Von Moskau nach Peking.
Illustriert von MGB
Zwischenstationen
Kazan und Perm
  
Wir auf dem Bahnsteig in Kirow
Viel Zeit blieb natürlich nicht, da unser Sonderzug nur eineinhalb Stunden Aufenthalt hatte. So blieben nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, und die quasi auch noch im Sauseschritt. Andere Reisende haben das auch bestätigt, wie hier zu sehen.
Wir beschlossen daraufhin uns mit dem Reiseleiter zu arrangieren, dass es so nicht ginge, worauf dieser sich bei seiner Dienststelle erkundigte, ob man nicht längere Aufenthalte einlegen könnte. Das OK kam für russische Verhältnisse bemerkenswert schnell und lag bereits nach einer halben Stunde vor mit dem Vermerk: Dass alle Reisenden dieses Sonderzuges einen Zuschlag von etwa 500 Euro zuzahlen müssten. Wenn er das zurückfaxen würde, ginge das mit den längeren Aufenthalten in Ordnung. Kein einziger Reisender hatte dagegen protestiert und so sammelte der Reiseführer das Geld ein und zahlte es in Kirow per Blitzüberweisung an die Reisegesellschaft in Moskau ein. Ab jenem Tag konnten wir alle bestimmen, wie lange der Sonderzug an den Bahnhöfen zu stehen hatte.
Die Stadt Kirow liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und am schiffbaren Fluss Wjatka (Nebenfluss der Kama und damit im Einzugsbereich der Wolga). Kirow ist knapp 900 km östlich von Moskau sowie 22 km westlich von der benachbarten Stadt Kirowo-Tschepezk gelegen. Kirow wurde erstmals, wie aus Archiven der Stadt hervorgeht, urkundlich im Jahre 1374 erwähnt. Die Stadt wurde ursprünglich als Außenposten namens Chlynow während der Feldzüge von Nischni Nowgoroder Siedlern gegen Städte der Goldenen Horde gegründet. Stadthistoriker gehen davon aus, dass die Gründung bereits Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte. Wie es für russische Grenzortschaften der damaligen Zeit üblich war, entstand in Chlynow eine Festung nach Art eines altrussischen Kremls mit einer etwa zwei Meter hohen Umfriedungsmauer.
In Kirow am Springbrunnen. Es war ein wunderschöner sonniger Tag
Im 14. und 15. Jahrhundert stellte das Gebiet am Fluss Wjatka, von dem auch Chlynow später seinen noch bis 1934 gültigen Namen erhielt, ein politisch ver-
gleichsweise autonomes Gebilde im Besitz des Nischni Nowgoroder Fürsten-
tums dar. Nach einem Feldzug von Truppen des Moskauer Großfürsten Iwan III. im Jahr 1489 kam Chlynow endgültig an das Großfürstentum Moskau. Noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts, als Moskowien Reste der ehemaligen Goldenen Horde (darunter das nahe gelegene Khanat Kasan) eroberte, stellte Chlynow einen wichtigen Grenzposten dar. Zugleich entwickelten sich dort Handwerke sowie Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. (All das wurde uns von einem kun-
digen Fremdenführer in Kirow erzählt). Natürlich interessierte uns die Geschichte der Stadt, aber mehr noch die historischen Gebäude und sonstigen Bauten ver-
gangener Zeiten.
Das Sergej Mironowitsch Denkmal in Kirow.
Sergej Mironowitsch Kirow (Denkmal oben) erwies sich als ein Hardliner und großer Anhänger Stalins. Er hatte einen großen Anteil an der Zerschlagung der sowjetischen Akademie der Wissenschaften Anfang der 1930er Jahre, die sich damals in Leningrad befand. Unter seiner tatkräftigen Leitung wurde der Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals vorangetrieben, wobei er für die verstärkte Einsetzung von Gefangenen eintrat, die unter unmenschlichen Bedingungen zu Tausenden bei diesem Vorhaben starben. In den 1930er Jahren wurde Kirow zunehmend popu-
lärer, sowohl bei den Parteigenossen als auch beim Volk. Es wird häufig behauptet, dass zwischen Kirow und Stalin während des 17. Parteitages oder kurz danach Spannungen aufgetreten seien. Während des Parteitages hatte Kirow Stalin jedoch als "den größten Strategen der Bewegung zur Befreiung von Werktätigen" und als "den besten Steuermann unseres großen sozialistischen Landes" bezeichnet.

