Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Geschichte wiederholt sich eben immer wieder: Auch in Deutschland - und das wohlgemerkt im 21. Jahrhundert, kümmern sich Staat und Regierung, unter dem Deckmantel der Globalisierung, wenig um die notleidenden und sozial schwachen Familien - geht es ihnen doch gut mit ihren 7600 Euro mtl. Einkom-men. Auch sie müssen nicht Not leiden im Gegensatz zu Millionen Hartz IV Empfängern und haben von daher ebenfalls kein Interesse an der Schieflage der sozialen Gerechtigkeit etwas zu ändern. In absehbarer Zeit, das scheint den Verantwortlichen noch nicht bewußt zu sein, wird sich dieses Verhalten bitter rächen. Sie stimmten daher den von Thiers in Aussicht genommenen Maßnahmen zur Wieder-herstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Ordnung zu. Nun erteilte Thiers der Armee den Begehl, sich der Kanonen der Nationalgearde zu bemächtigen, zu deren Kauf alle Pariser während der Belagerung beigetragen hatten. Andererseits traf das Zentralkomitee Anstalten "jeden Versuch zum Sturz der Republik zu vereiteln". Am 18. März marschierte ein Regiment zum Montmartre, wo die Kanonen aufgestellt waren. Eine große Menge von Nationalgardisten, Arbeitern, Frauen und Kindern forderte die Truppe auf, sich mit ihnen zu verbrüdern und die Ausführung der Befehle, die sie erhalten hatten, zu verweigern. Die Soldaten kehrten die Gewehre um, um damit anzuzeigen, daß sie dieser Aufforderung Folge leisteten, und lieferten ihre beiden Generäle Lecomte und Thomas den Aufständischen aus. Sie wurden kurzerhand als Volkverräter erschossen.
"Anerkennung der Republik...unbe-schränkte Autonomie der Kommune und deren Ausdehnung auf alle Ortschaften Frankreichs...freiwillige Übernahme örtlicher An-regungen und Anträge..." Das Programm verkündete zum Schluß: "Das Ende der alten Welt ist gekommen, jener Welt der Obrigkeiten und der Pfaffen, des Bürokratentums, der Aus-beutung der Börsenspekulation, der Monopole und Vorrechte, kurz, aller Übel, denen das Proletariat seine Knechtschaft und das Vaterland sein Elend und Unglück verdanken."
Damit war der Zeitpunkt gekommen, daß die Regierung in Versailles zum Angriff übergehen konnte. Thiers hatte von Bismarck die Freilassung von 100.000 Kriegsgefangenen erreicht und verstärkte mit ihnen die Regierungstruppen. Dieser gut ausgerüsteten Armee konnte die Kommune nur 30.000 Kämpfer entgegenstellen. Dennoch brauchte Marschall Mac Mahon über einen Monat, um sie zu bewältigen. Nach einer fünfwöchigen Belagerung drangen die Regierungstruppen am 21. Mai beim Point-du-Jour in Paris ein. Kaum je zuvor verlief ein Bürgerkrieg so mörderisch wie die "blutige Woche", die nun folgte. Die Anhänger der Kommune verteidigten jede Barrikade bis zum Äußersten, setzten die Tuilerien, das Stadthaus und den Justizpalast in Brand und erschossen Geiseln, bis sie schließlich ihr letztes Bollwerk, den Friedhof Père Lachaise, verloren. Über 20.000 Mann von ihnen wurden kurzerhand und ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Am 28. Mai hatte die Kom-mune zu bestehen aufgehört. Die revolutionäre Arbeiterbewegung war ihrer Führung beraubt und gebrochen. Es dauerte zwanzig Jahre, bis sie sich davon erholte.