Zweiter Teil Schloss Versailles

Bild links: Der persönliche Geschmack des Königs und seine Wille, jeden Besucher in Erstaunen zu versetzen, spiegeln sich deutlich im Salon de Mars wider. Der Raum mit der vergoldeten, bemalten Decke und dem roten Damst an den Wänden gehörte ebenfalls zu den Grands Appartements. In diesem Saal fanden Bälle und Konzerte statt.

Bild rechts: Der Salon de Diane besticht vor allem durch die zahlreichen Gemälde und Fresken, die die grossen Deckenlünetten zieren. Zum Dekor gehören ferner erlesen geschmückte Paneele und Marmorbüsten, darunter ein berühmtes Porträt Ludwigs XIV. von Bernini. Motive aus Schifffahrt und Jagd, die sich mit dem Mythos der Diana verbinden, stehen im Vordergrund. Dieser Raum war ebenfalls ein Teil der Grands Appartements.

Bild oben: Die Schlachtengalerie im Musèe de Versailles ist 110 m lang. König Louis Philippe liess sie zu Ehren der grossen militärischen Siege Frankreichs erbauen. Dafür mussten vier Appartements von Mitgliedern der königlichen Familie weichen. Die Gemälde zeigen Könige und berühmte Generäle auf dem Schlachtfeld.

Interessantes!

Jules Hardouin-Mansart führte ab 1678, inzwischen Architecte du Roi, die Arbeiten weiter. Er bemühte sich, dem Schloss eine einheitliche Linie zu geben. Die Terrasse, die sich zu den Gärten hin öffnete, musste der herrlichen Galerie des Glaces, der Spiegelgalerie, weichen. Vergeblich versuchte Jean-Baptiste Colbert, Generalkontrolleur der Finanzen und Nachfolger von Fouquet den Herscher davon zu überzeugen, dass Versailles den Todesstoss für die durch unzählige Kriege erschöpften Finanzen des Lands bedeute. Allein im Jahr 1684 beliefen sich die Kosten auf ca. acht Millionen Francs. Als einzige Antwort veranstaltete der Sonnenkönig ein weiteres legendäres Fest, das Unsummen verschlang.

1682 siedelte Ludwig mit seinem Hof nach Versailles über. Nun erst entwickelte sich das Schloss zu dem Barockpalast, der in der ganzen Welt als Symbol absolutistischer Macht gilt. Frankreich war inzwischen zur wichtigsten europäischen Nation aufgestiegen, und von Versailles aus fällte der Sonnenkönig seine Entscheidungen. Eigentlich konnte man nicht mehr von einem einfachen Schloss sprechen, lebten hier doch ständig etwa 20.000 Personen, darunter unzählige Höflinge und Diener. Sie fanden sich täglich zu bestimmten Ritualen etwa dem morgendlichen "Lever du Roi" (der Aufstehzeremonie des Königs) ein, um dem Herrscher zu huldigen und einen Blick von ihm zu erhaschen oder gar ein Wort von ihm zu hören. Jeder Schritt des Königs war bis ins kleinste Detail geregelt und bot ihm die Möglichkeit, Gunstbeweise (zum Beispiel das Entfernen des Nachtgeschirrs) zu verteilen oder in Ungnade gefallene Höflinge durch Nichtbeachtung zu strafen.

Erstes Bild ganz oben: Auch das Grand Trianon besitzt einen Spiegelsaal, den Ludwig XV. als Kabinettsaal nutzte. Die Ausstattung der Appartements in diesem Gebäude wurde während der Französischen Revolution geplündert und zerstört. Napoleon I. liess sie wieder herrichten.

Zweites Bild oben: Die Chambre de l' Empereur (Schlafzimmer des Kaises) im linken Flügel des Grand Trianons wurde ursprünglich für Ludwig XVI. erbaut. Später nutzte Marie Antoninette den Raum. Der Dekor mit exotischen Accessoires, Möbeln im Empirestil und korinthischen Säulen entspricht vollkommen dem Geschmack der damaligen Zeit.

Wissenswertes!