Am 1. Dezember 1934 wurde Kirow von Leonid Nikolajew in Leningrad erschos-
sen. Die Hintergründe des Attentats konnten nicht zweifelsfrei geklärt werden. Aufgrund des offensichtlichen Nutzens, den Stalin für die Entfachung des Großen Terrors aus dem Mord gezogen hatte, gibt es immer wieder Vermutungen, er habe den Mord in Auftrag gegeben. Dafür haben sich allerdings nie Beweise finden lassen. Ebenso möglich erscheint daher die Tat eines frustrierten Einzelnen. Nach dem Tod Kirows wurde seine Urne an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt. 1934 wurde nach Kirow die Stadt Wjatka in Kirow umbenannt und ihm zu Ehren ein Denkmal gesetzt.

Wir am Kirow Platz
Im 17. Jahrhundert wurde Chlynow darüber hinaus erstmals als Verbannungsort für in Ungnade gefallene Adlige und später für unliebsame politische Aktivisten genutzt. Diese Funktion behielt es noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein. 1781 wurde die Stadt, die bereits Ende des 17. Jahrhunderts als der größte Ort im Nord-
osten des europäischen Teils Russlands galt, offiziell in Wjatka umbenannt. 1796 wurde das Gouvernement Wjatka gebildet, auf dessen Basis im 20. Jahrhundert die heutige Oblast Kirow entstand.
Wir auf dem Rückweg ins Stadtzentrum. My Lady waren etwas schneller als ich:-)
Im Verlauf des Russischen Bürgerkrieges in den 1920er-Jahren kam es in Wjatka zu schweren Zerstörungen, da das Gouvernement aufgrund seiner verkehrstech-
nisch günstigen Lage an wichtigen Eisenbahnlinien stark umkämpft war. Am 7. Dezember 1934 erhielt die Stadt ihren jetzigen Namen nach dem ermordeten Staatsmann Sergei Kirow, der aus der Stadt Urschum im Gouvernement Wjatka stammte. Zwei Jahre später wurde aus den ehemaligen Territorien des Gouver-
nements unter Ausgliederung Udmurtiens die Oblast Kirow gebildet.
Vor dem Kirow Mariinsky Theater
Das Mariinski-Theater ist eines der bekanntesten Opern- und Balletthäuser der Welt. Das Gebäude liegt am Sankt Petersburger Theaterplatz. Viele wichtige russische Opern und Ballette wurden hier uraufgeführt. Es ist die Heimat des bei Auslandsauftritten immer noch gern so genannten Kirow-Balletts. Das Ballett trägt inzwischen auch den offiziellen Namen Ballett-Kompagnie des Mariinski-Theaters. Das 1860 von Alberto Cavos errichtete Gebäude wurde ursprünglich nach Maria Alexandrowna von Hessen-Darmstadt, der Frau Zar Alexanders II., benannt. 1919 erhielt es zunächst den Namen GATOB zu deutsch "Staatliches Akademisches Opern- und Balletttheater" und wurde 1935 nach dem 1934 ermordeten Vorsitzen-
den des Leningrader Sowjets, Sergei Kirow, in Kirow-Theater umbenannt. Seit 1992 trägt es wieder seinen ursprünglichen Namen. Das Gebäude fasst 2000 Zuschauer. Der Zuschauersaal ist reich in Blau, Weiß und Gold geschmückt.
Am Holidaycenter in Kirow
Am Holidaycenter in Kirow
Leider gab es keine Beschreibung über den Freizeitpark in Kirow und dessen Gründer. Dennoch: es war ein Vergnügen besonderer Art ihn besucht zu haben. Langsam wurde es aber Zeit an den Bahnhof zurückzukehren.
