Von Pierre über Gettysburg und Mobridge passierten wir über die 83 die Grenze von South Dakota nach North Dakota. Dann ging es über Linton bis in die Landeshauptstadt Bismarck, wo wir dann abbogen auf den Inter -
state 94 Richtung Mandan und später weiter nach Medora.
Mit seinen über 50.000 Einwohnern ist Bismarck wahrlich keine der Me-
tropolen in den USA, aber die Mittelstadt ist die Hauptstadt von North Dakota und somit auch Sitz der lokalen Regierung. Die Stadt liegt schön am hier zu vielen Seen aufgestauten Missouri. In der Umgebung trifft man auf zahlreiche (aktuelle) Indianer, aber auch auf viele historische Spuren der Ureinwohner. Warum die Stadt ausgerechnet Bismarck heißt, ist nicht ganz klar. Immerhin gibt es in North Dakota auch einen Ort namens Napoleon.
Während unserer Durchfahrt durch Mandan wurden wir Zeuge eines Hausbrands. Lange Zusehen war nicht drin, denn die Feuerwehrleute baten uns rasch weiterzufahren. Auf der Fahrt in Richtung Dickinson machten wir erst einmal Rast, denn Jeanette hatte plötzlich Hunger bekommen - und ehrlich gesagt, ich auch ;-) Also hielten wir an einem Steakhouse, welches sich gerade anbot und am Ortsausgang stand.
Dickinson liegt im Zentrum des Grasslandes von North Dakota. Unweit entfernt befindet sich der Theodore Roosevelt National Park. Die Stadt selbst wurde teilweise von ukrainischen Einwanderern besiedelt. In der Nähe findet man in Richardton ein veritables barrockes (bayerisches) Kloster (ohne Brauerei). Auch dieser sehr ländlich geprägte Raum bietet einiges zum Entdecken.
Die Stadt Medora hatte 2000 genau 100 Einwohner, also sicher keine große Stadt. Dennoch, sie ist Hauptstadt des Bezirks Billings, verfügt über zahlreiche Unterkünfte und wird häufig von Touristen besucht. Die Ursache ist die für den Wilden Westen ungewöhnlich Geschichte der Stadt. Sie wurde 1883 von dem französischen Marquis de Morès gegrün-
det und nach seiner Gattin, Medora von Hoffman, benannt. Als standes-
gemäße Residenz erbaute er das Château de Morès. Sein Plan, gefrore-
nes Fleisch nach Chicago zu liefern scheiterte, mehrmals war er wegen Mordverdachts eingesperrt, aber immer wieder ohne Schuldspruch. Morès kehrte nach Frankreich zurück, versuchte in Vietnam eine Eisen-
bahn aufzubauen, duellierte sich mit Dreyfus und wurde schließlich 1896 in Algerien ermordet. In der Nähe von Medora steht ein Musikal-Theater, in dem u.a. das Leben von Roosevelt gespielt wird.
Marquis de Morès
Der Marquis de Morès war ein Abenteurer, wie er im Buche steht. Dass das Buch noch nicht verfilmt wurde, liegt wohl daran, dass seine Geschichte kein Happyend fand. Dabei bietet sie alles, was ein Western-Melodram braucht: Amerikanische Träume, viel Action, eine große Liebe und das weite Land, das einst in dem Edel-Western von William Wyler beschworen wurde. In Medora, heute einem kleinen Tou-
ristenstädtchen in North Dakota nicht weit von der Grenze zu Montana, kann man sich die Geschichte an den Originalschauplätzen er-
zählen lassen. "Mich ödet das zivilisierte Leben an. Ich sehne mich nach der Wildnis", hat der Marquis in einem Brief geschrieben, der im Besucherzentrum zu lesen ist. 1883 kam der junge französische Aristokrat in die Badlands, von den nach Westen ziehenden Siedlern so genannt, weil die schroffen Bergzüge schwer zu überwinden waren. Dazwischen gab es jedoch viel fruchtbares Weideland – Grund genug für den Marquis, sich hier niederzulassen und mit dem Geld seiner Familie ein ungewöhnliches Unternehmen zu beginnen: Er ließ eine Fabrik bauen, in der das Fleisch der Rinder vor Ort verarbeitet und dann in Kühlwaggons mit der neuen Northern Pacific Railroad zu den Städten des Ostens transportiert wurde. Das Kühlwagen-System hätte zu einer Konkurrenz für die etablierte Fleischwirtschaft werden können. Bisher ließen die Rinderbarone das lebende Vieh in den Zügen zu den gigantischen Schlachthöfen von Chicago transportieren. „Der Marquis hatte eine geniale Idee, sein Problem war, dass er seiner Zeit voraus war“, sagt Wade Westin, Marketingdirektor von Medora. Auch aufgrund wirtschaftlicher Fehlplan-
ungen scheiterte das Unternehmen. 1886 zog de Morés mit seiner Familie zurück nach Frankreich. Geblieben sind ein Fabrikschornstein und die auf einer Anhöhe gelegene Villa, in der der Marquis drei Sommer lang mit seiner Frau Medora, nach der er die neue Siedlung benannte, und seinen Kindern lebte. In dem heute für Besucher geöffneten Haus, dem so genannten „Chateau“, wirkt alles noch so, als hätten die Bewohner das Gebäude gerade erst verlassen. Der Marquis versuchte sich danach noch in weiteren Unternehmungen in Indochina und anderswo und wurde schließlich 1896 bei einer Sahara-Expedition von Einheimischen getötet. Seine Frau kam 1903 noch einmal zu einem kurzen Besuch in den Ort, der ihren Namen trägt. ( Einbauen: FABRIKANTENVILLA: Das „Château“, in dem der Marquis de Morès mit seiner Frau Medora lebte, ist heute eine Touristenattraktion.) Aber für Touristen gibt es noch weit mehr zu tun: Im Theodore-Roosevelt-Nationalpark kann man Büffelherden und Wildpferde bestaunen, auf dem Golfplatz "Bully Pulpit" vor der Felskulisse abschlagen und mit dem Mountainbike durch die Badlands touren. Auf der Openair-Bühne wird das Medora-Musical aufgeführt, zuvor können die Besucher ein "Pitchfork-Fondue" genießen – Steaks, die auf Mistgabeln auf-
gespießt und in riesigen Fässern in heißem Öl gegart werden.
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