Die Bauarbeiten dauerten während der gesamten Herrschaft Ludwigs XIV. an. Man vergisst oft, dass sie nicht nur Geld, sondern auch zahlreiche Menschenleben kosteten. Rund 30.000 Arbeiter waren ständig am Werk, Tausende von ihnen starben bei Unfällen, verhungerten oder erfroren. Viele Opfer forderte auch der nutzlose Versuch, die nahe gelegene Eure umzuleiten, um das rund 60 km lange Netz von Kanälen mit Wasser zu füllen, das die Gärten des Schlosses durchzog.

Das kleine Dorf Versailles, das bis 1661 nur aus einigen Bauernhöfen bestanden hatten, beherbergte 1713 etwa 45.000 Einwohner. Der König hatte verfügt, dass kein Haus höher sein dürfe als das Schloss, eine heute noch respektierte Regel. Auf der Straße von Paris nach Versailles herrschte reger Betrieb, denn viele Höflinge, die im Schloss selbst keine Wohnung bekommen hatten, fanden sich täglich im Schloss ein. Versailles war nach strengen Regeln gegliedert: Prinzen, Minister und hohe Würdenträger lebten im Nord- und im Südflügel mit Blick auf die Gärten, während die Appartements der Höflinge sich zur Stadt hin öffneten.

Die königlichen Gemächer befanden sich im ersten Stock des Mitteltrakts, die des Herrschers lagen nach Norden, die seiner Gemahlin nach Süden hin. Zwei Marmortreppen, die heute nicht mehr existierende Botschaftertreppe und die Treppe der Königin, führten zu ihnen empor. Der König selbst verfasste im Jahr 1689 eine kleine Schrift mit dem Titel "Maniere de montrer le jardin de Versailles", die heute in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt wird. Darin gibt er Hinweise zur Besichtigung des Gartens von Versailles, den Le Natre ganz nach seinen Vorstellungen gestaltet hatte. Ludwig XIV. liebte hohe Bäume und wählte persönlich Pinien, Pappeln und Platanen aus, die er aus allen Teilen Frankreichs, aus Flandern und Italien kommen ließ.

Ebenso sehr mochte er Blumen, besonders stark duftende, und der Gärtner Le Bouteux war ständig auf der Suche nach neuen und seltenen Arten, an denen der König Gefallen finden konnte. Zwar gibt es kein Bild, das den Sonnenkönig in den Alleen von Versailles zeigt, doch kann man ihn sich in seinen kostbaren Gewändern, mit Schnallenschuhen und Federhut gut vorstellen, wie er, von Höflingen umgeben, die Rabatten, Brunnen und Wasserbecken entlangschritt. (Bild oben) Unteres Bild: Im Schlosspark von Versailles.

Die Pläne zur Oper entstanden unter Ludwig XIV., der Bau geht auf Ludwig XV. zurück. In dem wohlproportinonierten Saal fanden 1000 Besucher Platz. Der Boden lässt sich auf die Höhe der Bühne bringen, sodass man den Raum für Bälle nutzen konnte.
Rechtes Bild: Der Grüne Salon trägt seinen Namen aufgrund der Farbe der Möbel und der Wandverkleidung. Er zählt zu den am reichsten ausgestatteten Räumen des Grand Trianons.

Im Theater der Königin in den Gärten des Trianons veranstaltete Marie Antoinette Vorführungen, zu denen sie nur wenige Auserwählte einlud. (Bild oben)

Erstes Bild oben: Der Salon der Venus befindet sich in den Grands Appartements und ist der gleichnamigen Göttin gewidmet. Die Decke zieren Fresken mit Szenen aus der antiken Mythologie; in den Marmornischen stehen Statuen antiker Helden.
Bild unten: Die Portikus des einstöckigen Grand Trianons öffnet sich zum Garten hin. Die Fassaden sind heute mit weissem und rosafarbenem Marmor verkleidet.

1764-1768 schuf Jacques-Ange Gabriel das Petit Trianon, das in der Nähe des Grand Trianons steht, im neoklassizistischen Stil. Ludwig XV. verbrachte hier angenehme Stunden mit seiner Mätresse Madame Dubarry.

Familie Ludwigs XIV. und der Stammbaum

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