Unterwegs durch zahllose Kurven in Richtung Nischni-Nowgorod
Nischni Nowgorod, 1932 bis 1990 Gorki, ist mit 1.272.527 Einwohnern die fünft-
größte Stadt Russlands. Sie liegt an der Einmündung der Oka in die Wolga und ist die Hauptstadt der Oblast Nischni Nowgorod sowie des Föderationskreises Wolga. Um 1850 entwickelte sie sich zur Drehscheibe des russischen Handels und später zu einer Industrie-Metropole.
Vor dem Moskauer Bahnhof in Nischni-Nowgorod
Die Stadt wurde 1221 von Juri II. Wsewolodowitsch, dem Großfürsten von Wladi-
mir, am Zusammenfluss der beiden wichtigsten Flüsse seines Reiches, der Wolga und der Oka, gegründet. Die wörtliche Übersetzung von Nischni Nowgorod lautet "Untere Neustadt". Möglicherweise gab man ihr diesen Namen zur Unterschei-
dung vom älteren Nowgorod. Wie auch Moskau und Twer, gehörte Nischni Now -
gorod zu jenen neugegründeten Städten, die aufgrund ihrer damaligen Bedeu-
tungslosigkeit der Verwüstung durch die Mongolen entgingen, sich dann aber in der Zeit des "Tatarenjochs" (Herrschaft der Goldenen Horde vom 13.–15. Jahr-
hundert) zu wichtigen politischen Zentren entwickelten. Die Bedeutung von Nischni Nowgorod nahm weiter zu, nachdem es im Jahre 1350 zur Hauptstadt des Fürsten-
tums Susdal erklärt worden war. Der Großfürst Dmitri Konstantinowitsch (1328-1383) war bemüht, die Hauptstadt seines Reiches zu einem ebenbürtigen Rivalen Moskaus zu machen: Er ließ eine steinerne Festung und mehrere Kirchen bauen und machte sich um die Geschichtsschreibung verdient. Die älteste erhaltene Abschrift der berühmten Nestorchronik wurde im Jahr 1377 in seinem Auftrag von dem Mönch Lawrenti erstellt.
In Nischni Novgorod am Gorkisquare
Flanieren über die Einkaufsstrasse Nischni Nowgorods
Nischni Nowgorod von 1932 bis 1990 Gorki, ist mit 1.272.527 Einwohnern (Stand: 2009) die fünftgrößte Stadt Russlands.Nischni Nowgorod von 1932 bis 1990 Gorki, ist mit 1.272.527 Einwohnern (Stand: 2009) die fünftgrößte Stadt Russlands.
Südlich der Altstadt befindet sich der Park "Nischni Nowgoroder Schweiz". Dieser dient den Bewohnern der Stadt als Erholungsgebiet, welchen wir zu besuchen leider keine Zeit mehr hatten, da wir noch andere Sehenswürdigkeiten besuchen und in die Kamera als Erinnerung aufnehmen wollten.
Nischni Novgorod Sverdlov Monument von 1468Nischni Novgorod ein anderes Monument
Am Nischni Nowgorod Kreml
Der Nischni Nowgoroder Kreml ist das historische Zentrum der Stadt. Der Bau begann 1501 mit dem Iwanowskaja-Turm. 1508 folgten weitere Baumaßnahmen, die 1515 abgeschlossen wurden. Der Komplex umfasst 13 Türme, fünf davon mit Toren und einem quadratischen Grundriss, acht mit runder Form. Die Türme sind zwischen 18 und 30 Meter hoch und durch bis zu fünf Meter dicke, 12 bis 20 Meter lange Mauern verbunden. Auf dem Gelände des Kremls befindet sich die Erzengel-Michael-Kathedrale, errichtet in den Jahren zwischen 1628 und 1631 von Lawrenti Wosoulin und A. Konstantinow.
Auf dem Weg zurück in die StadtNein, die Strassenbahn nahmen wir nicht. Wir liefen die paar Meter zum Bahnhof
Markt hinter dem Bahnhof
Und weiter ging es in Richtung Perm
Eine feinsinnige Spielerei gewitzter Bürokraten ermöglicht es, in kurzer Zeit eine ganze Zeitzone zu durchqueren. Danach gilt: Moskauer Ortszeit plus 2 Stunden.
  Nach Perm