daher den von Thiers in Aussicht genommenen Maßnahmen zur Wieder-
herstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Ordnung zu. Nun erteilte Thiers der Armee den Begehl, sich der Kanonen der Nationalgearde zu bemächtigen, zu deren Kauf alle Pariser während der Belagerung beigetragen hatten. Andererseits traf das Zentralkomitee Anstalten "jeden Versuch zum Sturz der Republik zu vereiteln". Am 18. März marschierte ein Regiment zum Montmartre, wo die Kanonen aufgestellt waren. Eine große Menge von Nationalgardisten, Arbeitern, Frauen und Kindern forderte die Truppe auf, sich mit ihnen zu verbrüdern und die Ausführung der Befehle, die sie erhalten hatten, zu verweigern. Die Soldaten kehrten die Gewehre um, um damit anzuzeigen, daß sie dieser Aufforderung Folge leisteten, und lieferten ihre beiden Generäle Lecomte und Thomas den Aufständischen aus. Sie wurden kurzerhand als Volkverräter erschossen.

Die Soldaten kehrten die Gewehre um, um damit anzuzeigen, daß sie dieser Aufforderung Folge leisteten, und lieferten ihre beiden Generäle Lecomte und Thomas den Aufständischen aus. Sie wurden kurzerhand als Volkverräter erschossen.
  Die "blutige Woche"    
Thiers ließ hierauf die Hauptstadt räumen und auch den Sitz der Regierung nach Versailles verlegen. Paris wurde vom Zentralkomitee kampflos besetzt. Die Bürgermeister und Frei-
maurer unternahmen Vermittlungsversuche. Die Regierung jedoch forderte vollkommene, bedingungslose Unterwerfung: "Mit Mördern wird nicht verhandelt", erklärte der gemäßigte Republikaner Jules Favre. Nun ließ das Zentralkomitee durch allgemeines Stimmrecht einen Generalrat der Pariser Kommune wählen, dessen Mehrheit aus Revolutionären wie Ferrè, Rigault, Pyat und Delescluze bestand. Die Kommune erklärte die Entscheidungen der Regierung in Versailles für unverbindlich, verfügte die allgemeine Wehrpflicht und entschied sich für den republikanischen Kalender und die rote Fahne. Sie bestand freilich viel zu kurze Zeit, um all die politischen und sozialen Reformen durchzuführen, die sie in Aussicht nahm: Volkswahl der Regierungen, Absetzbarkeit der Beamten durch ihre Auftraggeber, Ver-
staatlichung der öffentlichen Schulen und Verbesserung der Lebensbedingungen für die Arbeiter. Die Führer der Bewegung waren zudem oft im ungewissen über ihre Ziele.
Bürgerkrieg in Paris
Den Jakobinern, die wie Delescluze ganz in der Erinnerung an die heroischen Zeiten von 1793 lebten und eine zentralistische Diktatur errichten wollten, standen die eher anarchistischen Anhänger Proudhons gegenüber, die am 18. April folgende Punkte zur Annahme brachten:

"Anerkennung der Republik...unbe-
schränkte Autonomie der Kommune und deren Ausdehnung auf alle Ortschaften Frankreichs...freiwillige Übernahme örtlicher An-
regungen und Anträge..." Das Programm verkündete zum Schluß: "Das Ende der alten Welt ist gekommen, jener Welt der Obrigkeiten und der Pfaffen, des Bürokratentums, der Aus-
beutung der Börsenspekulation, der Monopole und Vorrechte, kurz, aller Übel, denen das Proletariat seine Knechtschaft und das Vaterland sein Elend und Unglück verdanken."

Die Anhänger der Kommune verteidigten jede Barrikade bis zum Äußersten, setzten die Tuilerien, das Stadthaus und den Justizpalast in Brand und erschossen Geiseln.
Von den 17 Mitgliedern der Ersten Internationale konnte allerdings nur ein einziger von sich mit Recht behaupten, er sei marxistischer Sozialist. Übrigens sah Marx selbst seit langem einen Aufstand in Paris voraus. Diese Ahnung erfüllte ihn mit großer Sorge, weil er nur zu gut wußte, daß die Erhebung keine einheitliche Führung finden und dadurch zum Scheitern verurteilt sein werde. Dem Aufruf der Pariser Kommune folgten Aufstände nementlich in Lyon, Marseille, Dijon und Saint-Etienne, aber diese wurden alle niedergeschlagen, und von Anfang Mai an war Paris isoliert.

Damit war der Zeitpunkt gekommen, daß die Regierung in Versailles zum Angriff übergehen konnte. Thiers hatte von Bismarck die Freilassung von 100.000 Kriegsgefangenen erreicht und verstärkte mit ihnen die Regierungstruppen. Dieser gut ausgerüsteten Armee konnte die Kommune nur 30.000 Kämpfer entgegenstellen. Dennoch brauchte Marschall Mac Mahon über einen Monat, um sie zu bewältigen. Nach einer fünfwöchigen Belagerung drangen die Regierungstruppen am 21. Mai beim Point-du-Jour in Paris ein. Kaum je zuvor verlief ein Bürgerkrieg so mörderisch wie die "blutige Woche", die nun folgte. Die Anhänger der Kommune verteidigten jede Barrikade bis zum Äußersten, setzten die Tuilerien, das Stadthaus und den Justizpalast in Brand und erschossen Geiseln, bis sie schließlich ihr letztes Bollwerk, den Friedhof Père Lachaise, verloren. Über 20.000 Mann von ihnen wurden kurzerhand und ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Am 28. Mai hatte die Kom-
mune zu bestehen aufgehört. Die revolutionäre Arbeiterbewegung war ihrer Führung beraubt und gebrochen. Es dauerte zwanzig Jahre, bis sie sich davon erholte.

    Die Regierung Thiers  
Am 31. August 1871 verlieh ein Gesetz dem "Retter" Thiers die Befugnisse des Präsidenten der Republik und zugleich die des Ministerpräsidenten. Thiers stand damals im 73. Lebens-
jahr. Um Deutschland die Kriegsentschädigung zahlen zu können, ließ er zwei Anleihen auflegen. Das Ergebnis übertraf die kühnsten Erwartungen bei weitem: Es wurden nahezu 50 Milliarden gezeichnet! Schon im September 1873 war die gesamte Kriegsentschädigung bezahlt, und die letzen preußischen Soldaten zogen aus Verdun ab.
Schon im September 1873 war die gesamte Kriegsentschädigung bezahlt, und die etzten preußischen Soldaten zogen aus Verdun ab.
Aber die Anleihen belasteten den Staatshaushalt schwer. Die Regierung erhöhte die indi-
rekten Steuern, von denen die ärmsten Volksschichten am härtesten betroffen wurden. Die militärische Niederlage hatte die Dringlichkeit einer Neuordnung der französischen Armee bewiesen, aber die bevorrechtigten Kreise stimmten der Einführung der allgemeinen Wehr-
pflicht nur höchst widerwillig zu. Durch ein Gesetz vom Juli 1872 wurde sie zwar eingeführt, wobei die Dienstzeit grundsätzlich fünf Jahre umfassen sollte, aber zugleich sah man viele Möglichkeiten zur Befreiung vom Militärdienst, zum Beispiel für Studenten und Seminari-
sten, vor. Trotz dieser Ausnahmebestimmungen, die eine unerfreuliche Ungleichheit schufen, erzielte die Reform das erwartete Ergebnis: das erforderliche militärische Potential wurde wieder hergestellt. Auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren rasch überwunden. Eine allgemeine Konjunkturlage in Verbindung mit mehreren ertragreichen Ernten ver-
schafften Frankreich wieder seinen früheren Wohlstand.
Das erforderliche militärische Potential war wieder hergestellt.
Nachfolger von Thiers wurde Marschall Mac Mahon.
Kaum waren die Probleme gelöst, die der verlorene Krieg mit sich gebracht hatte, so gewannen die innenpolitischen Fragen wieder ihr ganzes Gewicht. Weil die Monarchisten in mehrere Lager gespalten waren, fanden sich Thiers und seine Gesinnungs-
freunde allmählich mit dem Gedanken ab, die Re-
publik beizubehalten, allerdings mit einer konserva-
tiven Prägung. Wie sollten denn auch die Anhänger der Bourbonen, die Orleanisten und die Bonapartisten dazu gebracht werden, sich untereinander auszu-
söhnen? Aber die Mehrheit der Nationalversammlung blieb royalistisch gesinnt und geriet bald in einen offenen Konlflikt mit der Regierung. Am 24. Mai 1873 mußte Thiers zurücktreten. Zu seinem Nach-
folger als Präsidenten der Republik wählten die Royalisten Marschall Mac-Mahon, einen alten Soldaten ohne politische Erfahrung, und zum Ministerpräsidenten den Herzog von Broglie.

   Die Verfassung von 1875 - ein Misserfolg der Monarchisten